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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Starke Pumpen schützen die Hase von der Giftbrühe
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Bahngelände: Sanierung dauert Jahre
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Originaltext:
Starke Pumpen schützen die Hase vor der Giftbrühe

Bahngelände: Sanierung dauert Jahre

Die Behebung der Umweltschäden nach dem Unglück im Güterbahnhof am 16. Februar wird noch Jahre dauern und die Bahn (beziehungsweise deren Versicherungen) Millionen kosten. Einziger Lichtblick: Die Hase und umliegende Brunnen sind nicht in Gefahr, erfuhr jetzt der Umwelt- und Feuerwehrausschuss.

Ein Schienenstück brach, als in der Nacht ein Güterzug mit 26 Waggons die Stelle östlich der Schellenbergbrücke passierte. Mehrere Waggons sprangen aus den Schienen und kippten um. Eine Kesselwagen wurde dabei aufgerissen, und aus einem zwei Meter großen Riss sprudelte sofort das giftige Acrylnitril in den Boden. Dann fing die Chemikalie Feuer. Nach sechs Stunden hatten Hunderte Feuerwehrleute den Brand unter Kontrolle und mit Hilfe von drei Millionen Litern Löschwasser und Schaum auch verhindert, dass die anderen Kesselwagen explodieren.

" Wir hofften zunächst, dass das meiste von dem Acrylnitril verbrannt ist", erläuterte Detlef Gerdts vom Fachbereich Grün und Umwelt. Doch mittlerweile wisse man: Von den 64 000 Litern der Chemikalie versickerten 50 000 Liter und verseuchten eine Fläche von 4 000 qm. " Der Boden ist nicht so sehr verseucht. Die Chemikalie ist durch das Erdreich hindurch bis in eine Tiefe von acht Metern in das Grundwasser gesickert und hat sich dort gelöst." Direkt am Unglücksort betrage die Kontamination 65 Gramm (65 000 mg) pro Liter Wasser.

" In der angrenzenden Hase wurde eine Belastung von nur 0, 01 mg gemessen", beruhigte Gerdts. Ständige Messungen (an insgesamt 30 Punkten) hätten auch gezeigt, dass die Trink- und Brauchwasserbrunnen in der Umgebung nicht tangiert seien. Kritisch sei es geworden, als sich das kontaminierte Grundwasser der Hase genähert habe. " Das Problem ist jetzt durch eine Art hydraulische Wand unter Kontrolle", so Gerdts. Aus zwei Brunnen würden stündlich 500 Liter Grundwasser abgepumpt. Die " Ausbeute" an Acrylnitril ist jedoch mager: Ganze 20 Kilo der Chemikalie konnten bislang herausgefiltert werden. " Aber die Wand zur Hase steht."

Die Zusammenarbeit mit der Bahn und den Gutachtern funktioniere hervorragend, erfuhren die Ausschussmitglieder. Inzwischen ist eine Spezialfirma damit beauftragt, eine maßgeschneiderte Technik zu entwickeln. In drei Monaten würden die Arbeiten wohl beginnen. Dann werde mehrere Jahre lang der Boden und das Grundwasser in diesem Bereich immer wieder durchgespült. Da die Chemikalie nicht neutralisiert werden könne, müsse das herausgefilterte Acrylnitril später verbrannt werden.

Wie viele Millionen das die Bahn kosten wird, konnte von der Stadt noch niemand sagen. Selbst die Kosten des Feuerwehreinsatzes, den ebenfalls die Bahn bezahlen muss, sind noch nicht addiert.

Vier Waggons, gefüllt mit je 64 000 Litern Acrylnitril, rollen täglich durch Osnabrück: von der niederländischen Herstellerfirma in Richtung Lin-

" Brunnen sind nicht gefährdet'

gen. Die Chemikalie wird von der Kunststoffindustrie zum Beispiel für die Herstellung von Kleidung gebraucht - und ist nach der Verarbeitung völlig harmlos.

" Wir hatten Glück: Der verunglückte Güterzug fuhr nur mit Tempo 40. Andere Züge, mit denen Gefahrstoffe transportiert werden, fahren wesentlich schneller durch die Stadt", erläuterte Feuerwehrchef Jürgen Knabenschuh dem Ausschuss. Allerdings: " Zugunglücke dieser Art sind sehr selten. Uns bereiten die Gefahrguttransporte durch Lastwagen auf den Straßen mehr Sorgen."

Konsequenzen aus dem Einsatz für die Feuerwehr: Es fehle ein Tanklöschfahrzeug mit einem fernbedienbaren Wasserwerfer mit einer Reichweite von 75 Metern. " Bei den Löscharbeiten im Februar stand ein Feuerwehrmann ganz nah am Feuer. Eine Explosion hätte er nicht überlebt", so Knabenschuh. (d.)

AUS DIESEM LECK im Kesselwagen flossen nach dem Bahnunglück 50 000 Liter Acrylnitril in das Grundwasser.Foto: Klaus Lindemann
Autor:
d.


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