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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Überschrift:
Mit dem Teekessel Wasser geholt
 
Wasserfontäne gesucht und nur Pfützen gefunden
Zwischenüberschrift:
Tausende saßen auf dem Trockenen
 
Rohrbruch: Schulen und Geschäfte schlossen, Andrang an der Zapfstellen
Artikel:
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Originaltext:
Wasserfontäne gesucht und nur Pfützen gefunden

Tausende saßen auf dem Trockenen

Von Beate Dammermann

Kanalbauer an der Miquelstraße bekamen gestern Morgen den Zorn wasserloser Anwohner zu spüren: " Habt ihr ne Leitung getroffen?", wurden sie angemeckert. Doch sie waren unschuldig und bald sprach es sich herum: Seit 6 Uhr waren Tausende Haushalte zwischen Iburger Straße und Lüstringen in den Stadtteilen Voxtrup, Gretesch, Neustadt, Fledder und Kalkhügel ohne das lebensnotwendige Nass. Gegen 18 Uhr floss das Wasser dann wieder.

Die Telefone bei der Störungsstelle der Stadtwerke liefen heiß. " Wir suchen fieberhaft", beteuerte Stadtwerkesprecher Peter Horenburg. Irgendwo in dem 100 Kilometer langen Leitungsnetz, gespeist vom Hochbehälter Schölerberg, musste es einen Bruch gegeben haben. Doch wo, wusste niemand. " Wir haben keine Anrufe, dass irgendwo Wasser aus der Erde sprudelt und müssen einfach suchen." Über Rundfunk wurden die Osnabrücker aufgefordert, eine mögliche Wasseraustrittsstelle zu melden. Keine brauchbaren Reaktionen, nur Hinweis auf Regenpfützen. " Das Wasser muss nicht an der überfläche austreten, es kann auch irgendwo zwischen Felsspalten im Grundwasser versickern", so Horenburg.

" Selbst Wasserwerker mit 30-jähriger Erfahrung sind ratlos und schütteln nur mit dem Kopf. Sie haben dafür keine Erklärung", berichtete der Pressesprecher.

50 Mitarbeiter der Stadtwerke schwärmten aus, am Abend durch externe Monteure abgelöst. Sie teilten die betroffenen Stadtteile in Planquadrate ein, schlossen einzelne Bereiche vom Netz ab und warteten auf Rückmeldung vom Wasserwerk, ob sie dadurch einen Druckanstieg und - abfall erreicht hatten. " Es ist nicht wie beim Strom, wo man die Störungen örtlich eingrenzen kann", erklärte Horenburg. Den ganzen Tag über wurden Leitungen auf- und abgesperrt, der Druck gemessen, aus Thiene und Wittefeld Wasser zugeleitet.

Immerhin: Um 16.50 Uhr war klar, dass im Bereich Voxtrup kein Leck war. 10 000 Menschen bekamen wieder Wasser. Um 17.40 Uhr war auch die Iburger Straße wieder voll am Netz, der Rohrbruch auf einen Quadratkilo-

Ein unsichtbares Leck im Fledder

meter eingegrenzt - und gegen 18 Uhr die Nachricht: Das Riesenleck liegt (von außen nicht sichtbar) unter der Kreuzung Hannoversche Straße / Großer Fledderweg. Sofort wurde die Straße gesperrt, die Bagger rückten an. Spät in der Nacht sollte der Schaden behoben sein.

Bis dahin erinnerten einige Orte in den betroffenen Stadtteilen an Nachkriegs-oder Notstandsgebiete: Menschen füllten Wassereimer an Notzapfstellen. 30 Freiwillige vom Technischen Hilfswerk aus Osnabrück, Ibbenbüren und Melle sowie Helfer des DRK füllten Tanks und " Wasserblasen" mit Wasser und schlossen Rohrleitungen mit Wasserhähnen an. " Es ist das erste Mal, dass wir unser Material im Inland einsetzen", sagte THW-Zugführer Martin Hagedorn. " Zuletzt haben wir es bei der Flutkatastrophe in Mosambique verwendet." Um die Wassercontainer zu den Menschen zu bringen, wurden sogar Lkw von Privatfirmen angeheuert.

UNSICHTBAR unter der Hannoverschen Straße: An dieser Stelle ist die Versorgungsleitung gestern Morgen gebrochen. Mitarbeiter der Stadtwerke tauschten das defekte Rohr noch in der Nacht aus. Unser Foto entstand um 22.30 Uhr.Fotos: Michael Hehmann

Mit dem Teekessel Wasser geholt

Rohrbruch: Schulen und Geschäfte schlossen, Andrang an den Zapfstellen

" So ein Tag ohne Wasser ist doch nicht schlimm. In Kasachstan gab es oft sehr lange keins." Still und ohne Aufregung füllte Jahan Wirt gestern an der Josef kirche zwei Plastikeimer und bedankte sich noch sehr freundlich bei den Helfern an der provisorischen Zapfstelle. Auch Nachbar Harald Adomeit nahm' s gelassen: " Für den Kaffee habe ich mir vorhin Mineralwasser gekauft. Aber für die Toilette braucht man schon mehr Wasser", sagte er und zog ebenfalls mit zwei Eimern von dannen.

Nach dem Wasserrohrbruch hatten 40 000 Osnabrücker kein Wasser. Doch ab 13 Uhr floss das kühle Nass an 16 Zapf-Standorten aus den Häh-

Am Morgen nur Katzenwäsche

nen. Stadtwerke-Mitarbeiter Michael Plogmann betreute an der Ameldungstraße eine Zapfstelle, wo Anwohner in Eimern, Kanistern und Teekesseln das kostbare Nass abholten. " Es ist kein Trinkwasser", so sein Hinweis, " vorsichtshalber sollte man es abkochen." Trinkwasser war es zwar, was er ausgab, aber weil einige Tanks zuvor desinfiziert worden waren, musste dieser " rechtliche Hinweis" sein. Hildegard Müller war trotzdem dankbar für die Hilfe - " für die Klospülung".

Normale Haushalte hatten unter dem Wassermangel nicht so sehr zu leiden. Gut, morgens gab es nur Katzenwäsche und bei Toilettengängen mehrerer Familienmitglieder zu warten, bis die tröpfelnden Leitungen die Spülkästen wieder gefüllt hatten, war noch möglich. Eigenheimbesitzer konnten sogar Wasser aus Regentonnen nehmen oder hatten gar einen eigenen kleinen Brunnen. Man behalf sich, so gut es ging.

Schlimmer, manchmal im wahrsten Sinne des Wortes zum Himmel stinkend, wurde es dort, wo viele Menschen in einem Gebäude lernten oder arbeiteten. " Was soll man schon tun, ohne Wasser? Eben nicht die Spülung ziehen", so ein Mitarbeiter aus dem Telekom-Verwaltungsgebäude an der Hannoverschen Straße. Von der Polizei am Kollegienwall schlichen sich vor allem Mitarbeiterinnen auf die " stillen Ortchen" des Marienhospitals, das dank eigener Brunnen vom Notstand nicht betroffen war. Ebenso wie auch das Kinderhospital nicht. Verwaltungsleiter Wilfried Lübbers berichtete, das Haus habe Wasser eimerweise als " Notration" bereitgestellt, " aber noch läuft alles normal". Neben dem Medizinbetrieb gab es auch in der Küche für die über 100 kleinen Patienten plus Mitarbeiter keine Einschränkung: Frischer Salat, Gemüseauflauf und Nachspeise wurden planmäßig serviert. Im Paulusheim an der Magdalenenstraße hingegen wurde vom Technischen Hilfswerk eine kleine Wasserleitung ins Haus gelegt.

Die dreizehn Schulen in den wasserlosen Stadtteilen bekamen um 8.30 Uhr von der Schulverwaltung die Erlaubnis, schulfrei zu geben - und nutzten das auch, als sich die hygienischen Zustände verschlimmerten.

" Unsere Waschanlage geht nicht, aber für den Kaffeeautomaten reicht der schwache Wasserdruck", sagte Nebojsa Busch von der Westfalen-Tankstelle an der Hannoverschen Straße. Einige Häuser weiter, im Fitnessstudio WOF,

Das Geschirr stapelte sich bis zum Abend

wurde mittags dicht gemacht. " Da merkt man erst, wie abhängig man vom Wasser ist", sagte Mitarbeiter Stefan Metzer. Sauna, Duschen und vor allem die Toiletten konnten nicht benutzt werden, letztere wurden zwischendurch notdürftig mit Mineralwasser gereinigt.

Heidi Puck musste ihren Frisiersalon an der Iburger Straße praktisch schließen: " Das Wasser tröpfelt nur aus der Leitung, seit heute Morgen haben wir nur trocken schneiden können und meine Angestellte ist jetzt nach Hause gegangen", erzählte sie am Mittag. Silke Rumker, Chefin des Restaurants Bauernkate an der Meller Straße, konnte zwar noch die Gäste mit ihrem Mittagsmenü versorgen, aber die Spülmaschine stand still: " Das Geschirr stapelt sich in der Küche, bis heute Abend werden wir improvisieren müssen." (d./ fhv)

KEIN WASSER AUS DER DUSCHE: Stefan Metzer vom Fitnessstudio World of Fitness musste die Sportwilligen gestern nach Hause schicken. Ob die dort Wasser hatten?

Autor:
d., fhv


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