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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Ohne Auto: Mit Prominenten die Stadt erkunden
 
Grüne Welle für Radfahrer
 
Alle Führrungen im Überblick
Zwischenüberschrift:
Am heutigen Samstag dreht sich alles um die umweltfreudliche Mobilität - Neue Verkehrskonzepte statt Fahrverbote
 
Autofreier Tag: Ab 10 Uhr Informationen und Unterhaltung auf der Hausstraße, vor dem Theater und am Rathaus
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Ohne Auto: Mit Prominenten die Stadt erkunden

Am heutigen Samstag dreht sich alles um die umweltverträgliche Mobilität - Neue Verkehrskonzepte statt Fahrverbote

Von Holger Jansing (Text) und Jörn Martens (Fotos)

" In die Stadt - ohne mein Auto": Unter diesem Motto steht heute der zweite europaweite Aktionstag, an dem sich Osnabrück als eine von 130 Kommunen in Deutschland beteiligt. Wie vor einem Jahr hat dazu das internationale Klimabündnis aufgerufen.

Ein autofreier Tag? Viele Osnabrücker werden sich da an die siebziger Jahre erinnern, als der Gesetzgeber unter dem Eindruck der Ölkrise Fahrverbote verhängte. An mehreren Sonntagen konnten Eltern mit ihren Kindern in aller Ruhe auf den Bundesstraßen spazieren gehen. " Selten war die Luft so sauber", titelten die Zeitungen.

Rückblickend haben die Fahrverbote allerdings kaum etwas gebracht. Das Bewusstsein hat sich nicht verändert. Heute sind in Osnabrück knapp 76 600 Personenwagen zugelassen - Tendenz steigend. Bundeswelt verunglücken jährlich rund 50 000 Kinder im Straßenverkehr. Der Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid durch Automotoren ist sei 1990 um elf Prozent gestiegen.

Um eine Trendwende zu erzielen, setzen auch in Osnabrück die Experten seit Jahren auf alternative Verkehrskonzepte. Busse haben auf etlichen Straßen Vorfahrt bekommen, neue Radwege sind entstanden, und auch Fußganger können sich vielerorts freier bewegen als früher. »Der Aktionstag am Samstag soll erlebbar machen, wie sich eingefahrene Alltagswege auch ohne Auto bequem bewältigen lassen", sagt Umweltdezernent Dr. Dieter Zimmermann. Sein Fachbereich hat gemeinsam mit dem städtischen Presseamt ein abwechslungsreiches Informationsprogramm auf die Beine gestellt (siehe unten).

Ein außergewöhnliches Angebot steht dabei im Mittelpunkt. Unter dem Motto »Promis erzählen Kulturgeschichten" stellen bekannte Osnabrücker ihre Wirkungsstätte vor - zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Auf dieser Seite geben wir Einblick in fünf dieser Entdeckungstouren. Sie alle beginnen um 11 Uhr unter den Arkaden der Stadtbibliothek.

Im Reich der 1000 Mützen

Wenn das große Orchester probt, steht der Hof vor dem Bühneneingang voll mit Fahrrädern. " Dann ist hier kein Durchkommen mehr", sagt Dr. Maria Hilchenbach, Chef-Dramaturgin am Stadttheater. Auch sie kommt am liebsten mit dem Drahtesel zur Arbeit, freut sich dann immer, dass der Theatervorplatz inzwischen autofrei ist, und hofft, dass die Kleine Domsfreiheit für den Durchgangsverkehr gesperrt bleibt. Mit ihren Gästen wirft Maria Hilchenbach heute nicht nur einen Blick in die Maske und hinter die Kulissen. Sie steigt auch hinab in den Kostümkeller, wo Tausende von Mützen und Kleidungsstücke aller Epochen in hohen Regalen lagern. Dazu gehört auch die Unterwäsche, die zu der jeweiligen Zeit angesagt war. Die meisten Klamotten werden in der eigenen Damen- und Herrenschneiderei gefertigt. Die Dramaturgin führt übrigens häufig Besucher durchs Haus. Im Kostümkeller setzen sich dann vor allem Schüler gerne auch mal eine Krone auf den Kopf.

Eine Bürgerstiftung für die Kranken

Heute ist es oft genug der Autoverkehr, der die Gesundheit der Menschen beeinträchtigt oder sogar ihren Tod fordert. Früher machte vor allem die Armut den Osnabrückern immer wieder zu schaffen. Wer nicht genug zu essen hatte, wurde krank. Auf diesen Zusammenhang möchte Dr. Eva Berger, Stadthistorikerin und Museumsleiterin, während ihres Rundgangs hinweisen. Sie spaziert mit ihrer Gruppe unter anderem zum Treffpunkt der " verschämten Armen" hinter der Marienkirche. Wer unschuldig in Not geraten war, bekam hier Unterstützung. Auch im Friedenssaal gibt es Hinweise auf die sozialen Sicherungssysteme längst vergangener Zeiten. Eva Berger zeigt die kunstvoll geschnitzte Aktenschranktür des Aussätzigen-Hospitals, einer von drei Bürger-Stiftungen für die Krankenpflege. Auch die Zünfte kümmerten sich um die Bedürftigen des jeweiligen Handwerks. Wer allerdings betteln ging, wurde verdroschen.

Als der Sandstein anfing zu glühen

Hans-Hermann Hammersen genießt an seinem Arbeitsplatz die Ruhe vor dem Straßenlärm. Am liebsten setzt sich der Superintendent in eine Bank und betrachtet das moderne Glasfenster, in dem die Zerrissenheit der Welt zum Ausdruck kommt. In diesen Tagen ist die Marienkirche als Ort der Besinnung wieder besonders gefragt. Die Tour führt heute auch auf die Orgelempore, von der aus die Besucher einen Blick in die Gotische Halle werfen können. Hier oben sind auch noch Spuren der Kriegszerstörung sichtbar. " Nach einem Bombenangriff brannte der Turm so stark, dass dabei der Sandstein regelrecht ausgeglüht ist", erzählt der Superintendent und zeigt auf die rötliche Färbung eines Pfeilers. Er wird heute auch Amüsantes berichten - dass zum Beispiel Justus Möser einen Grabstein in Zweitverwendung erhielt. Auf der Rückseite erinnert die Platte an den verstorbenen Georgius Henrichcus Derenthal. In der Sakristei zeigt Hans-Hermann Hammersen die Porträts von 22 seiner Vorgänger.

Verdrängungswettbewerb am Rubbenbruchsee

Eigentlich verdankt der Rubbenbruchsee sein Entstehen der Autobahn 30. Um das Naherholungsprojekt Ende der sechziger Jahre finanzieren zu können, verkaufte die Stadt den Sand aus tiefen Erdschichten für den Straßenbau. Inzwischen hat der Schwimmbagger das Feld geräumt, zum Teil haben sich seltene Tiere und Pflanzen angesiedelt Prof. Hartmut Peucker, von 1965 bis 1996 Naturschutzbeauftragter der Stadt, stellt seiner Gruppe während einer Radtour um den Rubbenbruchsee die ökologische Vielfalt vor. Die kleinen Inseln im Norden bieten seit diesem Sommer Flora und Fauna einen ungestörten Lebensraum. Auf den Feuchtwiesen im Süden wachsen Orchideen, von hier aus lassen sich auch gut die niedlichen Haubentaucher auf der Wasserfläche beoabachten. Ärgerlich findet es Hartmut Peucker, dass sich immer mehr ortsfremde Pflanzen am See breit machen und dabei einheimische Arten verdrängen. Auch dass die Enten gefüttert werden, sei ein ökologisches Problem, beklagt der Professor; " Das kann man den Leuten nicht abgewöhnen.

Ausflug zur Blütenwiese in luftiger Höhe

" Wir werden nie auf Autos verzichten können", ist Klaus Hellmann (rechts) überzeugt. Trotzdem hat er kein Problem, sich am autofreien Tag zu beteiligen. Im Gegenteil: Seine Spedition versucht mit neuen Logistikkonzepten Fahrten zu bündeln und Restflächen in den Containern über eine Frachtbörse an andere zu vermitteln. Ökologisch engagiert sich das Traditionsunternehmen auch an anderer Stelle. Gemeinsam mit seinem externen Umweltberater Prof. Dr. Gerhard Lohmeier (links) wird Klaus Hellmann heute Interessierten das mit 5000 Quadratmetern größte Gründach von Osnabrück zeigen. Es ist vor drei Jahren auf dem neuen Hochregallager an der Domierstraße entstanden. Die Gruppe wird vom Rathaus mit dem Rad nach Eversburg fahren. Dort steht ein Hubwagen bereit, um die Teilnehmer in luftige Höhe zu befördern. Von hier bietet sich ein faszinierender Blick auf die Blütenwiese, die zur Verbesserung des Stadtklimas beiträgt. Gründächer speichern das Regenwasser und geben es über den Verdunstungsprozess langsam wieder an die Umwelt ab.

Alle Führungen im Überblick

Insgesamt 16 Spaziergänge und Radtouren mit prominenter Begleitung stehen heute Morgen auf dem Programm. Die Teilnahme an allen Führungen ist kostenlos, es sind noch Plätze frei. Bürgermeister Hans-Jürgen Fip wird um 11 Uhr unter den Arkaden der Stadtbibliothek das Startsignal geben. Fünf Touren haben wir auf dieser Seite näher vorgestellt. Weitere Führungen zu Fuß bieten an: Prof. Dr. Peter Härtel, Vizepräsident der Universität, physikalische Labore; Andre Lindhorst Leiter der Kunsthalle, Ausstellungen in der Dominikanerkirche; Inge Jaehner, Museumsleiterin, Felix-Nussbaum-Haus: Dr. Thomas Schneider, Chef des Remarque-Zentrums, Remarque-Ausstellung am Markt; Prof. Dr. Wolfgang Schlüter, Leiter der Stadt- und Kreisarchäologie, Ausgrabungen im Dom; Anna-Maria Schmilz-Hülsmann, städtische Frauenbeauftragte, Besuch Osnabrücker Fraueneinrichtungen. Radtouren bieten an: Prof. Rüdiger Wedige, Gärten der Fachhochschule in Haste; Prof. Dierk Meyer-Pries und Prof. Dr. Herbert Hurka, Botanischer Garten am Westerberg; Michael Dietrich. Verwaltungschef, Deutsche Bundesstittung Umwelt; Zoodirektor Dr. Wolf Everts, Zoo am Schölerberg; Dr. Dieter Grote, Direktor des Museums am Schölerberg, naturkundliche Ausstellungen.

Autofreier Tag: Ab 10 Uhr Informationen und Unterhaltung auf der Hasestraße, vor dem Theater und am Rathaus

9.30 Uhr: Start verkehrspolitische Radtour, ADFC-Geschäftsstelle, Bierstraße. 10-14 Uhr Aktionen in der Hasestraße. Fahrradsimulator und Fahrradcodierung, Vorstellung eines Solarfahrzeuges und eines umweltgerechten Busses, Ausstellungen zum Thema Klimaschutz und zur Verkehrsplanung in Osnabrück, Präsentation der Ergebnisse zur Neumarkt-Umgestaltung, Informationen zur neuen Radstation am Hauptbahnhof, Rikschafahrten durch die Innenstadt, Auftritt des " Wum"- Theaters. Die Vereine ADFC, VCD, Pro Bahn, Stadtteilauto und Car-Sharing stellen ihre Arbeit vor.

12 Uhr: Start Luftballonwettbewerb, Markt / Arkaden. 12 Uhr: Fahrradversteigerung aus den Bestanden des städtischen Fundbüros, Theatervorplatz. 12.20 und 14.20 Uhr. Kostenlose Fahrten mit dem historischen Personenzug zum Piesberg (dort Führung durch das Museum Industriekultur) und zurück, Hasetorbahnhof. 13 Uhr: Schulwettbewerb " Eine Straße für Kinder", Preisverleihung, Markt / Arkaden.

Die Bilder und Bastelarbeiten sind in den Geschäften der Hasestraße ausgestellt.

14 Uhr: Start verkehrspolitische Radtour, ADFC-Stand, Hasestraße,

Tagsüber: Auf der für den Autoverkehr gesperrten Hasestraße werden Speisen und Getränke aus regionaler Produktion angeboten. In den Bussen der Stadtwerke treten Kleinkünstler auf.

Grüne Welle für Radfahrer

Till weiß, dass sich die meisten Jugendlichen zum 18 Geburtstag nichts sehnlicher wünschen als den Führerschein - möglichst im Doppelpack mit dem eigenen Auto. Jahrelang wird gespart und immer wieder bei den Großeltern die Hand aufgehalten. Wahre Unabhängigkeit ist offenbar nur mit dem fahrbaren Untersatz zu erreichen. Gesellschaft und Erziehung fördern dieses Wunschdenken. Schon Kleinkinder werden ständig mit dem Pkw hin-und herkutschiert. Vor den Schulen bilden sich morgens Staus, weil Eltern ihre Sprösslinge mit dem Auto hinbringen. Später dienen teure Mountainbikes der sportlichen Ertüchtigung und nicht der Fortbewegung von A nach B. Till findet. Lehrer sollten im Unterricht stärker für die nichtmotorisierte Mobilität werben. Verkehrsplaner sind zugleich gefordert, diese möglichst attraktiv zu gestalten. Wie wäre es zum Beispiel mit einer grünen Welle für Radfahrer, mit mehr überdachten Wegen für Fußgänger im Zentrum? Till meint, dass sich so auf Dauer die Einstellung der Jugendlichen ändern könnte. Vielleicht wünschen sie sich dann ja zum 18. Geburtstag eine Jahreskarte der Bahn - möglichst im Doppelpack mit einem Umweltabo für den Stadtbus. Bismontag

Autor:
Holger Jansing, Till


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