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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Mit ihrem Gift wurde schon viel experimentiert
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In der Heilkunde spielt die Tollkirsche eine große Rolle
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Originaltext:
Heute: Die Tollkirsche (Atropa belladonna L.)

Mit ihrem Gift wurde schon viel experimentiert

In der Heilkunde spielt die Tollkirsche eine große Rolle

Die Geschichte der Tollkirsche ist bewegt und von vielen Höhen und Tiefen geprägt. Dass ihre saftigen Beeren höchst giftig sind und ihr Genuss tödlich enden kann, ist fast jedem hekannt. Auch alle anderen Pflanzenteile sind giftig. In der Hand des Arztes hingegen verwandelt sich die Tollkirsche zu einer wichtigen und heilkräftigen Pflanze, die bei vielen verschiedenen Krankheiten zum Einsatz gelangt. Die Behandlung von Magen-Darm-Erkrankungen und Bronchialasthma sowie der Einsatz ihres Inhaltsstoffes Atropin in Augentropfen gehören dazu. Ihr botanischer Name Atropa belladonna verrät schon einiges aus der Geschichte dieser Pflanze. Atropa ist in der griechischen Mythologie der Name der Todesgöttin, der Unabwendbaren, die als Älteste der drei Parzen den Lebensfaden abschnitt. Der Name Belladonna, vom italienischen bella donna (= schöne Frau), bezieht sich auf den Gebrauch des Inhaltsstoffes Atropin. Der Pflanzenbestandteil erweitert die Pupillen und rötet die Wangen, was früher manche Frauen nutzten, um dem damaligen Schönheitsideal zu entsprechen.

Die Beeren sollen sogar auch als Schminke verwendet worden sein. Einen unrühmlichen Platz in der Geschichte erlangte die Tollkirsche zu Zeiten der Hexenverfolgung: Man bereitete aus der Pflanze eine Salbe, mit der angebliche Hexen eingerieben wurden. Durch die halluzinogene Wirkung gaben die Opfer der Hexenprozesse unter der Folter all das zu, was ihre Peiniger von ihnen hören wollten. Eine andere Geschichte hingegen berichtet davon, dass die Tollkirsche gemeinsam mit dem Bilsenkraut Hauptbestandteil der so genannten Hexensalbe war, mit der sich die " Hexen" vor ihren nächtlichen Ausritten selbst eingesalbt haben sollen. Der erlebnisreiche Traum vom Fliegen und anderen Gelüsten konnte auch nach dem Erwachen von der Realität nicht unterschieden werden.

Auch heute noch wird mit der Tollkirsche und anderen Nachtschattengewächsen experimentiert, wobei es nach Auskunft der Giftzentralen immer wieder zur Unterschätzung des natürlichen Rauschgiftes kommen soll. Seit einiger Zeit besteht für Konsumenten der synthetisch hergestellten Designerdroge Ecstasy mancherorts die Möglichkeit, ihre erworbenen Pillen anonym auf unerwünschte Stoffe untersuchen zu lassen. Dabei tauchen oft gefährliche Mengen von Atropin auf, dem gefährlichen Bestandteil der Tollkirsche. Genau dieser Stoff hat hingegen lebensrettende Funktion als Gegenmittel bei Vergiftungen durch verschiedene Insektizide.

Die strauchartige Pflanze mit mehreren rötlichen, oben verzweigten Stämmen wird bis zu 1, 50 Meter hoch und trägt von Juni bis August unter den Blättern versteckte, fingerhutartige. Blüten, die außen braunviolett, innen schmutzig-gelb und purpurrot geädert sind. Im Botanischen Garten der Universität Osnabrück ist die Tollkirsche in der Heilpflanzen-Abteilung derzeit im vollen Fruchtstand zu bewundern. (jm)

DIE SAFTIGEN BEEREN der Tollkirsche sind höchst giftig.

Foto: Klaus Lindemann
Autor:
jm


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