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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Recht abnormes Wanderverhalten
Zwischenüberschrift:
Homo sapiens: Der Osnabrücker zieht im Sommer in wärmere Gefilde
 
Die Autoren - Kenner der Osnabrücker Tierwelt
Artikel:
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Originaltext:
Recht abnormes Wanderverhalten

Homo sapiens: Der Osnabrücker zieht im Sommer in wärmere Gefilde

Von Gerhard Kooiker

Von den echten Jetztzeit-Menschen (Homo sapiens L. 1758) lebt eine stattliche Population von rund 160 000 Individuen in der Stadt Osnabrück. Diese Individuen bezeichnen sich oft und gern als Osnabrücker. Die Art ist in der Großstadt fast flächendeckend und in sehr hoher Dichte verbreitet.

Die höchste Dichte erreicht die Art dort, wo sie in großen Kolonien, so genannten Hochhäusern, übereinander wohnen. Verbreitungslücken findet man jedoch in den größeren Wäldern und in den Außenbezirken der Stadt. Während der Sommerwanderung geht die flächenmäßige Verbreitung sehr kurzzeitig in eine lineare über.

Die Farben sind beim Weibchen etwas lebhafter, was im Gegensatz zu den meisten anderen Tieren steht. Männliche Menschen in der Balzphase können aber zeitweise extrem bunt wie Paradiesvögel umherlaufen. Die Jungen gleichen eher den Weibchen als den Männchen, zumal ihnen auch der Haarwuchs im Gesicht fehlt. Auf dem Boden bewegt der Mensch sich mit etwas erhobenem Kopf und lässig hängenden Armen langsam schreitend, im Vergleich zu Hunden, Katzen und Gazellen jedoch eher plump. Seine Stimme ist allbekannt, geschlechtsspezifisch und altersabhängig in der Tonlage. Einige Rufe klingen ungehobelt und tief, andere sehr angenehm und hell. Kleinstmenschen haben klagende bis weinerliche Rufe. Sein Gesang ist teils meisterhaft, teils miserabel und verdient dann den Namen überhaupt nicht.

Die Osnabrücker sind überwiegend Stand- und Strichmenschen. Zur Zeit der Ernte, bisweilen aber auch zu anderen Jahreszeiten, entwickeln sie ein ausgesprochenes Zugverhalten und ziehen in großen Trupps Richtung Süden. Es handelt sich hier nicht um einen Breitfrontzug, wie wir es von den Störchen her kennen, sondern um einen Zug auf extrem schmalen, überwiegend asphaltierten Pfaden. Dabei verlassen die meisten Menschen nicht in den Wintermonaten ihre Heimat, wie es viele Geschöpfe machen, wenn die Nahrung knapp ist und die Sonne wenig scheint, sondern in der wärmsten Jahreszeit und ziehen vielfach dort hin, wo es noch heißer ist. Forscher sind sich über dieses abnorme Wanderverhalten immer noch nicht einig.

Die Menschen bewohnen in Osnabrück alle möglichen Biotope mit und ohne Baumbewuchs, meiden jedoch größere geschlossene Wälder und die ausgeräumte Feldflur. Am liebsten bewohnen sie Gärten mit angrenzenden Parkanlagen oder Laubwäldern. Das Nest selbst ist eine mehr oder weniger quadratische Konstruktion aus Stein; Beton, Glas, Holz und Kunststoff: das Haus. Es ist innen sehr weich und warm mit Matratzen, Federbetten, Sesseln, Sofas und Teppichen ausgepolstert. Oft hängen markante Dinge an oder aus den Häusern oder es stehen bunte Blechkästen davor, so dass man schon von weitem die Besitzer erkennen kann.

In den Häusern leben sie einzeln oder in verschiedenartigen sozialen Gemeinschaften und Paarsystemen, z. B. paarweise heterogen oder homogen, in Kleinst oder Großfamilien. Statistisch gesehen überwiegt immer noch die langandauernde, monogame Paarbindung mit gelegentlichen Seitensprüngen. Solche Beziehungen dauern üblicherweise einige Jahrzehnte, ausnahmsweise halten sie auch nur eine Balzsaison.

Das junge, ledige Männchen macht sehr drollige Balzspiele, um dem Weibchen zu imponieren und es zu erobern. In den geglückten Fällen findet gewöhnlich nur eine Brut (Kinderaufzuchtphase) statt. Findet aber eine weitere Brut statt, dann verpaart sich in der Regel ein älteres Männchen mit einem wesentlich jüngeren Weibchen. Gelegentlich findet auch eine Schachtelbrut statt, das heißt, ein Partner betreut die älteren Jungen, während sein Partner, nunmehr verpaart mit einem anderen Menschen erneut zur Brut schreitet.

Die Anzahl der Jungen schwankt, meist sind es ein bis drei. Man hat aber auch schon Osnabrücker Menschen mit bis zu zehn Kindern beobachtet. Ob sie alle von ein und demselben Männchen stammen, konnte nicht in jedem Falle restlos geklärt werden. Der Aufzuchterfolg beträgt im statistischen Mittel 1, 8 flügge Jungen / Elternpaar. Die Alten hängen mit großer Liebe an ihren Jungen und füttern sie bis zu einem Jahr nahezu ausschließlich mit Milchprodukten, später mit allerlei pflanzlicher und tierischer Nahrung, die sie teilweise sehr weit herholen. Die Geschlechtsreife erreichen die Menschen im Gegensatz zu allen Vorgelarten während der Nestlingsphase, die in der Regel 18 bis 25 Jahre dauert. Ein nicht unerheblicher Teil der jungen Menschen wandert anschließend ungerichtet in die weite Welt hinaus, andere zeigen eine große Ortstreue und siedeln sich im elterlichen Nest oder nicht weit davon entfernt im schönen Osnabrück an.

Die Autoren - Kenner der Osnabrücker Tierwelt

Mit der " Krone der Schöpfung", dem Homo sapiens, endet die Neue-OZ-Serie " Tiere in Osnabrück". Seit August 1997 wurden hier alle 14 Tage an die 100 Arten vorgestellt, ihre Eigenarten erklärt und die Tricks erläutert, mit denen sie die Stadt zu ihrem Lebensraum machen. Die meisten Texte verfasste der Osnabrücker Biologe Dr. Gerhard Kooiker. Er kennt sich vor allem in der Osnabrücker Vogelwelt sehr gut aus. Die Fotos stammten überwiegend von Bernhard Volmer. Der ambitionierte Tierfotograf, vom Beruf Dachdeckermeister, wurde 1998 vom Naturgeschichtlichen Museum London mit dem Preis " Wildlife Photographer of the Year" ausgezeichnet. (swa)

HOMO SAPIENS, rund 160 000 Exemplare davon leben in Osnabrück und entwickeln dabei die merkwürdigsten Verhaltensweisen. Zeichnung: Leonardo da Vinci
Autor:
Gerhard Kooiker, swa


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