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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Inhalt:
Überschrift:
Tür zu? Nein, das zieht nicht mehr
Zwischenüberschrift:
Warmluftschleier als unsichtbarer Kälteschutz und Energieschleuder
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Die Tür sperrangelweit offen den ganzen Tag. Und das bei null Grad. " Tür zu, es zieht" - das gilt nicht für Kaufhäuser mit ihren zum Teil straßenbreiten Eingängen. Warum wird es in einem Geschäft der offenen Tür nicht erbärmlich kalt?

Weil so genannte Warmluftschleier die Türen ersetzen. Wenn ein Kunde die Schwelle übertritt, schlägt ihm ein Schwall warmer Luft ins Gesicht. Aus Düsen in der Decke strömt unablässlich mollig warme Luft. Die Schleier wirken wie eine unsichtbare Mauer: Die Wärme bleibt im Laden, die Kälte draußen. Allerdings wird auch eine Menge Energie benötigt, damit die Schleier funktionieren.

" Wahre Energieschleudern" nennt Prof. Dr. Klaus Kuhnke von der Fachhochschule die Luftschleusen. Unter Umweltgesichtspunkten seien sie eine " Katastrophe", meint der Fachmann für regenerative Energien. Ein Warmluftschleier verbraucht nach seinen Angaben an den kältesten Tagen etwa 70 Kilowatt pro Stunde. Das entspreche dem Energiebedarf von sieben gut isolierten Einfamilienhäusern. Besser seien große, automatische Drehtüren.

Das mutmaßlich großzügigste Entree hat das Textilkaufhaus Wöhrl am Neumarkt. Neun Meter breit ist das Portal. Nur am vergangenen Samstag, als das Quecksilber tief in den roten Bereich sank, verzichtete Wöhrl auf das offene Einfallstor. Geschäftsführer Markus Wobbe legt Wert darauf, dass die Kunden bequem, ohne Hindernisse, ohne Schwellenangst den Laden betreten können. Das gehöre zu einem Innenstadtbummel dazu, sagt er.

Das schwellenlose Bummeln ist ein Stück urbanes Leben. Türen stellen nicht nur ein Hindernis für Rollstuhlfahrer und Eltern mit Kinderwagen dar, sie wirken abschreckend auf Laufkundschaft. Der Filialleiter eines Geschäftes an der Großen Straße geht davon aus, dass eine Tür die Zahl der Laufkunden um ein Drittel sinken lässt. Das Geschäft verfügt über ein Zählwerk am Eingang. Als einmal die Technik versagte und die Glasfront geschlossen werden musste, ratterte das Zahlwerk um etwa 30 Prozent weniger.

An den Türen der städtischen Gebäude kleben gelbe Schilder: " Wenn Sie diese Tür schließen, helfen Sie uns Energie zu sparen". Die Stadt ist unter Rot-Grün zur Musterschülerin beim Klimaschutz geworden. Sie schrieb bislang vor, dass Neubauten 25 Prozent weniger Heizenergie verbrauchen, als in der Bundesverordnung vorgesehen. Über offene Türen gibt es keine Verordnung. " Wir können Privatleuten nicht vorschreiben, wann und wie sie ihre Tür öffnen", sagt Susanne Franzus vom Konzeptionellen Umweltschutz im Fachbereich Grün und Umwelt. Es bleibe nur der moralische Appell. Sie hält die Warmluftschleier für wenig problematisch: " Die Energieverluste sind sehr gering."

DIE WARME LUFT, die am Eingang vieler Kaufhäuser aus der Decke strömt (und die Papierstreifen flattern lässt), wirkt wie ein Vorhang: Die Wärme bleibt im Laden, die Kälte draußen. Doch der Preis für das hindernisfreie Bummeln ist hoch. Die Stadt dagegen bittet ihre Kundschaft, die Türen geschlossen zu halten (rechtes Foto). Fotos: Michael Hehmann
Autor:
hin


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