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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Säurezünder machte Bombe sehr gefährlich
 
Schulfrei nach der großen Pause
 
Stumpf den Job gemacht
Zwischenüberschrift:
Blindgänger um 16.55 Uhr gesprengt
 
Tausende Menschen in Haste mussten gestern ihre Wohnung verlassen - Verkehr brach teilweise zusammen
 
Haster Schüler freuden sich - Autofahrer ärgerten sich über lange Staus
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Tausende Menschen in Haste mussten gestern ihre Wohnungen verlassen - Verkehr brach teilweise zusammen

Ein dumpfer Knall um 16.55 Uhr, und von der britischen Fliegerbombe blieben nur noch einige winzige Stücke übrig. Nachdem Sprengmeister Thomas Gesk am frühen Mittwochmorgen festgestellt hatte, dass der Blindgänger einen Saurezünder hat und gesprengt werden muss, wurde aus einer lange geplanten Entschärfung eine ungeplante Großaktion: Über 6 000 Menschen mussten für Stunden ihre Häuser verlassen.

Der Blindgänger hatte es von Anfang an in sich. Ausgerechnet unter dem Krümpelgraben neben dem Fürstenauer Weg lag die Bombe in dreieinhalb Metern Tiefe. Der kleine Bach musste durch zwei Deiche gestaut, das Wasser durch dicke Rohre umgeleitet werden. Eine Woche wurde das Grundwasser abgepumpt, dann nach der Bombe gegraben. Immer wieder lief die Grube voll Wasser - und am Dienstag drohten nach schweren Regenfällen die kleinen Deiche zu brechen. Das Technische Hllfswerk wurde alarmiert, sicherte die Deiche und setzte zusätzliche Pumpen ein.

Alles war für den gestrigen Tag geplant: Am Nachmittag sollten die wenigen im Umkreis von 500 Metern wohnenden Menschen evakuiert und die Bombe entschärft werden. Doch als Thomas Gesk und sein Chef Heiko Riemer, Leiter des Dezernats Kampfmittelbeseitigung, um 8.49 Uhr den Zünder tief unten in der schlammigen Grube freigelegt hatten, wartete die Bombe mit einer weiteren Überraschung auf: Sie hatte einen gefährlichen Säurezünder, von dem Teile abgebrochen waren. " Sie lässt sich nicht mehr entschärfen, sondern muss gesprengt werden", so Kleiner. Am Fundort ging das jedoch nicht, weil unter dem Bürgersteig des Fürstenauer Weges eine Hauptgasleitung verläuft.

Die Bombe war bewegt worden, die " Uhr" des Langzeitzünders tickte. Jede Sekunde hatte sie detonieren können. Sofort wurden Häuser und Firmen im Umkreis von 300 Metern geräumt. Doch für den Zeitpunkt der Sprengung verlangte der Bombenexperte einen Sicherheitsradius von 1 500 Metern - und das bedeutete die sofortige Evakuierung von Tausenden Menschen.

Aus ganz Weser-Ems wurden Pollzeibeamte nach Osnabrück in Marsch gesetzt, THW-Helfer, Feuerwehrleute und Mitarbeiter der Rettungsdienste alarmiert. Um 12 Uhr wurden die Straßensperren errichtet, Lautsprecherdurchsagen forderten die Menschen zum Verlassen der Häuser auf. Erst um 16 Uhr, anderthalb Stunden später als vorgesehen, waren die Straßen menschenleer.

Für Thomas Gesk und seine Kollegen begann der gefährliche Teil der Arbeit: An einer dicken Kette hievten sie den Blindgänger aus der Grube, hoben ihn vorsichtig auf einen Unimog und fuhren ihn über 100 Meter weit auf einen Acker zwischen Fürstenauer Weg und B 68. Um 16.55 Uhr drückte Gesk aus sicherer Entfernung auf den Auslöser: Ein wenig Plastiksprengstoff brachte den Blindgänger zur Explosion. (d.)

Schulfrei nach der großen Pause

Haster Schüler freuten sich - Autofahrer ärgerten sich über lange Staus

Des einen Freud, des anderen Leid: Während für knapp 2 000 Schüler in Haste gestern wegen der Bombensprengung nach der großen Pause schulfrei war, steckten Tausende Lkw- und Autofahrer im Stau, weil die B 68 gesperrt war.

Den erwachsenen Studenten der Fachhochschule, frei zu geben, war kein Problem, doch wohin mit den Schulkindern " Wir haben eine Durchsage gemacht und alle Kinder, die in der Evakuierungszone wohnen, konnten zu Hause anrufen. Sie haben sich dann mit ihren Eltern getroffen, sind zu Freundinnen oder zur Oma gegangen", berichtete eine Lehrerin der Angelaschule. Für die anderen, die nicht in Haste wohnen, kamen die Schulbusse um 11 Uhr - und mit lachenden Gesichtern stiegen alle ein. Englischarbeit ausgefallen, Vokabelabfragen verschoben: Was will ein Schülerherz mehr?

Hektisches Telefonieren auch in der Thomas-Morus-Schule und der Grundschule Haste. Von den 250 Erst- bis Viertklässlern konnten nur 20 nicht nach Hause - sie fuhren von Lehrern begleitet ins Evakuierungszentrum der Berufsschule Natruper Straße. Dort trafen sie auf 20 Kinder der Kita Haste. " 60 Eltern haben wir erreicht, die haben ihre Kinder abgeholt, mit den anderen Kleinen verbringen wir hier die Zeit", sagte eine Erzieherin und rief ihre Schützlinge dann zum gemeinsamen Singen.

240 Menschen warteten mehrere Stunden im Evakuierungszentrum, versorgt von Ärzten und Sanitätern. Die Helfer des DRK kochten unentwegt Linsensuppe, verteilten Getränke und Kekse.

In vielen Betrieben musste die Arbeit ruhen. Bei Kämmerer zum Beispiel wurden die Mitarbeiter der Frühschicht bis auf eine Notbesatzung für das Kraftwerk nach Hause geschickt. Leer und still auch die britische Kaserne An der Netter Heide. Geschäftigkeit hingegen in Imbissbuden knapp außerhalb des Sicherheitsbereiches: Wer nicht zur Arbeit oder in seine Wohnung kam, wärmte sich dort auf.

Nicht alle sahen die Notwendigkeit der Evakuierung ein. Hartnäckig weigerten sich nach Polizeiangaben zwei 55 und 80 Jahre alte Frauen, ihre Wohnung in Haste zu verlassen. Freiwillig wollten sie nicht gehen - da schritt die Polizei schließlich ein und trug die Jüngere aus der Wohnung.

Unverständnis bei vielen Autofahrern, die im Stau festsaßen und gen Norden kaum aus der Stadt herauskamen: Die B 68 war ab 12 Uhr gesperrt. Wer von Norden kam, wurde bei Wallenhorst direkt auf die Autobahn umgeleitet. Stadtauswärts war an der Haster Mühle Schluss. Die Folge: Auf der Römereschstraße und der Vehrter Landstraße stand der Verkehr zeitweise. " Wir mussten die B 68 früh sperren, weil wir so schnell nicht genügend Polizeibeamte alarmieren konnten. Bei einem längeren Vorlauf und mehr Personal hätte die Straße bis kurz vor der Sprengung frei bleiben und nur die Nebenstraßen abgeriegelt werden können", erläuterte Jürgen Wiethäuper vom Ordnungsamt.

Doch schon fünf Minuten nach der Sprengung rollte der Verkehr wieder normal. Eine Mannschaft der Stadtreinigung fuhr noch zur Sicherheit den Autobahnzubringer ab, um sicherzustellen, dass keine Erdklumpen und Splitter auf der Fahrbahn lagen, dann wurden die Barrieren beiseite geschoben. (d.)

NUR WENIGE ZENTIMETER ragte der gefährliche Blindgänger am Morgen aus dem Grundwasser (Foto links). Nach der Sprengung blieb auf dem Acker nur ein Loch zurück. Fotos: Klaus Lindemann (3), Michael Hehmann (1)

LIEBER KEKSE als Linsensuppe nahmen die Kinder im Evakuierungszentrum

" LAGEBESPRECHUNG" am Morgen. Von links: Oberbürgermeister Hans-Jürgen Fip, Heiko Riemer, Dezernatsleiter Kampfmittelbeseitigung, Norbert Lauxtermann und Klaus Fiening von der Feuerwehr und Jürgen Wiethäuper vom Ordnungsamt.

Autor:
d., Till


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