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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Wüste: Ein Stadteil für 18000 Osnabrücker
Zwischenüberschrift:
Es begann mit Streitigkeiten der Hirten - Heute bestechen hoher Wohn- und Freizeitwert
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Wüste: Ein Stadtteil für 18 000 Osnabrücker

Es begann mit Streitigkeiten der Hirten - Heute bestechen hoher Wohn- und Freizeitwert

Wenn der Osnabrücker heute von der Wüste spricht, meint er jenen südöstlichen Stadtteil, in dem rund 18 000 Menschen wohnen, leben und arbeiten. Noch vor 150 Jahren handelte es sich um morastige Wiesenflächen vor den Toren der Stadt, um die sich die Laischaften zankten.

Seit dem Mittelalter war der puddingartige Sumpfboden (plattdeutsch: wöste) mit einigen oasenähnlichen Wiesenflächen ein von den Laischaften heißbegehrtes Weideland für Kühe, Schafe und Schweine. Da machte es auch nichts aus, wenn nach Regenfällen das Vieh bis zum Bauch im Schlamm stand. Die Laischaften der Martianer, Neustädter und Altstädter bekamen sich dort regelmäßig in die Haare, weil die Grenzen der Weiderechte unklar waren. Bei Nacht und Nebel versuchten die Hirten, das jeweils andere Vieh aus der Wüste zu treiben und auch Prügeleien sind überliefert.

Bürgermeister Schepeler schließlich zog im Jahr des Westfälischen Friedens 1648 eine klare Grenze. 1781 dann wurde ein Grenzgraben ausgeworfen und 1829 mit Pappeln bepflanzt. So entstand der Pappelgraben.

Mit Beginn des 20. Jahrhunderts begann die intensive Besiedlung der Flächen, deren Intensität nach dem 1. Weltkrieg zunahm.

Entwässerungsgräben wurden angelegt und Tausende Tonnen Schutt, Müll, Sand und Erde angefahren, um den so entstehenden Stadtteil bebaubar zu machen. Den größten Bevölkerungszuwachs erzielte die Wüste ab 1950. Aus jenen Zeiten stammen auch die Altlasten, die die Wüste seit 1993 bundesweit bekannt machten. Schließlich handelte es sich dabei um die größte bewohnte Altlast Deutschlands.

Ein modellhaftes Krisenmanagement, bei dem Fachleute der Stadt und Bürger aus der Wüste in einem Projektbeirat erfolgreich nach Lösungen suchten, sorgte aber für eine Vorgehensweise, die fast allen Betroffenen gerecht wurde.

Den Stadtteil Wüste prägen ruhige Wohngebiete. Aber auch Schulen, Sportvereine und Firmen haben hier ihren Sitz. Außerdem gibt es zahlreiche Geschäfte. " Ein lebendiger Stadtteil mit Flair", erklärte ein Vertreter des sehr aktiven Bürgervereins, derüber 300 Mitglieder zählt.

Mit dem OSC ist übrigens einer der größten Sportvereine Niedersachsens hier ansässig. Im Zentrum für Hochschulsport werden zudem künftige Sportlehrer ausgebildet. Außerdem ist das bekannte Freibad " Moskau" in der Wüste beheimatet.

Als Wohngebiet zeichnet sich der Stadtteil durch einen gesunden Mix aus. Es gibt ruhige Wohnstraßen mit zufriedenen Bewohnern, akademischen Nachwuchs im Studentenwohnheim auf dem Gelände der ehemaligen Kromschröder-Fabrik und Senioren im Bischof-Lilje-Altenzentrum an der Rehmstraße.

Auch grüne Oasen existieren weiterhin. Dafür stehen die ausgedehnten Kleingartenanlagen der " Deutschen Scholle", die für so manchen zu einem echten Refugium geworden sind. Diese Flächen und das Biotop zwischen Kurt-Schumacher-Damm und Blumenhaller Weg lassen noch am ehesten erahnen, wie die Wüste zurzeit der streitbaren Hirten ausgesehen hat.

Insgesamt zwölf Luftbilder aus dem Stadtteil Wüste werden wir in den nächsten Wochen veröffentlichen. Sie können in den beiden Geschäftsstellen der Neuen OZ am Berliner Platz und an der Großen Straße für 25 Mark (20 x 30) oder 50 Mark (40 x 60) gekauft werden.

BLICK AUF DIE WÜSTE: Im unteren Drittel verläuft quer der Blumenhaller Weg. Im Vordergrund ist der Sportplatz des Osnabrücker Spielvereins 1916 zu sehen. Es folgen die Sportflächen der Schulen (rechts Gymnasium In der Wüste) und des OSC. Ganz links ist die Häuserzeile der Martinistraße zu sehen, die zur Katharinenkirche führt, rechts daneben ist das Schloss zu erkennen. Foto: Hermann Pentermann


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