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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Unglücksfälle, Verbrechen und Duelle mit tödlichem Ausgang
Zwischenüberschrift:
November 1901: Im Piesberg Steinbruch arbeiteten 758 Menschen
Artikel:
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Originaltext:
Unglücksfälle, Verbrechen und Duelle mit tödlichem Ausgang

November 1901: Im Piesberger Steinbruch arbeiteten 758 Menschen

Von Christiana Keller

Was vor 100 Jahren in der Welt passierte, mag schon recht spektakulär gewesen sein. Aber die Tageszeitungen pressten das Geschehene in ihre unscheinbaren Rubriken, so dass sich dem Leser selbst die Sensationen erst auf den zweiten oder dritten Blick erschlossen. Die Osnabrücker Zeitung führte im November 1901 die Rubrik " Vermischtes" ein, die täglich " Unglücksfälle, Verbrechen und Anderes" zusammenwürfelte. Von Räubern in weiten Wäldern war da zu lesen, von Duellen mit tödlichem Ausgang, von Feuersbrünsten und Brandstiftungen, von Morden und blutigen Anschlägen. Tägliche Gruseleinheiten, die zum Glück meist weit weg passiert waren.

In einer engen Stadt wie Osnabrück, in der jeder jeden kannte, in der Zeitung erwähnt zu werden, war nicht immer nur dem Ruhm dienlich. Eine Anzeige genügte, um die Existenz zu bedrohen. So erging es im November 1901 einem Homöopathen und Hypnotiseur namens Cassel, der in der Johannisstraße wohnte. Die Polizei warnte die Bevölkerung vor diesem zugereisten Mann. Es ging das Gerücht, der vorbestrafte Cassel, der früher in Hamburg Droschkenkutscher gewesen war, kaufe

" Zu viel des Guten" im Theater

Häuser auf, um darin " lüderliche Frauenzimmer" anzusiedeln: " Wir warnen die Bevölkerung vor ihm!"

Der solcherart Beschuldigte beteuerte in einer Gegendarstellung klar, immer im Besitz der bürgerlichen Ehrenrechte gewesen zu sein. Im Übrigen, so schrieb er, " habe ich nie ein Haus für unsittliche Mädchen gehabt, noch ein Solches haben wollen, sondern nur in meiner Praxis gearbeitet". Ob Cassel noch weiter Patientenzulauf hatte, ist nicht bekannt.

Im Geschäftsbericht des Georgs-Marien-Bergwerksvereins gab es in diesem Jahr erstmalig Hinweise auf die Löhne der Beschäftigten dieser Firma: demnach verdienten die 2 226 Arbeiter im Stahlwerk durchschnittlich 1 077 Mark pro Jahr, im Hüttenwerk betrug der Jahresverdienst der 2 421 Arbeiter im Durchschnitt 983 Mark. Vom Steinbruch im Piesberg wurde nur die Zahl der Beschäftigten angegeben, das waren damals 758.

Vor diesem Hintergrund bekommt der folgende Bericht über den Wohltätigkeitsbasar für das Kinderkrankenhaus einen besonderen Stellenwert: Die vornehmsten Damen und Töchter der Stadt hatten im Gesellschaftshaus wieder zwei Tage lang gespendet und selbst hergestellte Waren eigenhändig verkauft. Sie organisierten auch ein Benefiz-Konzert und mehrere Theateraufführungen und nahmen für das Hospital 3 000 Mark, für die Kinderbewahranstalt 1 250 Mark, ebensoviel für das Frauenheim und schließlich 520 Mark für die Rothenfelder Kinderheilanstalt ein.

Wieder einmal bot die dunkle Jahreszeit Gelegenheit, das Museum zu besuchen. Zur Ausstellung kam in diesem Monat eine Brauttruhe aus dem Jahre 1551, die auf dem Deckel vier Wappen Osnabrücker Adelsfamilien trug: von Leden, von Bar, von Schele und von Heckel. Zuletzt hatte das Domkapitel die Truhe nach einem Brand 1680 dem letzten leibeigenen Hof in Kalkriese überwiesen, von wo das Möbelstück nun ins Museum gelangt war.

Bauchlandung im Hasewasser

Unter der Überschrift " des Guten zu viel" berichtete die Osnabrücker Zeitung von einem Theaterabend, der von 19 bis 22.45 Uhr gedauert hatte, denn nach der Operette " Im weißen Rössel" folgte noch, quasi als Zugabe, die Oper " Cavalleria". Das " Rössel" war in den vergangenen Jahren häufiger wiederholt worden als jedes andere Stück, und auch die Besetzung blieb sich stets treu. " Wir ersuchen hiermit, derartige Experimente nicht zu wiederholen", beschwor der Reporter in der Tageszeitung.

Der Regen im November ließ wieder die Flüsse über die Ufer treten. An der Hase waren alle niedrig gelegenen Straßen und Wege überschwemmt, Grundstücke unpassierbar, alle Wagenräder fuhren bis zur Achse im Wasser. Ein junger Mann machte sich das zunutze und trug jeden, der wollte, über die nassen Stellen. So verdiente er sich manchen Nickel. In Gaste und Atter trat auch die Düter über die Ufer. Die Chausseen wurden durch Schlagbäume gesperrt, weil sie meterhoch überflutet waren.

In jenen Tagen nahm ein Schlachterlehrling an der Karlstraße ein ungewolltes Bad. Er hatte sich auf den von einem Hund gezogenen Schlachterwagen gestellt, um nicht durchs Wasser waten zu müssen. Dem Hund wurde das zu viel, er drehte sich um und der Wagen kippte. Lehrling und Fleisch schwammen im Hasewasser.

DAS FRAUENHEIM an der Klosterstrafie 32 wurde im November vor 100 Jahren beim Wohltätigkeitsbasar der vornehmen Damen mit einer Geldspende bedacht. Das Foto von 1907 haben wir dem Bildband " Alt-Osnabrück", Band 2, entnommen, erschienen im Verlag H. Th. Wenner.
Autor:
Christiana Keller


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