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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Den Leichenzug von Queen Victoria auf bewegten Bildern erlebt
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März 1901: Auf dem Frühjahrsmarkt war ein Kinematograph die Attraktion
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Den Leichenzug von Queen Victoria auf bewegten Bildern erlebt

März 1901: Auf dem Frühjahrsmarkt war ein Kinematograph die Attraktion

Von Christiana Keller

Endlich ist der lange Winter verbannt, hoffte man im März 1901. Nach dem Hochwasser und den Frostschäden zogen die Kraniche wieder zu Hunderten über die Stadt in Richtung Osten.

Die Osnabrücker wurden über die Zeitungen aufgerufen, alle Nistkästen zu untersuchen, zu reinigen, mit neuem Heu auszufüllen und eventuelle Sperlingsnester zu entfernen. Der Naturwissenschaftliche Verein lobte das Engagement der Medien als " sehr zeitgemäß". Eine ihrer Hauptaufgaben sahen die Tageszeitungen vor 100 Jahren offensichtlich in der Aufklärung und Belehrung ihrer Leserschaft. So las man im März täglich den Slogan im Anzeigenteil " Auf jeden Raum pflanz einen Baum, und pflege sein, er bringt' s dir ein".

Das Ergebnis der Obstbaumzählung vom Dezember hatte keine Steigerung der Baumzahl seit dem Jahr 1900 ergeben, dagegen verzeichnete die nationale Statistik Obstimporte im Wert von 120 Millionen Mark. " Der größte Teil dieser Summe hätte mit Leichtigkeit von deutschen Landwirten verdient werden können, wenn der deutsche Obstbau die gleichen Fortschritte gemacht hätte, die auf allen anderen Gebieten zu verzeichnen sind", beklagte ein Reporter in der Osnabrücker Zeitung.

Auf dem Neumarkt stand seit diesem Monat eine Wasserzapfstelle. Oben hing an einer Kette ein Becher und am Fuß der Anlage gab es kleine Becken zum Tränken der Hunde. Die städtischen Kollegien hatten beschlossen, noch weitere Anlagen über die Stadt zu verteilen.

Mitte des Monats, als schon zahlreiche Aussteller Buden für den Frühjahrsmarkt errichtet hatten, fiel dann doch noch dichter, handhoher Schnee in Osnabrück. Der Boden war völlig aufgeweicht und die Passanten beklagten " die Unwegsamkeit der Plätze".

Die Wirte der Osnabrücker Lokale, die wie immer dafür gesorgt hatten, " dass auch bei ihnen was los ist", warben mit Varietevorführungen. Im Osnabrücker Hof spielte die Gruppe " D' Oberinntaler" und im Restaurant " Zum Bürgerhause" gab es zur Abwechslung wieder etwas für alle Neugierigen: Hier hielten sich allabendlich zwei Chinesenkinder im Schankraum auf, von denen es hieß, dass ihre Eltern im Vorjahr von den " Boxern" ermordet worden seien. Sie stammten aus der Nähe von Peking, waren 16 und 17 Jahr alt und bedienten im Restaurant in chinesischen Kleidern.

Der Clou auf dem Markt war aber " das Theater der lebenden Bilder" mit Filmen von der Pariser Weltausstellung, einem Stierkampf und einem Manöver, sowie dem Leichenzug von Queen Victoria. Das Theater Mehlich besaß laut Eigenwerbung die neuesten Vorführmaschinen, die sich in höchst klarer, ruhiger Weise zeigten und " nicht mehr flimmerten wie bei Vorführungen anderer Unternehmer".

Auch im Kuppelsaal des Vereinshauses bot ein " Kinematograph" für ein überaus zahlreiches Publikum " lebende Bilder" an. Ein Film der Oberammergauer Passionsspiele eröffnete die Vorführung. Der Kritiker schrieb: " Auch die übrigen Vorführungen, der englische Panzerzug, Sanitätscorps in Transvaal, Überschreiten des Modder-River usw. fanden lebhaften Beifall. Dass die Musik beim Verbinden der Verwundeten nach der Schlacht einen flotten Walzer spielte, geschah deshalb, damit man von dem Elend auf dem Schlachtfelde nicht angegriffen werden sollte."

Besonders beliebt war der Kinematograph bei der jungen Generation. 3 000 Kinder besuchten am Nachmittag die Kindervorstellung, sie standen Kopf an Kopf in den beiden Sälen im Vereinshaus.

Im Haus Bierstraße 21 entdeckte man im Keller einen alten bronzenen Mörser mit der Jahreszahl 1681. " Ein prächtiges Stück für das Osnabrücker Zimmer im Museum" berichtete der Reporter.

Durchaus nicht frühlingshaft wehte der eisige Nordwird am 22. März, dem kalendarischen Frühlingsanfang. Das Thermometer zeigte nur wenig über 0 Grad. Durch die späten Schneefälle war die Vegetation einige Wochen zurück geblieben.

Und auch das passierte im März 1901: " Ein Fahrgast kam auf dem Bahnhof beim Schließen der Coupèthüre mit dem Daumen zwischen Thür und Wagen, wodurch ihm derselbe vollständig abgequetscht wurde".

VOR 100 JAHREN fand auf dem Neumarkt noch regelmäßig ein Markt statt. Das Foto haben wir dem Buch " Alt-Osnabrück", Band 1, entnommen, erschienen im Verlag H. Th. Wenner.
Autor:
Christiana Keller


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