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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Der erste Dom war gar nicht für die Ewigkeit bestimmt
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Archäologen ziehen überraschende Erkentnisse aus Ausgrabungen im nördlichen Querschnitt - Viele Fragen bleiben offen
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Originaltext:
Der erste Dom war gar nicht für die Ewigkeit bestimmt

Archäologen ziehen überraschende Erkenntnisse aus Grabungen im nördlichen Querschiff - Viele Fragen bleiben offen

Ist die Stadt vielleicht doch ein kleines bisschen älter als bislang vermutet wurde? Das legen die Grabungen im Dom nahe, die jetzt zu Ende gehen. Für die Archäologen steht fest, dass die erste Kirche Osnabrücks um 780 gegründet wurde. Aber schon vorher muss es an der Stelle einen Friedhof gegeben haben.

Die Missionskirche aus der Zeit Karls des Großen wurde schon aus Stein gebaut. Ein Teil ihrer Fundamente liegt zurzeit frei. Allerdings nur noch bis Montag, dann müssen die Archäologen das Feld im nördlichen Querhaus räumen, um den Heizungsbauern Platz zu machen.

Was die Mitarbeiter der Stadt- und Kreisarchäologie zum Vorschein gebracht haben, erscheint auf den ersten Blick verwirrend: Mauerreste in verschiedenen Stärken und Ausprägungen, allesamt aus Natursteinen zusammengefügt, ohne erkennbaren Zusammenhang, aber ordentlich dem rechten Winkel gehorchend. Diese " sehr merkwürdigen Fundamente", wie der Archäologe Prof. Dr. Uwe Lobbedey vom Westfälischen Museum für Archäologie in Münster sie nennt, öffnen bei genauem Hinsehen ein Fenster in die Zeit zwischen 780 und 1100. Doch mit jedem Steinchen, das dem Mosaik deutlichere Konturen gibt, stellen sich neue Fragen zur Osnabrücker Stadtgeschichte.

Aus Sicht der Archäologen belegen die Funde, dass es sich bei der ersten Domkirche um einen einschiffigen Saalbau handelte. Dieses Gebäude - wahrscheinlich das älteste in Osnabrück - war deutlich kleiner als das heutige Mittelschiff, das später an seine Stelle trat.

Bemerkenswert ist, dass die ursprüngliche Missionskirche an der Nordseite schon bald einen Anbau mit 20 mal 13 Meter Grundfläche bekam. Fest steht, dass dieser Anbau schon bald verändert wurde. Im Norden, zur Großen Domsfreiheit, entstanden zwei quadratische Fundamente mit jeweils sechs Meter Kantenlänge. " Das könnten Türme gewesen sein", spekuliert Prof. Lobbedey vorsichtig, vielleicht Treppentürme. Handelte es sich hier um die Domburg, über die immer wieder gerätselt wird? Wie lebten die Bischöfe und die Kleriker damals? Haben sie sich nach außen abgeschüttet oder gar verteidigt? Können sich auch repräsentative Gesichtspunkte in der Architektur niedergeschlagen haben? Diese Fragen lassen sich derzeit nicht beantworten. Prof. Lobbedey möchte den Historikern gern einen Anstoß geben, die Schriftquellen aus jener Zeit systematisch nach den Wohnverhältnissen der Mönchsväter abzufragen.

Um zu verstehen, wie die ersten Bischöfe in Osnabrück gelebt haben, müssten also Vergleiche angestellt werden. Doch das Umfeld anderer Domkirchen ist noch nicht archäologisch erforscht. " Eine Generationenaufgabe", stöhnt Prof. Lobbedey aus Münster.

Für Domdechant Dr. Heinrich Heitmeyer hat das mittelalterliche Puzzle immerhin aufgezeigt, dass die ersten Jahrhunderte des Osnabrücker Doms von einer " ungeheuren Lebendigkeit" geprägt waren. Dem einschiffigen Gotteshaus folgte ein dreischiffiges, doch um 1100 war auch das zu klein geworden. Nichts schien für die Ewigkeit bestimmt, vieles, was heute heilig wäre, hatte schon nach kurzer Zeit ausgedient und wurde einfach abgerissen oder umgebaut. (rll)

MERKWÜRDIGE FUNDAMENTE; Die Mitarbeiter der Stadt- und Kreisarchäologie haben im nördlichen Querschiff des Doms die ältesten Mauerreste Osnabrücks freigelegt. Doch die Auswertung wirft mehr Fragen auf, als sie Antworten gibt. Foto: Stadt- und Kreisarchäologie
Autor:
rll


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