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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Zu Fuß über den Neumarkt: Die Freiheit kommt gut an
 
Stadt: Es gibt kein Denkverbot zum Neumarkt
Zwischenüberschrift:
Breite Zustimmung, aber Geschäftsläute aus dem Tunnel zutiefst besorgt
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Von Rainer Lahmann-Lammert

Es hat sich noch nicht überall herumgesprochen, dass man den Neumarkt auch zu Fuß überqueren kann. Aber es lässt sich nicht mehr übersehen: Immer mehr Fußgänger entscheiden sich für den ebenerdigen Weg. Bei einer Umfrage unserer Zeitung unter Passanten gab es gestern keinen, der die neue Freiheit in Frage gestellt hätte. Aber die Geschäftsleute aus dem Tunnel sind zutiefst besorgt. Ob die Fußgängerampel auf Dauer bleibt, steht noch nicht fest.

" Ich mochte den Tunnel sowieso noch nie", bekennt llka Helmkamp. Die 35-jährige Mutter ist froh, dass sie ihren Kinderwagen nicht mehr die Rampen rauf und runter schieben muss: " Da nehme ich doch lieher den direkten Weg!" Schon früher, so gesteht sie, habe sie abends lieber halblegal die Fahrbahn überquert.

Für " eine wunderbare Sache" halten Klaus Beckrnann (44) und Katja Paesler (29) die neue Fußgängerampel, vor allem aus beruflichen Gründen: Als Briefträger dürfen sie ihre Postkarren nun ebenerdig über den Neumarkt schieben, das kostet weniger Kraft und geht schneller. Für Klaus Beckmann gibt es dennoch keinen Zweifel an der Notwendigkeit des Tunnels, schon wegen der Geschäfte. Katja Paesler ist da nicht so sicher: " Ich möchte da nicht arbeiten, man bekommt nichts mit, so ohne Tageslicht".

Fast alle Befragten, Tunnelbenutzer ebenso wie Freiluftgänger, pochen auf das Recht der freien Entscheidung. Nur die wenigsten wollen sich in die Schublade " nur oben" oder " nur unten" stecken lassen. Rene Dobsloff zum Beispiel geht täglich durch den Tunnel, auch um dort einzukaufen. Aber er findet die Fußgängerampel sinnvoll. Ebenso Holger Laube (20), der auch weiterhin seinen Kinderwagen die Rampe hinunterschiebt, um unten einzukaufen. Dem Überweg kann er schon deshalb etwas abgewinnen, weil es am Wochenende in der Passage so eng wird.

Wolfgang Meyer (52) entscheidet sich bei schönem Wetter für den ebenerdigen Weg. " Aber ich gehe genauso gerne unten durch." Er ist dafür, dass die Fußgangerampel bleibt " wenn' s dadurch keine Verkehrsprobleme gibt". Manche Passanten haben sich noch nicht an die neue Situation gewöhnt. Etwa Karin Manzo (51), die " der Macht der Gewohnheit folgend", die Rampe nach unten nimmt. Doch auch sie hat Sympathie für den Gehweg: " Warum nicht?", lautet ihr Kommentar, ältere Leute hätten es so leichter.

Ausgerechnet der jüngste Befragte zieht jedoch weiterhin die Passage vor: " Oben ist es zu gefährlich", meint der zwölfjährige Murat Sanli, der gerne im Tunnel Brötchen oder Süßigkeiten kauft. Aber wenn er es sich so überlegt, hält er die Fußgängerampel für " keine schlechte Sache".

Für Reinhard Coppenrath ist sie das schon. " Der Mensch geht den bequemeren Weg", tadelt der Sprecher der Geschäftsleute aus der Neumarkt-Passage, und die Laufkundschaft bleibe aus. Existenzbedrohende Umsatzrückgänge seien die Folge, bald werde es erste Kündigungen geben. Für die Interessengemeinschaft südliche Innenstadt zeichnet sich dagegen eine Tendenz zum Besseren ab. Ihr Sprecher Michael Oppermann glaubt, dass durch die Freigabe insgesamt mehr Menschen den Neuen Graben überqueren als vorher.

«Endlich hat der Neumarkt eine Perspektive", freut sich der Immobilienkaufmann Dr. Theodor Bergmann. Er sieht durch erste Zählungen bestätigt, dass der Fußgängerüberweg gut angenommen wird, dass viele Passanten aber weiterhin die Passage nutzen. Für ihn ist die Neumarkt-Freigabe ein " längst überfälliger Schritt". Sein Resümee: " Das tut der gesamten Stadt gut!"

Stadt: Es gibt kein Denkverbot zum Neumarkt

Die Industrie- und Handelskammer Osnabrück-Emsland kritisiert, dass die Planungszellen für den Neumarkt nicht explizit auf die Möglichkeit eines Tunnels für Autos hingewiesen werden sollen. In einem Schreiben an Oberbürgermeister Fip heißt es, im Interesse einer optimalen Lösung dürften keine Vorschläge ausgegrenzt werden. Aus der Stadtverwaltung verlautet dagegen, in den Planungszellen werde ergebnisoffen diskutiert. " Es gibt kein Denk- oder Sprechverbot", bekräftigt Günter Landwehr, der Referent des Oberbürgermeisters. Es sei zwar kein eigener Themenblock zum " Autotunnel" vorgesehen, aber es stehe den Teilnehmern der Planungszellen frei, einen solchen Vorschlag zu behandeln. (rll)

Bilduntertitel

MAL OBEN, MAL UNTEN: Rene Dobsloff (links) und Wolfgang Meyer sind nicht festgelegt. Aber sie finden beide den neuen Fußgängerüberweg sinnvoll. Fotos: Gert Westdörp

" EINE WUNDERBARE SACHE", nicht nur für Postzusteller: Katja Paesler und Klaus Beckmann finden den Fußgängerüberweg gut.

" WARUM NICHT?" Karin Manzo hat erst gestern erfahren, dass es zum Tunnel auch eine ebenerdige Alternative gibt.

DEN DIREKTEN WEG schätzt Ilka Helmkamp, hier mit Söhnchen Fynn, Holger Laube (mit dem kleinen Enrique im Kinderwagen) möchte auf den Einkauf im Tunnel nicht verzichten.

" OBEN IST ES ZU GEFÄHRLICH", meint Murat Sanli und zieht die Passage vor.
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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