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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Russische Dampbäder an der Großen Straße
Zwischenüberschrift:
Mai 1901: Ein eisiger Wind ließ doe Osnabrücker zittern
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Russische Dampfbäder an der Großen Straße

Mai 1901: Ein eisiger Wind ließ die Osnabrücker zittern

Von Christiana Keller

Wie haben die Osnabrücker vor 100 Jahren den Frühling ersehnt, doch es dauerte bis zum 2. Mai, ehe man es an windgeschützten Plätzen wagen konnte, im Freien zu sitzen. Tagsüber zeigte das Thermometer wohl an die 20 Grad, aber sowie die Sonne unterging, näherte sich die Skala der Null, nachts gab es noch immer Raureif.

Anfang Mai trafen sich sämtliche städtischen Kollegen, um über die Aufforstung des Schölerberges zu entscheiden. Aber das Hauptthema im Rat der Stadt sollte in diesem Monat ein ganz anderes werden:

Während seiner Kur in Bad Ems verstarb nämlich der amtierende Osnabrücker Oberbürgermeister Carl Westerkamp. Westerkamp, gebürtiger Osnabrücker Jahrgang 1837, kam nach seinem Jurastudium als Advokat in seine Heimatstadt zurück und wurde erst Bürgervorsteher, dann Senator, Stadtsyndikus und endlich 1898 Bürgermeister, Sein Nachruf charakterisierte ihn als " arbeitsam, anspruchslos und schlicht". Wer sollte nun Westerkamps Nachfolger werden? Dr. Rißmüller hatte sich im vergangenen Monat in der Stadt Rheydt zum Stadtoberhaupt wählen lassen und stand nicht mehr zur Verfügung, oder vielleicht doch? Sofort wurden Bestrebungen in die Wege geleitet, den scheidenden Syndikus der Stadt zu erhalten. Und tatsächlich gelang es, Dr. Rißmüller zum Bleiben zu überzeugen. Die außergewöhnlichen Umstände durch den Tod des Bürgermeisters machten es erforderlich, dass Rheydt auf den bereits gewählten Rißmüller verzichtete. Am 30. Mai wurde Rißmüller zum Bürgermeister in Osnabrück gewählt.

Nach dem 15. Mai begann die Freibadsaison, das heißt, man hätte in der Hase baden können, wenn es nicht so frisch gewesen wäre. Das Flussbad an der Hamburger Straße war eröffnet und wartete auf besseres Wetter. Für alle Wärmebedürftigen gab es eine Neuerung: " Endlich russische Dampfbäder!", las man im Mai 1901 in der Osnabrücker Zeitung. Dem Besitzer eines Badehauses, Herrn Bullerdiek, war es zu verdanken, dass man diese Reinigungsart nun auch in der Hasestadt genießsen konnte. Bulierdieks Etablissement befand sich auf dem Hinterhof Große Straße 12, direkt an der Hase, und erfreute sich großer Beliebtheit. Dem Publikum wurde viel geboten: " kalte und warme Volldouschen, Sitzdouschen, Badewannen, Ruhebetten", und alles war " in bestem Zustande".

Die Eisheiligen, in der Osnabrücker Zeitung wurden sie " die gestrengen Herren" genannt, fanden sich auch in diesem Jahr ein. Der eisige Nordwestwind ließ die Bevölkerung zittern und den Überzieher wieder herausholen. Mit dem Wind stellte sich auch der leidige Moorrauch erneut ein, der vom Emsland herüberwehte.

Die Renovierung der Marienkirche rückte in greifbare Nähe. Für eineinhalb Jahre wurde die Kirche komplett geschlossen. Gottesdienste fanden in der Katharinenkirche statt, Taufen und Trauungen in der Bergkirche. Pfingsten gab es in der Katharinenkirche über den Tag verteilt allein sieben Gottesdienste. Die Besitzer der festen Plätze in der Katharinenkirche wurden um das gleiche freundliche Entgegenkommen gebeten, dass sie selbst 30 Jahre zuvor, bei der letzten Renovierung ihrer Kirche, durch die Mariengemeinde erfahren hatten.

Ein Volkstrachtenbuch befand sich in Vorbereitung. Es diente dem Zweck, " die Volkstrachten der älteren Generation für die Nachwelt zu erhalten". Die Herausgeber erhofften sich Rat und tatkräftige Unterstützung durch die Leserinnen und Leser der regionalen Zeitungen im Regierungsbezirk Osnabrück. Den Preis des reich bebilderten Prachtbandes veranschlagte man auf 10 Mark.

Weise Voraussicht: " Zur Entwicklung des Frauenstudiums" lautete der Titel einer Notiz, die unter der Rubrik " Witze" abgedruckt war: " Anrede der Professoren an die Hörerschaft 1850, Meine Herren!', um 1895 , Meine Herren und Damen!', um 1950 , Meine Damen und Herren!', um 2000 , Meine Damen!'".

PRACHTSACHEN FÜR DAMEN UND MÄDCHEN: Vor 100 Jahren eröffnete Bernhard Steinfeld an der Krahnstraße sein " Kaufhaus 1. Ranges". Das Zeitungsinserat erschien am 27. Mai.

STAND 26 JAHRE an der Spitze der Stadt: Julius Rißmüller, der am 30. Mai 1901 zum Osnabrücker Bürgermeister gewählt wurde. Nach ihm ist der Platz am Natruper Tor benannt.
Autor:
Christiana Keller


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