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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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aus Zeitung:
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Überschrift:
"Wer hier wohnt, soll auch hier bleiben"
 
Große Straße wirft Schatten
 
Stimmen aus dem Viertel sind gefragt
Zwischenüberschrift:
Stadt will das Gebiet um den Rosenplatz mit Sanierungsmitteln zu mehr Lebensqualität verhelfen
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
" Wer hier wohnt, soll auch hier bleiben"

Stadt will das Gebiet rund um den Rosenplatz mit Sanierungsmitteln zu mehr Lebensqualität verhelfen

Von Rainer Lahmann-Lammert

Es gibt viel zu tun rund um den Rosenplatz. In der Vergangenheit wurde das Quartier arg vernachlässigt. Jetzt soll es mit den Millionen aus dem Sanierungsprogramm " Soziale Stadt" aufgewertet werden. Nicht zu einem " Schicki-Micki-Viertel", sondern zu einem Stadtteil mit Lebensqualltat. Hermann Schwab, der Sozialplaner der Stadt, umreißt das Ziel der Sanierung so: " Wer hier wohnt, soll auch hier bleiben."

Als Alarmzeichen werten die Verantwortlichen, dass sich nur die wenigsten Bewohner mit ihrem Viertel identifizieren. Bei den Voruntersuchungen ist aufgefallen, dass das Rosenplatzquartier zu einem " Sammelbecken sozial Benachteiligter" geworden ist. Rund 7 600 Menschen leben im neuen Sanierungsgebiet, der Ausländeranteil ist mit 18 Prozent fast doppelt so hoch wie in der übrigen Stadt. Auch die Zahl der Arbeitslosen, Sozialhilfebezieher und Alleinerziehenden hebt sich deutlich vom Durchschnitt ab.

Mindestens 800 der 5 300 Wohnungen gelten als modernisierungsbedürftig. Es fehlt an zeitgemäßen Grundrissen, an wirksamer Wärmedämmung und sanitären Anlagen, die den Namen verdienen. Viele Wohnungen, auch das weist die Untersuchung der Stadt aus, bieten keine ausreichende Abschirmung gegen den Lärm des Straßenverkehrs und der Züge. Die Bewohner vermissen Balkone und Wintergärten, und, wenn sie nach draußen gehen, öffentliche Grünanlagen und Spielplätze. Den einzigen Spielplatz im Sanierungsgebiet an derWörthstraße schirmen ein paar Büsche nur mühsam vom benachbarten Garagenhof ab. Manche Häuser sind derart verwahrlost, dass sich die Planer nur noch einen Abriss vorstellen können. Mit Zuschüssen vom Land, von der Europäischen Union und der Bundesanstalt für Arbeit will die Stadt das Wohnumfeld verbessern und Anreize für die Modernisierung der Bausubstanz schaffen. Bei erfolgreichen Sanierungen, so argumentieren Kommunalpolitiker, mobilisiere jede von der öffentlichen Hand aufgebrachte Mark ein Mehrfaches an Folgeinvestitionen.

Die Stadt will dem Rosenplatzquartier keine Ideen aus der Schublade überstülpen, sondern gemeinsam mit den Bewohnern die Lebensqualität verbessern. Dabei ist es ein erklärtes Ziel, auch die Menschen einzubinden, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Ein Stadtteilforum, das erst noch gegründet werden muss, soll den Sanierungsprozess von Anfang an begleiten. Seine Aufgabe ist es, auch die Interessen von Kindern, Migranten und benachteiligten Gruppen einzubringen.

Parallel dazu richtet die Stadt eine Sozialträgerkonferenz ein, in der die sozialen Dienste und Organisationen vertreten sind, die im Viertel arbeiten.

Bewohner identifizieren sich nicht mit ihrem Viertel. Noch nicht?

Mit dieser Zweiteilung will der Sozialplaner Hermann Schwab erreichen, dass die Sichtweisen der Professionellen mit denen der Bewohner abgestimmt werden. Eine Chance, gemeinsam aus der Abwärtsspirale einen Aufwärtstrend zu machen. Auch die Stadt betritt damit Neuland. Das Rosenplatzquartier ist zwar das fünfte Sanierungsgebiet in Osnabrück, aber das erste, das den Arbeitstitel " soziale Stadt" trägt.

Stimmen aus dem Viertel sind gefragt

Das Geld ist da. Rund 40 Millionen Mark stehen für die nächsten zehn Jahre zur Verfügung, um dem Quartier rund um den Rosenplatz mehr Lebensqualität zu geben. Das Sanierungsprogramm steht unter dem Titel " Soziale Stadt". Was im Einzelnen zu tun ist, wollen die Planer von der Stadt und dem voraussichtlichen Sanierungsträger Deutsche BauBeCon gemeinsam mit den Bewohnern des Viertels beraten. Am Dienstag, 26. Juni, findet um 19.30 Uhr eine Bürgerversammlung in den Salzmarkthallen am Petersburger Wall statt. Dabei wird über die Ziele der Sanierung informiert. Zugleich soll ein Stadtteilforum eingerichtet werden, um den Bewohnern des Quartiers eine Stimme zu geben. Die Mitglieder des Forums haben die Aufgabe, Anregungen aus ihrer Nachbarschaft aufzugreifen und daraus gemeinsam Verbesserungsvorschläge zu entwickeln. Später achten sie darauf, dass die Umsetzung im Sinne der Bürger geschieht. " Alle Bewohner des Quartiers - als Mieter, Pächter oder Eigentümer von Wohnungen, Geschäften und Betrieben - sind herzlich eingeladen, im Stadtteilforum mitzuarbeiten", heißt es im Infoblatt der Stadt. Fragen zum Sanierungsgebiet Rosenplatz und zu Fördermöglichkeiten beantwortet Ingo Hoppe vom Fachdienst Wohnungswesen der Stadt Osnabrück, Telefon 323-2614.

Große Straße wirft Schatten

Till blickt manchmal auch ins Kleingedruckte und macht dabei interessante Entdeckungen. In dem Faltblatt der Stadt das die Haushalte im Sanierungsgebiet Rosenplatz am Montag bekommen haben, ist zwar die Deutsche BauBe-Con als Sanierungsträger angegeben, aber am Dienstag sah die Sache schon etwas anders aus. Eigentlich wollte der Rat dem Vertrag zwischen der Stadt und der BauBeCon zustimmen, doch in letzter Minute gab es Bedenken, ob dieser Vertrag nicht noch gründlicher geprüft werden müsse. Hintergrund ist der Ärger um die Große Straße. Auch dort hatte die Stadt die BauBeCon mit der Sanierung beauftragt, das Kostenrisiko aber selbst getragen und sich auf diese Weise 600 000 Mark Mehrkosten ans Bein gebunden. Damit sich so etwas beim Rosenplatz nicht wiederholt, soll der Vertrag nun überarbeitet werden. Damit kann der Auftrag an den Sanierungsträger erst in der nächsten Ratssitzung am 21. August beschlossen werden. Doch die Bürgerbeteiligung für den Rosenplatz beginnt jetzt. Eine verzwickte Situation für die Stadt, die ja den Fahrplan für die Sanierung nicht einfach um zwei Monate verschieben kann. Also beschloss der Rat, der BauBeCon zunächst nur das Mandat für die Bürgerversammlung am 26. Juni zu übertragen. Alles Weitere wird sich dann fügen. Einen schönen Gruß von der Großen Straße!

Bismontag

ES FEHLT AN SPIELPLÄTZEN im Rosenplatzviertel, aber dem Lärm von Autos und Zügen sind viele Bewohner fast schutzlos ausgesetzt. Das Sanierungsprogramm " Soziale Stadt" soll in diesn bislang vernachlässigten Wohngebiet mehr Lebensqualität schaffen. Fotos: Michael Hehmann

EINE CHANCE, die Entwicklung ins Positive zu drehen: Das neue Sanierungsgebiet rund um den Rosenplatz und seine Grenzen.

MANCHMAL hilft nur noch Abriss, überall besteht Sanierungsbedarf: ehemalige Geschäfte an der Sutthauser Straße und der Iburger Straße. Kommt demnächst neuer Schwung ins Viertel?

" ICH WÜRDE MIT DER STRASSE ANFANGEN", sagt Cetin Kücuk (links), der im türkischen Club Karadeniz mit seinem Kollegen Nejat Aykot Backgammon spielt. Ihr Leben spielt sich an der Iburger Straße ab - mit allen negativen Begleiterscheinungen. Sie hoffen, dass die Sanierung daran etwas ändert.

" ES IST GUT, wenn hier Leben reinkommt", meint Dietmar Seeber. Er ist für die Sanierung

" FRÜHER; ALS ES HAMMERSEN NOCH GAB, war es besser hier", bekennt Luise Tarante, die seit 23 Jahren an der Wörthstraße wohnt. Ihr ist es im Viertel zu laut geworden, tagsüber stören sie die Autos, nachts der Fetenlärm. Der Sanierung steht sie wohlwollend, aber etwas skeptisch gegenüber.
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert, Till


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