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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Eine große Chance für den Piesberg
 
Fans beginnen zu schwärmen
Zwischenüberschrift:
Steinindustrie will sich auf kleinere Fläche zurückziehen
Artikel:
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Originaltext:
Eine große Chance für den Piesberg

Steinindustrie will sich auf kleinere Fläche zurückziehen

Von Michael Schwager (Text), Hermann Pentermann (Fotos)

Rockkonzerte vor felsiger Kulisse, Bundesgartenschau - an Ideen für die Zukunft des Piesberges als Naherholungs-Paradies herrscht kein Mangel. Neulich kam sogar der Vorschlag, einen Tunnel zu hauen, durch den man in den Steinbruch gelangen könnte.

Durch das Museum Industriekultur, Dampflokfreunde oder den Verein Kultur an der Kippe werden schon einige Überbleibsel der industriellen Vergangenheit des Berges für die Menschen erschlossen. Es gibt den Rundwandenweg um den Piesberg, und Motorsportler haben mit ihrem Lkw-Geschicklichkeitsfahren seit ein paar Jahren eine Möglichkeit gefunden, das riesige Areal für eine Open-Air-Veranstaltung zu nutzen.

Aber noch Ist der Piesberg vor allem Industriegelände. Im Süden wird derzeit noch der Müll aus Osnabrück und Umgebung abgekippt, und Im Norden frisst sich der Steinbruch in den Berg wie in einen riesigen hohlen Zahn. Ist der Piesberg als Inbegriff von Erholung, Kultur und Freizeit nur ein Wunschtraum? Eine Vision, die frühestens in einem Jahrzehnt ein bisschen mehr Wirklichkeit sein wird?

Das war auch die Frage gestern Abend beim ersten Piesbergforum im Gesellschaftshaus, an dem unter anderem Oberbürgermeister Hans-Jürgen Fip, Ortsbürgermeister Josef Thöle, Willi Niggemann vom Abfallwirtschaftsbetrieb und Rolf Spilker vom Museum teilnahmen (weiterer Bericht folgt). Immerhin: Ab 2004 wird kein Müll mehr auf die Deponie gebracht. Und jetzt stellt die Piesberger Steinindustrie Überlegungen an, die eine rasche Wende vom Industriegebiet zum Landschaftspark möglich erscheinen lassen. Was Nico Steudel, Geschäftsführer der Piesberger Steinindustrie, gestern Abend vorstellte und seinen Gesellschaftern vorschlägt, leitet nach Ansicht von Pyes Ortsbürgermeister Josef Thöle einen " Paradigmenwechsel am Piesberg ein. Die Umstrukturierung des Tagebaus, wie sie Steudel anstrebt und vielleicht schon 2003 abgeschlossen haben könnte, würde allein den Flächenbedarf des Unternehmens von derzeit rund 150 Hektar auf 60 bis 70 Hektar vermindern und auch die Belastungen für Mensch, Luft, Wasser und Boden vermindern, die vorn Gesteinsabbau ausgehen.

Durch eine Verlegung der bisher genehmigten Abbauräume könnten schon jetzt größere Teile des Steinbruchs für Besucher geöffnet werden. Ein Vorteil für Freilichtveranstaltungen, denn derzeit könnten Bühnen, Kulissen und anderes Zubehör für Musiker oder Schauspieler immer nur kurzfristig am Wochenende in den Berg gebracht werden und müssten zum Schichtbeginn am Montagmorgen wieder verschwunden sein. Die Steinindustrie brauchte dabei nicht einmal auf den Abbau vorgesehener Gesteinsmengen zu verzichten. Denn wenn die vorgeschriebenen so genannten geologischen Fenster an anderen Stellen des Berges geöffnet würden, wäre der Abbau der gleichen Gesteinsmenge auf weniger fläche technisch möglich.

Ein weiterer Vorteil: Fans der Geologie und interessierte Laien könnten die besonderen Bodenformationen, die als Naturdenkmäler erhalten bleiben sollen, aus der Nähe betrachten. Denn die aktuellen Pläne der Steinindustrie sehen einen Wandenweg vor, der sich von der Aussichtsplattform im Nordosten des Steinbruchs an der Abbaukante Richtung Süden bis zur Sohle des Tagebaus herabschlängelt und dann wieder hinaufführt bis zum Rundwanderweg. Besonders interessant: Heute kommt man von außen an die Kohle heran, an die sich vor über 100 Jahren die Bergleute unter Tage mühsam heranarbeiten mussten. Die Kohleflöze sind heute noch gut an den herausragenden Grubenholzstempeln zu erkennen.

Der Plan hat einen Nachteil: Ein Teil des Hochwaldes westlich der Johannissteine würde fallen. Das wird von Umweltexperten kritisiert, obwohl Steudel sagt, dass auch bei der bestehenden Abbaugenehmigung der Wald abgeholzt werden könne.

Eine Entlastung der Pyer Bürger brachte die Schließung der Steinbrecheranlage nördlich des Süberweges auf der so genannten Vosslinke. Die Steinindustrie will die zwischen 1928 und 1933 gebaute Anlage unterhalb des Haseschachtgebäudes aufgeben und den Lagerplatz räumen. Die Fläche könnte zum Beispiel als Parkplatz fürs Museum oder für Gewächshäuser der Bundesgartenschau genutzt werden. Außerdem könnte das Museum Betriebsgebäude der Steinindustrie übernehmen. Neben der Brecheranlage auf der Vosslinke würden bei einem Rückzug des Unternehmens in den Berg ein Grubenpferdestall, die Zechenschmiede und die ehemalige Kohlenwäsche neben der schon vom Museum genutzten Kaue frei.

Und die Anlieger der Vosslinke könnten aufatmen. Denn als Standort für eine neue Anlage ist ein ausgebaggerter Schlammteich auf der anderen Seite des Fürstenauer Weges vorgesehen. Der Brecher, in dem der Karbonquarzit aus dem Piesberg zerkleinert und durch mechanische Siebe nach Größe sortiert wird, würde in dem rund 15 Meter tiefen Loch für die Blicke der Außenwelt komplett verschwinden. Und was noch wichtiger ist: Die Lärm-, und Staubbelästigung für die Anwohner wäre deutlich schwächer als bisher. Das Material könnte über die Deponiezufahrt abtransportiert werden, und der Süberweg bliebe sauber. Außerdem soll der Vorbrecher direkt unterhalb der Windräder mit einer Schallschutzwand versehen werden, um die Bewohner der nordwestlich des Steinbruchs gelegenen Siedlung zu entlasten.

Ein Plus der neuen Anlage: Durch die neue Brechertechnik sinkt der Wasserverbrauch, weil das Gestein mit Unterdruck entstaubt wird und nur noch ein geringer Teil gewaschen wird. Auch die Schlammmengen vermindern sich bis auf ein Zehntel der aktuellen Produktion. Für das derzeit in drei Schlammteichen gelagerte Material, dem übrigens eine die Maut straffende Wirkung nachgesagt wird, gibt es derzeit keine wirtschaftliche Nutzung. Der trockene Steinstaub kann hingegen besser vermarktet werden.

In die Umstrukturierung des Betriebes müsste die Piesberger Steinindustrie acht bis zehn Millionen Mark investieren. Eine Investition in die Zukunft? Aus Sicht der wachsenden Schar von Piesberg-Fans auf jeden Fall.

Fans beginnen zu schwärmen

Till ist Piesberg-Fan. Und jedes Mal, wenn sich ihm wieder die Gelegenheit bietet, in den Berg zu gelangen, wird er in seiner Begeisterung für das Gelände bestärkt. Die schroffen Felswände erinnern ihn an Karl-May-Filme aus den 60er Jahren, und wenn plötzlich Lex Barker und Pierre Brice hinter einem Vorsprung angeritten kamen - Till wäre eigentlich nicht überrascht. Verwunderlich ist viel mehr, dass nicht schon viel eher jemand auf die Idee gekommen ist, den Steinbruch für Open-Air-Kultur zu nutzen. Faszinierend auch der Einblick in die Erdgeschichte, die man an der Grenze zwischen Osnabrück und Wallenhorst gewinnen kann. Die Vorstellung, bald bequem über einen Wanderweg an Stellen zu gelangen, an die sich die Bergleute vor über 100 Jahren nur mühsam und unter großen Gefahren heranarbeiten konnten, ist spannend. Mit bloßen Händen kann man dann ein Stück vom Piesberger Anthrazit greifen, der wegen seines hohen Brennwertes früher sehr geschätzt war. Die Pläne der Steinindustrie eröffnen deshalb eine echte Chance für die Entwicklung des Berges. Vor dem Hintergrund des Vorhabens, hier in gut zehn Jahren eine Bundesgartenschau zu veranstalten, ist die Absicht des Betriebes, sich ins Innere des Berges zurückzuziehen, besonders reizvoll. Buga-Besucher könnten hier neben der rekultivierten Industriebrache noch einen funktionierenden Steinbruch erleben. Das ansprechend umzusetzen dürfte noch eine echte Herausforderung für die Landschaftsgestalter werden. Wie gesagt Till ist schon jetzt ein Piesberg-Fan. Aber seine Begeisterung ist noch steigerungsfähig.

Bisübermorgen

DIE BRECHERANLAGE aus den 30er Jahren soll stillgelegt werden.

AUF TRANSPORTBÄNDERN wird das Gestein vom Steinbruch zur Brecheranlage geschafft. Die Verbindungen würden deutlich kürzer, wenn die Steinindustrie ihre Vorhaben verwirklichen kann.

DER VORBRECHER, der die aus dem Fels gesprengten Karbonquarzit-Brocken in einer ersten Stufe zerkleinert, bleibt weithin ein sichtbares Symbol für den Steinbruch Piesberg. Er wird aber voraussichtlich mit Schallschutzwänden versehen.

GEOLOGISCHE FENSTER zeigen den Aufbau des Berges. An einige Stellen sind die alten Kohleflöze zu sehen, leicht zu erkennen an den Grubenholzstempeln. Ein Wanderweg soll die Besucher des Berges ganz nah an die Fenster heranführen.

DIE WASSERBEÄLTER aus der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts werden noch immer für das Waschen des Gesteins gebraucht. Neue Technik wird sie weitgehend überflüssig machen.

IN DIESEM LOCH soll die neue Brecheranlage verschwinden, die die alte Anlage an der Vosslinke ersetzen soll. Geschäftsführer Nico Steudel (links) informierte Ortsbürgermeister Josef Thöle über die Pläne seiner Firma.
Autor:
Michael Schwager, Till


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