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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Schnabel, mit dem man sich durchbeißen kann
Zwischenüberschrift:
Der Kernbeißer fällt in Osnabrück kaum auf
Artikel:
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Originaltext:
Schnabel, mit dem man sich durchbeißen kann

Der Kernbeißer fällt in Osnabrück kaum auf

Von Gerhard Kooiker

Zeige mir deinen Schnabel und ich sage dir, was du frisst. Schnepfen bohren mit ihren langen Schnäbeln tief in den Boden. Kurzschnäbelige Regenpfeifer nehmen Nahrung von der Oberfläche auf. Insektenfresser haben schlanke, zarte Schnäbel, Körnerfresser dagegen Kegelschnäbel. Die Anpassung der Nahrungsaufnahme und der Schnabelform wurde als erstes von Charles Darwin untersucht und ist heute in jedem Lehrbuch der Biologie zu finden.

Der Kernheißer (Cocco-thraustes coccothraustes) mit seinem charakteristischen massigen und klobigen Schnabel frisst sehr zum Leidwesen vieler Gärtner das Fruchtfleisch von Kirschen und Pflaumen und knackt damit mühelos die Kerne, um sich von dem bitteren Inhalt zu ernähren. Der größte deutsche Finkenvogel bevorzugt im Osnabrücker Raum alte Obstgärten, Eichen- / Hainbuchenmischwälder und Parkanlagen und verweilt dort gerne, wo es Bucheckern, Hainbuchen-, Ahorn- und Eschenfrüchte, Stein- und Kernobstsamen zu fressen gibt. Im Frühjahr nimmt er zusätzlich Knospen, frische Triebe und junge Blätter sowie Insekten und deren Larven vor allem als Futter für die Jungen auf. Im Winter erscheint er auch vereinzelt an Futterstellen.

Die fast starengroßen Kernbeißer sind in Osnabrück keine häufigen Vögel. Man kann sie zwar das ganze Jahr über beobachten, sie fallen aber kaum auf. Im Februar, März und April allerdings " blühen" die Vögel mit den ungraziösen Schnäbeln auf, fliegen hin und her und verraten sich leicht durch ihre lauten im Flug ausgestoßenen " zicks"- Rufe. Zur eigentlichen Brutzeit Ende April bis in den Juni hinein leben sie sehr heimlich und singen wenig. Der leise und sehr bescheidene Gesang setzt sich aus unreinen " zicks"- und gedehnten " zieh"- Rufelementen zusammen und wird von hoher Warte eines Baumes vorgetragen. Außerhalb der Fortpflanzungszeit sind Kernbeißer wie alle Finkenvögel gerne gesellig und gruppieren sich in kleinen Trupps in der Regel bis zu zehn, in günstigen Fällen sogar bis zu 50 Individuen.

So auch am 22. März nach einem Schneefall: Am Pappelgraben hielten sich 40 bis 50 Kernbeißer den ganzen Vormittag über in einer Eichenreihe auf. Sie saßen gemeinsam mit Buch- und Grünfinken in den höchsten Spitzen der Bäume und kommunizierten mit lauten " zicks-zicks-Rufen". Zeitweilig flogen sie auf den Erdboden und fraßen dort verschiedene Sämereien. Die Vögel waren sehr vorsichtig und scheu, denn schon bei kleinsten Störungen stoben sie vom Erdboden in die schützenden Baumkronen. Die Ursache dieser Ansammlung dürfte im plötzlich einsetzenden Schneefall zu suchen sein.

MIT SEINEM GROSSEN SCHNABEL knackt der Kernbeißer mühelos Stein- und Kernobstsamen, um an den oft bitteren Inhalt zu gelangen.Fotomontage: Bernhard Volmer
Autor:
Gerhard Kooiker


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