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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Kleine Helfer fressen das unsichtbare Eisen
 
Qualität aus gutem Grund
 
Wasser und Gesundheit
 
Der Markt ist in Bewegung
Zwischenüberschrift:
Nach dreijähriger Renovierung ist das städtische Wasserwerk in Thiene eines der modernsten in Norddeutschland
 
Experten: Zu viele Wasserversorger
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Weit vor den Toren der Stadt liegen die Brunnen, die die meisten Osnabrücker mit frischem Trinkwasser versorgen. Das veraltete Wasserwerk in Thiene zwischen Bramsche und Alfhausen haben die Stadtwerke in den vergangenen drei Jahren für 11, 5 Millionen Mark auf den neuesten Stand der Technik gebracht. Es ist damit eines der modernsten in Norddeutschland. Zur offiziellen Neueröffnung am nächsten Donnerstag, dem " Internationalen Tag des Wassers", kommt Niedersachsens Umweltminister Wolfgang Jüttner.

Kein anderes Lebensmittel nutzen wir so unbedacht wie Trinkwasser. Durchschnittlich 136 Liter verbraucht jeder Osnabrücker pro Tag - den größten Teil davon zum Duschen, Wäschewaschen und für die Toilettenspülung. Lediglich drei Liter trinken oder verwenden wir zum Kochen. Bevor das kostbare Gut in den westlichen Stadtteilen aus dem Hahn rinnt, hat es einen langen Weg und einige Aufbereitungsschritte hinter sich. Das Trinkwasser wurde gefördert, aufwendig gefiltert und schließlich zum Hochbehälter auf dem Piesberg gepumpt.

Wer zwischen Hellern, dem Katharinenviertel und Eversburg wohnt, bekommt sein Leitungswasser aus Thiene. Es ist besonders weich und deshalb gut zum Teekochen geeignet. Das Wasserwerk in Wittefeld, Baujahr 1975, versorgt die Einwohner in Haste, Dodesheide und Schinkel sowie einen Teil des Zentrums. Der Südosten der Stadt bezieht sein Trinkwasser überwiegend aus Düstrup, wo schon seit 100 Jahren ein besonders guter Tropfen - fast in Mineralwasserqualltat - gefördert wird.

Anfang der fünfziger Jahre zeichnete sich ab, dass die städtischen Brunnen allein den steigenden Trinkwasserbedarf der Osnabrücker nicht decken können. Deshalb entschied der Rat, ein neues Wasserwerk in Thiene zu bauen.

Geologen hattet herausgefunden, dass in diesem Gebiet Grundwasser reichlich und in guter Qualität vorhanden ist. Rund sechs Millionen Kubikmeter davon werden heute pro Jahr aufbereitet - mit dem Ziel, Eisen, Mangan und Kohlensäure zu entfernen.

Aus 25 Brunnen der Umgebung, die bis zu 40 Meter tief sind, lauft das Grundwasser mit Hilfe eines leichten Unterdrucks in einem Sammelschacht zusammen. Im alten Wasserwerk hat es nur eine Filterstufe gegeben. Jetzt sind es zwei. Als neuer Verfahrensschritt ist die " biologische Eisenfiltration" hinzugekommen. Millionen von Mikroorganismen fressen das Eisen, das im Wasser gelöst und daher unsichtbar ist. Die Stoffwechselprodukte jedoch können gefiltert werden.

Die kleinen Helfer versehen ihren Dienst in vier grünen Kesseln - Maßanfertigungen, die in der neuen Halle stehen. Auf mehreren Ebenen schlangeln sich Rohre durch den Anbau. Alle Anlagenteile sind mit kleinen Schildern gekennzeichnet, damit die drei Angestellten den Überblick behalten. Handarbeit brauchen sie so gut wie gar nicht mehr zu verrichten. Die gesamte Aufbereitung läuft automatisch.

So auch in den geschlossenen " Rieslertürmen", in denen das neun Grad kalte Wasser mit Luft durchströmt wird, um es mit Sauerstoff anzureichern. Die störende Kohlensäure kann gleichzeitig entweichen. Zur Restentsäuerung wird Kalkwasser zugegeben. Früher gab es einen offenen Gasaustausch. Das Rohwasser wurde einfach in einem nackten Raum versprüht. Bauschäden und hygienische Probleme waren die Folge.

In einem letzten Schritt wird das unerwünschte Mangan beseitigt - und zwar in vier offenen Filterbecken, die es so auch im alten Zustand gegeben hat. Der biologisch arbeitende Quarzsandfilter und die elektrische Steuerung allerdings sind neu. Nach der Aufbereitung gelangt das saubere Trinkwasser In den Reinwasserkeller, der 1 800 Kubikmeter fasst. Drei leistungsfähige Pumpwerke schicken das kostbare Gut nach einer letzten Qualitätskontrolle von hier aus auf die 25 Kilometer lange Reise nach Osnabrück.

Die Schwermetalle Eisen und Mangan bleiben in Thiene - als stinkender Schlamm, der regelmäßig abgepumpt, getrocknet und entsorgt wird. Dass nach der Filterung eine rotbraune und blauschwarze Masse übrig bleibt, ist erstaunlich - macht doch das rohe Grundwasser auf den ersten Blick auch schon einen sehr sauberen Eindruck.

Der Markt ist in Bewegung

Experten: Zu viele Wasserversorger

Bundesweit gibt es übet 6 500 Wasserversorger. Allein im Osnabrücker Land sind es 21. Fachleute halten diese Zergliederung für unwirtschaftlich.

Eine Kommission des Niedersächsischen Umweltministeriums erarbeitet derzeit Vorschläge mit dem Ziel, die Anzahl der Versorgungsunternehmen zu verringern. Vermutlich werden sich kleine Kommunen und Beschaffungsverbände nicht mehr allein am Markt behaupten können. Die Zukunft liegt in einer effizienten Zusammenarbeit. Im Osnabrücker Land könnte ein neuer Verbund die Qualitätssicherung und Verteilung des Trinkwassers organisieren.

Die Überlegungen haben einen konkreten wettbewerbsrechtlichen Hintergrund. Der Wassermarkt ist europaweit in Bewegung. Er soll liberalislert werden - ähnlich wie es auf den Märkten für Energie, Telekommunikation und Müll bereits geschehen ist.

Urnweltexperten sehen die Entwicklung kritisch. Die internationale Marktöffnung werde auf Grund des Kostendrucks die hohe Qualität des Wassers gefährden, prophezeit etwa der Oldenburger Geologe Egon Harms. Auf Dauer würden nur noch wenige Anbieter den Wassermarkt beherrschen, zu große Netze bilden, verschiedene Qualitäten mischen und mit Chlor desinfizieren.

Auch die Umweltschutzorganisation " Robin Wood" warnt vor der Geschäftemacherei mit dem kostbaren Gut Trinkwasser. Die Versorgung sollte kommunale Aufgabe bleiben und nicht in private Hände übergehen. Dann bleibe auch der Grundwasserschutz, wie er zum Beispiel im Osnabrücker Land praktiziert wird, nicht auf der Strecke.

Tipps zum Wassersparen

In Deutschland scheint Trinkwasser unbegrenzt vorhanden zu sein. Nach Ansicht von Experten ist bundesweit die Qualität auf Dauer allerdings nicht gesichert. Wer seinen Verbrauch einschränkt, leistet einen Beitrag zum Ressourcenschutz und kann zudem die eine oder andere Mark sparen. Hier einige Tipps:

Durchfluss begrenzen

Ein Durchflussbegrezer für die Duschbrause und den Wasserhahn am Waschbecken kann den Verbrauch um bis zu 15 Kubikmeter im Jahr senken. Die Investitionskosten von 10 Mark pro Leitung machen sich schon nach ein paar Monaten bezahlt.

Duschen statt Baden

Wer ein Mal in die gut gefüllte Badewanne steigt, kann mit derselben Wassermenge mindestens drei Mal duschen.

Mit Spartaste spülen

Für die Toilettenspülung verbrauchen die Haushalte durchschnittlich 30 Prozent des Trinkwassers. Ist der Spülkasten mit einer Stopp- oder Dreilitertaste ausgestattet, lässt sich die Hälfe der Menge sparen.

Tropfhahn reparieren

Durch tropfende Wasserhahne und undichte Spülkasten fließen in manchen Wohnungen etliche Kubikmeter Trinkwasser Jahr für Jahr ungenutzt in die Kanalisation. Meist sind die Defekte schnell zu reparieren.

Sparsame Geräte

Wer eine neue Waschmaschine oder ein neues Geschirrspülgerät anschafft, sollte darauf achten, dass der Wasserverbrauch niedrig ist.

Qualität aus gutem Grund

Till weiß, dass andere Städte ihr Trinkwasser äußerst mühsam aufbereiten und desinfizieren müssen - zum Beispiel dann, wenn sie es aus Flüssen gewinnen. Umso erfreulicher ist es, dass das Osnabrücker Trinkwasser ausschließlich aus den tiefen Schichten der Erde stammt und absolut chlorfrei ist. Der Boden hat es auf natürliche Weise gefiltert und mit Mineralien angereichert. Aber auch das Grundwasser ist verschiedenen Belastungen ausgesetzt. So kann ein undichter Öltank ein Vorkommen auf Jahre hinaus verunreinigen, und je mehr Flächen in Siedlungsgebieten überbaut und gepflastert werden, desto weniger Regen kann ins Erdreich versickern. Darüber hinaus können gefährliche Stoffe im Boden das klare Dasein des Grundwassers bedenklich trüben. Vielen Osnabrückern dürfte die Nitrat-Diskussion der späten achtziger Jahre noch gut in Erinnerung sein. In manchen Brunnen halten sich die Werte verdoppelt. Seitdem haben die Stadtwerke viel für den Grundwasserschutz getan. Das Unternehmen erwarb Flächen in den Einzugsbereichen der Brunnen, legte sie still oder verpachtete sie an Landwirte, die sie fortan ökologisch bewirtschalteten. Till freut sich darüber, dass im Wasserschutzgebiet Thiene kein Feld mehr konventionell beackert wird - und holt tief Luft, denn von Gülle ist zu dieser Jahreszeit hier nichts mehr zu riechen. Bismontag

Wasser und Gesundheit

Trinkwasser wird weltweit gesehen zur Mangelware. 26 Länder sind heute von Wasserknappheit betroffen. In 25 Jahren könnten es schon 46 sein. Nach Ansicht von Konfliktforschern werden die Staaten Im Nahen Osten In Zukunft vermutlich Kriege um den lebenswichtigen Rohstoff führen. Wie ungleich Trinkwasser auf der Erde verteilt ist, zeigen die beiden Zahlen: In den USA liegt der private Pro-Kopf-Verbrauch bei durchschnittlich 650 Litern täglich. Ein Einwohner des westafrikanischen Staates Benin muss dagegen mit vier Litern am Tag auskommen. Mit dem " Internationalen Tag des Wassers" am 22. März wollen die Vereinten Nationen den Blick für diese Probleme schärfen. " Wasser und Gesundheit" ist in diesem Jahr das Motto.

KEINE CHANCE für das Mangan: In diesen Becken wird es biologisch aus dem Trinkwasser gefiltert.

AlLLES IM GRIFF: Nur im Notfall bedient Wassermeister Ferdinand Hanses die Absperrventile an den Wasserleitungen per Hand.

EIN WIRRWARR aus Rohren, Pumpen und Kesseln: Joachim Nolte, der bei den Stadtwerken die Abteilung Wasserversorgung leitet, kennt sich mit der neuen Technik bestens aus.

DAS GEHIRN des Wasserwerks in Thiene: Mitarbeiter Hubert Tepker kann von hier aus alle Prozesse voll automatisch steuern und permanent die Qualität des Trinkwassers überwachen.

Jörn Martens (Fotos)
Autor:
Holger Jansing, Till


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