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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Gemüse kann mehr, als den Menschen satt machen
 
Glückliche Gärtner
 
Kleine Betriebe, große Erträge
 
Wenn dem Bio-Bauern die Möhrenkultur verhagelt
Zwischenüberschrift:
Vom Geheimnis "Sekundärer Pflanzenstoffe" - Beobachtungen am Rande einer Gartenbau-Tagung an der FH
 
Der Gartenbau als Wirtschaftsfaktor
 
Gärtnerische Erfahrungen und exakte Wissenschaft: Der Beratungsbedarf der Betriebe im Gartenbau ist sehr hoch
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Glückliche Gärtner

Till hat es immer schon gespürt, aber nun ist es von der Wissenschaft beglaubigt: Gärtner sind glückliche Menschen. Die Professorin Paula Diane Relf vom Polytechnischen Institut der Virginia State University hat geforscht und herausgefunden: Wenn Menschen in Altersheimen und psychiatrischen Kliniken die Pflege einer lebenden Pflanzen als eine Form der Arbeitstherapie übertragen wird, gesunden sie schneller. Gärtnerische Betätigung sollte deshalb in die öffentlichen Gesundheitsprogramme und therapeutischen Richtlinien aufgenommen werden, so hat die Professorin aus Amerika in dieser Woche auf der Gartenbau-Tagung an der FH Osnabrück gefordert: " Schon die reine Anwesenheit von Grünpflanzen hat einen therapeutischen Nutzen", betonte Paula Diane Relf. Till sieht sich zwar nicht als Patienten, hält er sich doch für körperlich gesund und psychisch hinreichend stabil, um die Herausforderungen des täglichen Lebens zu meistern. Aber wenn er durch seinen eigenen Garten geht, fühlt er sich doch durch die Wissenschaft bestätigt. Die ersten blühenden Krokusse und das vorwitzige Grün der Tulpenspitzen sagen ihm: Der Frühling kommt - auch wenn das Osnabrücker Schmudderwetter der letzten Tage noch dagegen spricht. Bismontag

Kleine Betriebe, große Erträge

Der Gartenbau als Wirtschaftsfaktor

Griechischer Spargel, Weintrauben aus Südafrika, Bohnen aus Kenia? Der Import von Obst und Gemüse hat dazu geführt, dass auf den Märkten immer Saison ist. Auch wenn lange Transportwege ökologische Fragen aufwerfen: " Frische Ware duldet keine langen Wege", ' sagt dazu Prof. Hans-Albrecht Dicke. Der gelernte Gärtnermeister - und Marketingprofessor am Fachbereich 3 Agrarwissenschaften der Osnabrücker Fachhochschule ist überzeugt: " Der heimische Gartenbau bietet Waren, deren Vorteile für den Konsumenten unübersehbar sind."

Dabei leistet der deutsche Gartenbau Erstaunliches: Knapp über 30 000 Betriebe bewirtschaften rund 170 000 Hektar im Freiland und unter Glas und erwirtschaften daraus einen Produktionswert von 10, 2 Milliarden Mark. Immerhin ein Viertel der gesamten Wertschöpfung der deutschen Landwirtschaft, auf nur einem Prozent der Nutzfläche.

Aber im Gegensatz zur Industrie agiert hier eine Vielzahl von Klein- und Mittelbetrieben. Sie können die Mittel für Forschung und Entwicklung nicht aufbringen und sind deshalb auf Beratung angewiesen: Die Jahrestagung der Deutschen Gartenbauwissenschaftlichen Gesellschaft in dieser Woche an der FTI Osnabrück sollte diesen Wissenstransfer durch die Hochschulen ermöglichen.

Gemüse kann mehr, als den Menschen satt machen

Vom Geheimnis " sekundärer Pflanzenstoffe" - Beobachtungen am Rande einer Gartenbau-Tagung an der FH

Von Frank Henrichvark

Knackig sollen die Tomaten sein, geschlossene Knospen muss der Broccoli haben: Jahrelang war das Aussehen bei Obst und Gemüse das wichtigste Verkaufsargument - vom Preis einmal abgesehen. Nun aber hat das große Umdenken in der Nahrungsmittelbranche auch den Gartenbau erreicht: Subjektive Kriterien wie Geschmack und Gesundheit stehen im Vordergrund. Der Verbraucher ist anspruchsvoll geworden, die Nahrungsmittel-Produzenten reagieren prompt: " Gesundheit und Wohlbefinden" standen in dieser Woche im Mittelpunkt der Tagung, zu der sich 300 Wissenschaftler und Praktiker des Erwerbs-Gartenbaus an der Fachhochschule Osnabrück versammelt hatten.

Wenn Dr. Bernhard Watzl von Rosenkohl spricht, dann redet er über Isothiozyanate, lndol-3-Carbinol oder Flavonoide. Chemische Inhaltsstoffe des Gemüses, von denen man zwar nicht satt wird, aber die dennoch nicht fehlen dürfen: Zunächst einmal sind sie für den Geschmack verantwortlich, zum anderen haben sie auf den Stoffwechsel des Menschen unbestritten positive Wirkungen.

Zunächst der Geschmack: " Vor 20 Jahren war der Chicoree so bitter, dass bei der Zubereitung das Herz herausgeschnitten wurde.

Wildpflanzen bringen mehr Geschmack

Heute können sie ihn so essen", sagt Watzl. " auch beim Rosenkohl ging der Trend zum . milden' Geschmack." Jetzt hatten sich die Pflanzenzüchter wieder aufs Gegenteil besonnen, berichtete der Ernährungsphysiologe von der Bundesforschungsanstalt für Ernährung in Karlsruhe, " sie kreuzen wieder Wildformen ein, damit es herzhafter schmeckt".

Und die Gesundheit? Die sekundären Pflanzenstoffe, also was der Chemiker unter den unaussprechlichen Begriffen Carotinoide, Phytosterine, Phenolsäuren oder Flavonolde zusammenfasst, wirken auf den Verdauungsvorgang, beeinflussen den Hormonstoffwechsel oder binden aggressive freie Radikale im menschlichen Körper: " Studien haben gezeigt, dass Menschen mit einem hohen Gemüse- und Obstverzehr ein geringeres Krebsrisiko haben", berichtet der Ernährungswissenschaftler, " auch die Herz-Kreislauf-Erkrankungen gehen eindeutig zurück." Wie diese Zusammenhänge wissenschaftlich zu begründen sind, müsse zwar noch geklärt werden. Aber: " Wir haben lange Zeit zu einseitig nur auf die Nährstoffe geblickt", ist sich Watzl sicher. Immerhin könnte " bioaktives Gemüse" mit einem hohen Gehalt solcher sekundären Pflanzenstoffen künftig einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil auf dem Markt haben.

Auch die Argrarwissenschaftler an der Fachhochschule Osnabrück in Haste forschen auf dem Gebiet der rätselhaften " sekundären Pflanzenstoffe". Carola Eisner hat acht Semester Gartenbau studiert und beschäftigt sich nun für ihre Diplomarbeit mit dem Feldgemüse Spargel und dem Spurenelement Selen. Fehlt dem Körper dieses chemische Element, kommt es zu Störungen der Leber-, Muskel- und Herzfunktion, Selen wird auch eine entgiftende Wirkung und ein positiver Einfluss auf das Imnuinssystem zugeschrieben. Aber wieviel Selen ist nun im Spargel wirklich enthalten?

Um diese Frage zu klaren, hat Carola Eisner das Feinschmecker-Gemüse gleich kistenweise verarbeitet, gefriergetrocknet und chemisch aufgeschlossen: " 20 Kilo Gemüse ergeben vielleicht fünf Gramm Proben-Substanz", berichtet sie: Erst dann konnte sie das Spurenelement Selen überhaupt mit einem Absorptionsspektrometer nachweisen und den Gehalt auf die Ausgangsmenge hochrechnen. Ein Wunder fast, dass sie nach dieser mühevollen Arbeit das edle Bleichgemüse immer noch gerne essen mag.

Pflanzen verbessern das Büroklima

Aber neben gutem Geschmack und gesunden Inhaltsstoffen liefern Pflanzen noch einen weiteren Beitrag zum Wohlbefinden des Menschen: So wie die Bäume in der Stadt Staub und Schadstoffe binden, können auch Zimmerpflanzen die Atmosphäre reinigen. Dr. Christian Langebartels vom Institut für Biochemische Pflanzenpathologie am Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit berichtete auf der Gartenbau-Tagung an der FH Osnabrück, dass Zimmerpflanzen wie eine " grüne Leber" Schadstoffe abbauen können. " Lieber einen Ficus benjamina oder eine Strahlenaralie ins Büro stellen, anstatt ein Bild aufzuhängen oder ein Kunstwerk anzuschaffen", so sein nicht ganz ernst gemeinter Rat, " das wirkt auch positiv aufs Gemüt und verbessert nachweisbar das Raumklima." Denn immerhin hat Langebartels mit seinen Untersuchungen nachweisen können, dass Grünpflanzen Luftschadstoffe wie Pentachlorphenol oder Formaldehyd aufnehmen und in Kohlendioxid verwandeln. Pikanterweise geschieht das' mit Hilfe eines Enzyms, wie es auch den Alkohol in der menschlichen Leber abbaut deshalb das Wort von der " grünen Leber" seinen tieferen Sinn hat.

Wenn dem Bio-Bauern die Möhrenkultur verhagelt

Gärtnerische Erfahrungen und exakte Wissenschaft: Der Beratungsbedarf der Betriebe im Gartenbau ist sehr hoch

" Viel hilft viel", diese alte Bauernregel hat längst ausgedient. Nicht nur, weil sich mittlerweile bis in die letzten Heidedörfer herumgesprochen hat, dass zuviel Stickstoff sich irgendwann im Grundwasser wiederfindet. Sondern auch, weil der Kunstdünger mit hohem Energieeinsatz produziert wird und damit teuer ist. Professor Christoph Wonneberger experimentiert lieber mit einer bedarfsgerechten Pflanzennahrung und empfiehlt seinen " Kunden" in Gartenbau und Landwirtschaft, kostenbewusst zu produzieren: " Die Betriebe; müssen heute mit dem Pfennig kalkulieren, um wettbewerbsfähig zu sein. Da kann niemand Ressourcen verschleudern."

Pflanzennahrung richtig dosiert

Christoph Wonneberger forscht und lehrt für das Fach Gemüsebau am Fachbereich Agrarwissenschaften der FH Osnabrück in Haste. Eines seiner Spezialgebiete ist der Spargelanbau: Die Sortenwahl, der . Anbau unter verschiedenen Folien zur Ernteverfrühung, die Frischhaltung und Lagerung - zusammen mit Klein-und Großbetrieben in Niedersachsen hat Wonneberger zahlreiche Versuche angestellt. " Die Produzenten wollen dem Verbraucher ein wertvolles Produkt anbieten", sagt er, " da gibt es großen Beratungsbedarf."

15 Sorten haben die Osnabrücker Gartenbauer auf ihren Versuchsparzellen getestet: Spitzenreiter beim Ertrag und der Stangendicke waren dabei Züchtungen, die auf den schönen Namen " Ravel", " Grolim" oder " Merkur" hören.

Andere Versuche beschäftigen sich mit dem Einfluss des Bodenmilieus auf das Pflanzenwachstum. Sellerie, Spinat, Rucola und Rote Beete kümmern, wenn der pH-Wert des Bodens bei 4, 0 liegt; wird er durch Zugabe von Kalk vom sauren Bereich auf 5, 5 oder sogar 6, 5 verschoben, dann stiegen die Erträge an. " Bei Buschbohnen, Grünkohl oder Chinakohl waren diese Effekte nicht so ausgeprägt zu beobachten", berichtet Wonneberger. Interessant dabei: Inhaltsanalyen des so erzeugten Gemüses zeigte bei den besser ernährten Pflanzen auch einen höheren Gehalt der wertvollen Spurenelemente Phosphor, Kalium und Calcium.

Gücksmomente im Gewächshaus

Manchmal führt die Pflanzenernährung allerdings auch zu unerwünschten Effekten. So wurde Prof. Christoph Wonneberger von einem Bli-Gartenbaubetrieb um Rat gebeten, der gleich sieben Hektar Möhren abschreiben musste, weil der Nitratgehalt in den Wurzeln zu hoch war. Die Ernte wurde von dem Babykost-Produzenten nicht abgenommen.

Des Rätsels Lösung: Hagelschlag hatte während der Kulturzeit das Laub der Möhrenpflanzen zerstört - ein Effekt, den die Pflanzen zwar durch erneuten Austrieb kompensieren konnten, aber eben auch um den Preis vermehrter Stickstoff-Einlagerung kurz vor der Ernte. " Unsere Versuche mit simuliertem Hagelschlag haben nachgewiesen, dass vier Wochen nach dem Laubverlust der schlechteste Erntezeitpunkt wäre", so Wonnberger.

So wirken gärtnerisches Erfahrungswissen und die exakte Wissenschaft im Versuchsbetrieb der Fachhochschule zusammen. Gärtnermeisterin Heike König, die im Gewächshaus und im Freiland viele dieser Versuche praktisch umsetzt, hat dabei ganz subjektive Glücksmomente: Es sei einfach toll, die Pflanzen wachsen zu sehen, sagt sie: " Ich bin richtig glücklich, wenn jetzt 1 000 Tulpen im Gewächshaus stehen." (fhv)

SPARGEL SCHÄLEN FÜR DIE WISSENSCHAFT: Carola Eisner bestimmt für ihre Diplomarbeit am Fachbereich Agrarwissenschaft den Gehalt des Spurenelements Selen im Spargel und musste dafür das Edelgemüse gleich kiloweise verarbeiten. Fotos: Klaus Lindemann

DA BLEIBT DER SELIERIE KLElN: Links Sellerieknollen, die in Erde mit einem pH-Wert von 4, 0 verkümmert sind, rechts dagegen stimmte die Nährstoffversorgung

FRÜH AUFSTEHEN FÜR DIE SPARGELERNTE: Die Professoren und Studenten des Osnabrücker Agrar-Fachbereichs arbeiten mit zahlreichen Betrieben zusammen.Foto: Christoph Wonneberger

GLÜCK IST, wenn Pflanzen blühen: Heike König.
Autor:
fhv, Till


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