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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Überschrift:
Vorliebe für Distelsamen
Zwischenüberschrift:
Kaum Forscherinteresse am Stieglitz in Osnabrück
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Vorliebe für Distelsamen

Kaum Forscherinteresse am Stieglitz in Osnabrück

Von Gerhard Kooiker

Als Gott alle Tiere erschaffen und angemalt hatte und seine Farbtöpfe leer waren, da kam noch verspätet ein kleiner grauer, unscheinbarer Vogel daher und jammerte fürchterlich über sein schlichtes Aussehen. Daraufhin schaute Gott in die Töpfe und sah, dass doch noch ein spärlicher Rest Farbe in jedem " Topf vorhanden war und gab der grauen Kreatur von jeder einen Klecks. So entstand der farbenprächtige Stieglitz (Carduelis carduelis), leicht kenntlich am rotweißen Kopf. So weit die Legende.

Seinen deutschen Namen verdankt der Stieglitz der lautmalerischen Wiedergabe seines Lockrufes, der wie " strglitz" oder " stichlit" ertönt Sein anderer Name Distelfink geht auf Disteln zuück, deren Samen er mit Vorliebe frisst. Je nach Jahreszeit spielen aber auch Samen von Bäumen (z. B. Birke und Erle) und vor allem Korbblütlern (Huflattich, Löwenzahn, Kratzdisteln, Wiesenbocksbart, Sonnenblumen u. ä.) sowie andere Kraut- und Staudenpflanzen eine wichtige Rolle.

Hat man etwas Zeit und kann die Vögel eingehend beobachten, wie sie sehr geschickt, meisenartig gewandt, kopfüber und kopfunter an trockenen Disteln hängen oder herumturnen, um an deren Samen zu gelangen und sie mit den spitzen Schnäbeln aus den Samenständen hervorzuholen, dann wird man dieses schöne Naturschauspiel so schnell nicht vergessen.

Die immer lebhaften und zierlichen Finken bewohnen offene und halboffene Landschaften wie Obstgärten und Streuobstwiesen, Parkanlagen und verwilderte Gärten, strukturreiche Bauernhöfe und Einzelhäuser, Alleen, Feldgehölze und Baumgruppen. Jetzt im Winterhalbjahr durchstreifen sie in kleineren Trupps von drei bis zu zehn Vögeln unsere Heimat, gelegentlich vermischt mit Buch-und Bergfinken sowie Erlen-und Birkenzeisigen.

Größere Trupps von über 50 Vögeln sind selten. Meistens wird man auf die bunten Vögel durch ihre Rufe und ihre zwitschernden, schwatzenden Gesänge aufmerksam. Der hastig vorgetragene Gesang kann dabei von einem oder von mehreren Männchen vorgetragen werden. So plötzlich wie er begann, verebbt er und ohne erkennbaren Grund erhebt sich die ganze Schar aus einer Baumkrone und fliegt weiter.

Die Vögel, die wir im Winterhalbjahr antreffen, dürften wohl ausschließlich Stieglitze sein, die bei uns durchziehen oder überwintern. Im März und April verlassen sie das Osnabrücker Hügelland. Etwa zur gleichen Zeit kehren unsere wenigen heimischen Brutvögel aus südlichen Gefilden zurück. Obwohl Stieglitze bei Vogelliebhabern gerne gehalten und gezüchtet werden, wissen wir über das Freilandverhalten der Osnabrücker Population kaum etwas. Es gibt keinen Osnabrücker Biologen, der sich je mit diesem Vogel wissenschaftlich beschäftigt hat. Fragen zur Ökologie, Bestandsdynamik und zum Wanderverhalten wie " wann ziehen unsere Stieglitze weg, ziehen alle, wohin ziehen sie, und wann kehren sie heim", harren auf Antwort.

ALS HÄTTE IHN DER LIEBE GOTT mit Farbresten bekleckst, so erscheint der bunte Stieglitz manchem Betrachter. Der Finkenvogel knabbert besonders gern Distelsamen. Foto: Bernhard Volmer
Autor:
Gerhard Kooiker


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