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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
"Haben Optimum für Bürger herausgeholt"
 
Künftig weniger vorsortieren?
Zwischenüberschrift:
Neues Konzept für Restmüllentsorgung aus Stadt und Landkreis Osnabrück gestern vorgestellt
 
Thema Müll: Erste Stellungnahmen
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück (sh)

Als ökologisch und ökonomisch sehr gutes Ergebnis werteten gestern Vertreter von Stadt und Landkreis Osnabrück, dass die Firma Herhof-Umwelttechnik aus Solms-Niederbiel mit Ihrem mechanisch biologischen Trockenstabilatverfahren als wirtschaftlichster Anbieter aus dem Ausschreibungsverfahren zur Restmüllentsorgung im Osnabrücker Land hervorgegangen ist.

" Es hat sich bewährt, den Wettbewerb voll auszuspielen", meinte Dr. Joseph Rottmann, Erster Kreisrat beim Landkreis Osnabrück, bei der offiziellen Bekanntgabe des Ergebnisses. 18 verwertbare Angebote waren eingcgangen, die Hälfte davon für eine thermische Vorbehandlung. Besonders durch die verfahrensoffene Ausschreibung sei eine innovative Lösung gefunden worden, die deutlich preisgünstiger als andere Verfahren sei. Durch die Wahl des jetzigen Zeitpunktes für die Ausschreibung " haben wir ein Optimum für die Bürger herausgeholt", ergänzte Willi Niggemann, Leiter des Abfallwirtschaftsbetriebes der Stadt Osnabrück.

Als günstigster logistischer Standort für eine Anlage, in der der Restmüll aus Stadt und Landkreis Osnabrück nach dem Herhof-Verfahren getrocknet und weiter sortiert wird, stellt sich das Gelände am Osnabrücker Hafen dar, das bis vor kurzem noch für ein Güterverkehrszentrurn freigehalten worden war. Als weitere mögliche Standorte hatte Herhof in seinem Angebot den Piesberg und den ehemaligen Schießplatz in Vehrte genannt. Doch auch Planungsrecht und Verfügbarkeit sprechen für das Gelände am Hafen mit Gleisanschluss und Kanalanbin-dung. Ins Auge gefaßt ist ein 30 000 Quadratmeter großes Areal zwischen dem Ölhafen und dem Fürstenauer Weg. Die Stadt Osnabrück würde dieses Grundstück an Herhof verpachten. Für Ihre Anlage benötigt die Firma Herhof insgesamt ein 20 000 Quadratmeter Grundstück, wobei rund 6 500 Quadratmeter überbaut werden. Eine bis zu 16 Meter hohe Halle von 150 Meter Länge und 40 Meter Breite wird die gesamte Anlage aufnehmen. Die Abluft wird über zwei 25 bis 30 Meter hohe Kamine abgeleitet. Gut zehn Arbeitsplätze werden dort neu geschaffen.

Nachdem gestern Nachmittag der gemeinsame Arbeitskreis Abfall der Stadt und des Landkreises Osnabrück und anschließend die Presse über den Vorschlag der beiden Verwaltungen informiert wurden, müssen nun Kreistag (19. Februar) und Stadtrat (27. Februar) über die Auftragsvergabe entscheiden. Mitte März sollen dann die Verträge unterzeichnet werden. Vor dem Bau wird eine Umweltverträglichkeitsprüfung durchgeführt. Ende 2004 soll dann nach rund eineinhalbjähriger Bauzeit der Probebetrieb aufgenommen werden, um ab 2005 In den Regelbetrieb wechseln zu können.

55 000 Tonnen Abfall aus dem Landkreis und 30 000 Tonnen aus der Stadt Osnabrück sollen in der Anlage verarbeitet werden. Dieses Müllaufkommen haben Gutachter bei konservativer Einschätzung errechnet. In der Ausschreibung wurde eine mögliche Abweichung von fünf Prozent nach oben oder unten vorgesehen Der Vertrag soll mit einer Laufzeit von 18 Jahren (auch 12 und 15 waren vorgesehen) abgeschlossen werden, da so der günstigste Preis erzielt werden kann. Und dieser beträgt bei dem Herhof-Angebot knapp 150 Mark pro Tonne (mit Preisgleitklausel nach offiziellen Indizes) und damit deutlich weniger als bei den Mitbewerbern, erläuterte Björn KJippel vom Mannheimer Beratungsbüro TIM, das die Ausschreibung begleitete. Hinzu kämen die Anlieferungskosten, die für Stadt und Landkreis unterschiedlich seien und sich bei der Bewertung der Angebote kalkulatorisch niedergeschlagen hatten.

Damit liege das Herhof-Angebot weit unter den derzeitigen Kosten des Landkreises für den Piesberg, so Rottmann. Im Wirtschaftsplan des Kreises schlage sich die Tonne mit rund 255 Mark nieder. Darin seien 165 Mark für die reine Anlieferung enthalten. Somit werde die künftige Abfallentsorgung billiger trotz besserer Ökologie. Für die Gebühren sei dieses aber erst ab 2005 ein Thema. Niggemann gab den jetzigen Gesamtpreis pro Tonne in der Stadt mit rund 220 Mark an, warnte aber vor allzu großen Erwartungen, da Inflationsrate und Kostensteigerungen beim Transport bis 2005 die Einsparungen zunichte machen könnten. " Wir sind überzeugt, dass das innovative Trockenstabilatverfahren die optimale Entsorgungsalternative für unsere Region darstellt", waren Dr. Rottmann und Niggemann zuversichtlich, das beste Angebot ausgewählt zu haben, besonders auch im Hinblick auf das Kreislaufwirtschaftsgesetz, das die Verwertung des Abfalls zwingend vor der Beseitigung vorschreibt.

Ein Vergleich der Kosten mit geplanten Müllverbrennungsanlagen zeigen Angaben In einer Fachzeitung der Abfallentsorger " EUWID": So muss die Stadt Hannover künftig 233 DM pro Tonne für die Verbrennung bezahlen. Im Kreis Nordfriesland liegen die Kosten zwischen 180 und 250 DM und in Freiburg bei 185 DM.

Vor Jahren noch kritisch betrachtet, wurde das Herhof-Trockenstabilatverfahren inzwischen vom Bundesumweltamt intensiv geprüft. Heute ist diese Methode der größtmöglichen Weiterverwertung des Restmülls ein anerkanntes Verfahren, das in jüngster Zeit starke Verbreitung findet. Nach der ersten Anlage im hessischen Aßlar wurde vor einem Jahr eine Anlage in Rennerod im Westerwaldkreis in Betrieb genommen, vergleichbar der in Osnabrück geplanten. Weitere Anlagen werden unter anderen in Dresden und Trier gebaut und auch in Venedig steht eine Herhof-Anlage. Das Ziel der weitgehenden Wiederverwertung der AbfalIbestandteile und des verbleibenden Restes, der als Brennstoff mit einem höheren Heizwert als herkömmlicher Hausmüll und als Ersatz für Kohle und Heizöl geeignet ist, macht dieses Verfahren preisgünstig und in hohem Maße umweltfreundlich.

Nach der Zerkleinerung und Trocknung des angelieferten Mülls, wobei dem Material durch Wärme 30 Prozent Wasser entzogen werden, werden über verschiedene Sortierverfahren noch rund 20 Prozent an Rohstoffen sortenrein zur Weiterverwendung ausgesondert. Der Rest wird als Sekundärbrennstoff In 500 Kilogramm schwere Ballen gepresst und Heizkraftwerken angeboten. Derzeit muss für die Abnahme in Deutschland noch etwas gezahlt werden, in anderen Ländern gibt es aber bereits Geld dafür, erläuterte Klippel. Die Firma Herhof habe Abnahmeverträge mit verschiedenen Kraftwerken, vornehmlich in Nordrhein-Westfalen.

Auf die umweltverträgliche Verarbeitung des Mülls zu Trockenstabilat wies gestern auf Anfrage unserer Zeitung Andreas Puchelt, Vertriebsleiter bei Herhof, hin. Die Emmissionen unterschritten deutlich auch die künftigen gesetzlichen Richtwerte. Die bei der Trocknung entweichenden Gase werden gefiltert und anschließend verbrannt. Dieses ist aber der einzige Verbrennungsprozeß in der Anlage. Ansonsten erfolgt die Schadstoffminderung an verschiedenen Stellen des Verarbeitungsprozesses auf mechanischem Wege. Selbst die Brennstoffblöcke, die am Ende übrig bleiben, haben bei der Verbrennung in einem Heizkraftwerk Insgesamt bessere Werte als Kohle, erläuterte Puchelt.

Künftig weniger vorsortieren?

Thema Müll: Erste Stellungnahmen

Osnabrück( sh)

Während CDU und SPD des Kreises gestern in ersten Stellungnahmen das Ergebnis der Ausschreibung für die Entsorgung des Restmülls begrüßten, meldeten die Grünen aus Osnabrück Bedenken an.

Der umweltpolitische Sprecher der SPD im Kreistag, Nazih Musharbash, freute sich " riesig", dass gerade diese zukunftsotientierte Entsorgung die Ausschreibung gewonnen habe. Denn schon früher habe die SPD für diese Lösung plädiert, die preisgünstig und umweltverträglich sei.

Georg Schirmbeck, CDU-Fraktionvorsitzender im Kreistag, sah auch den Hafen als optimalen Standort der Verarbeitungsanlage für alle Bürger an: " ökonomisch und ökologisch Ideal." Gleichzeitig wagte Schirmbeck aber auch einen Blick in die Zukunft. Auf Grund der weiterentwickelten und verfeinerten maschinellen Sortiermöglichkeiten könnte die Zahl der verschiedenen Mülltonnen pro Haushalt wieder abnehmen, da eine Vorsortierung durch den Bürger so zum Teil zumindest überflüssig werde.

Eine Debatte über das technische Verfahren und einen damit verbundenen Standort zur Entsorgung des Restmülls halten die Grünen in der Stadt Osnabrück derzeit für verfrüht, da zunächst die Rechtmäßigkeit des Vergabeverfahrens geklärt werden müsse. Denn es sei davon auszugehen, dass Mitbewerber gegen die Vergabeentscheidung klagen.

Bilduntertitel

AUF DIESEM GELÄNDE zwischen dem Ölhafen und dem Fürstenauer Weg in Osnabrück soll die Müllverarneitungsanlage gebaut werden. Foto: Uwe Lewandowski

ÄHNLICH wie diese Anlage der Firma Herhof in Rennerod wird auch die geplante Anlage in Osnabrück aussehen. Foto: Herhof
Autor:
sh


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