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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
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Einst bezeichnet als Kriegs- oder Pestvogel
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Seidenschwänze erscheinen als Irrgäste in Mitteleuropa
Artikel:
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Originaltext:
Einst bezeichnet als Kriegs- oder Pestvogel

Seidenschwänze erscheinen als Irrgäste in Mitteleuropa

Von Gerhard Kooiker

Tatort Kastanienkrone Ecke Weiden- / Auguststraße: Nach fünf langen Jahren war es endlich wieder so weit. Am Vormittag des 20. Januar vernahm ich aus einer mächtigen Kastanie merkwürdige schwirrende und ratschende Stimmen, die ganz entfernt an Papageien erinnerten.

Wie elektrisiert blieb ich stehen. In der Krone des Baumes turnten zwei starengroße Vögel herum und knabberten genussvoll an den klebrigen, eiweißreichen Knospen: Seidenschwänze - sehr seltene Wintergäste aus dem hohen Norden. Die letzten Tiere dieser Art wurden in Osnabrück während des spektakulären Hinfluges im Winter 1995 / 96 festgestellt und sorgten bei Ornithologen für großes Aufsehen.

Seidenschwänze brüten in der Taigazone der Holarktis von Skandinavien bis Kanada. Bei mangelndem Fruchtansatz der Eberesche (" Vogelbeere") oder einer zu hohen Dichte der Vögel kommen die Tiere schon mal in großer Zahl bis nach Mitteleuropa. Sie erscheinen dann bei uns als so genannte " Irrgäste" bzw. " Invasions-Vögel". Ob auch harte Winter ein Wanderungsgrund sind, ist unter Forschern umstritten. Die Seidenschwänze kehren regelmäßig in ihre Brutgebiete zurück und sind bei uns meist Ende März verschwunden. In Jahren sehr starker Invasionen kann sich die Rückkehr bis in den Sommer hinein verzögern.

Seit dem Spätmittelalter sind ihre Masseninvasionen in Europa bekannt und dokumentiert. Sie führten früher zu allerlei Spekulationen, was der Art u. a. den Namen Kriegs- und Pestvogel eintrug. 1413, 1519 und 1570 etwa haben solche massenhaften Einflüge stattgefunden. Die letzten herausragenden Großinvasionen wurden in den Wintern 1965 / 66 und 1995 / 96 registriert.

Seidenschwänze ernähren sich in der Brutzeit überwiegend von Fluginsekten, während des Winterhalbjahres dagegen fast ausschließlich von Beeren und Knospen verschiedener Sträucher und Bäume. Die in unseren Breiten eingetroffenen Vögel verzehren praktisch alles an Beeren und Früchten, was andere Vogelarten übrig gelassen haben, bis hin zu am Boden liegenden, hart gefrorenen Äpfeln. Als so genannte frugivore Nahrungsspezialisten (u.a. mit besonders langem Darm ausgerüstet) nutzen sie ihre Nahrung so ausgezeichnet aus, dass sie selbst von verrottenden Äpfeln zumindest eine Zeit lang ausschließlich leben können.

Weitere Seidenschwanzbeobachtungen werden erbeten und können unter der Telefonnummer054l / 434064 gemeldet werden. Es geht darum, die Seidenschwanzdaten zentral auszuwerten, um über den diesjährigen Einflug eine Aussage machen zu können.

SELTENER GAST in unseren Breiten: der Seidenschwanz.

Foto: Hans-Heiner Bergmann

Autor:
Gerhard Kooiker


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