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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Bei anhaltendem Frost sogar ein zünftiges Concert auf der Eisbahn
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Eingefrorene Hydranten im Januar 1901 - Magistrat richtete Volksküche ein
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Kleinbild
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EIN BELIEBTER VOLKSSPORT vor 100 Jahren war das Schlittschuhfahren auf der Butterwiese am Stahlwerk. Die Wiese lag zwischen der Buerschen Straße und dem Altarm der Hase. Das Foto aus dem Jahr 1900 haben wir dem Buch " Alt-Osnabrück", Band 3, entnommen, erschienen im Verlag H. Th. Wenner.

Bei anhaltendem Frost sogar ein zünftiges Concert auf der Eisbahn

Eingefrorene Hydranten im Januar 1901 - Magistrat richtete Volksküche ein

Von Christiana Keller

" Streuet den Vögeln Futter! Es thut bei dem strengen Frost sehr noth!" Mit diesem Appell begann das Zeitungsjahr 1901 der Osnabrücker Zeitung. Frostiger Winter herrschte schon seit den letzten Tagen des alten Jahres, aber in der Silvesternacht sank das Thermometer auf minus zehn Grad und damit blieben die Schneemassen der Weihnachtstage liegen. " Die Wegsamkeit der Bürgersteige lässt immer noch viel zu wünschen übrig. An manchen Stellen ist die Gefahr des Ausgleitens eine sehr große", berichtete die Lokalseite noch nach Tagen. Scharfer Südostwind ließ keine milde Witterung für die nächsten Wochen erwarten.

In Osnabrück froren die Hydranten ein und an die Eltern erging der dringende Zeitungsaufruf " ihre Knaben" (die Mädchen waren wohl allesamt brav) vor dem Betreten der Eisdecke auf der Hase zu warnen. Es gab als Alternative öffentliche Eisflächen ohne jede Gefahr, die Buttcr-wiese am Stahlwerk und die Eisbahn an der Nürcnburg. Beide Bahnen waren schon seit Tagen in Betrieb. Ende des Monats eröffnete zusätzlich an der Martinistraße Osnabrücks " größte, schönste und geschützteste Eisbahn" auf dem Terrain eines großen gemieteten Gartens. Bei anhaltendem Frost wurde an Sonntagen ein großes " Eis-bahnconert" in Aussicht gestellt.

Für Aufsehen sorgte ein Auftrag, den Gastwirt Eduard Petersilie " von einer Herrschaft" aus dem Münsterland erhielt, heute heißt so etwas norddeutsch " Catering-Serice". Petersilie hatte ein Frühstück für 100 Personen auszurichten, mit allen Gedecken und Service. " Der Auftrag macht der Osnabrücker Kochkunst alle Ehre", schrieb die Tageszeitung stolz. Die einen hatten reich zu schmausen, die anderen waren vom Hunger bedroht. Wie in jedem Winter eröffnete der Magistrat der Stadt eine Volksküche in der Großen Gildewart Nr. 6. Hier gab es wochentags von 11 bis 13 Uhr eine warme Mahlzeit für jeden, der eine Essensmarke für zehn Pfennig erwerben konnte. Im Vorjahr hatte die Armut in Osnabrück abgenommen, versicherte der städtische Armenbcricht. Statistisch kam auf 36 Einwohner der Stadt ein Armer, insgesamt zählte man 1412 Personen zu dieser Gruppe.

Mitte Januar lag endlich das vollständige Ergebnis der Volkszählung vom 1. Dezember 1900 vor. Die Bevölkerung war seit 1895 um 6440 Personen gewachsen, genau um 14, 27 Prozent. Die religiöse Zugehörigkeit der Osnabrücker verteilte sich auf 30317 Evangelische, 17848 Katholiken, 2724 Reformierte und 397 Juden.

Einer der ersten Vorträge des neuen Jahres hatte Seltenheitswert und fand im Großen Club statt. Ein Frl. Natalie von Milde, das bereits in Jena und Lüneburg mit seinem Vortrag Erfolg gehabt hatte, sprach über die " Frauenfrage". Unter dem Titel " Die Stellung unserer größten Deutschen zur Frauenfrage versprach der Abend zukunftsweisende Erkenntnisse. " Auch für die Gegner der Sache dürfte es von Interesse sein, eine Vorkämpferin der Frauenbewegung selbst zu hören", schrieb der Reporter der Osnabrücker Zeitung.

Ein Nationalfest stand bevor, für den 18. Januar wurde Beflaggung aller öffentlicher Gebäude vom Innenminister in Berlin angeordnet: Der preußische Staat feierte sein 200. Krönungsjubiläum. Staat und Kirche begingen den Tag gleichermaßen feierlich. St. Katharinen stimmte auf den Jubeltag mit vorabendlichcm einstündigen Geläut ein. Die Parole des Tages hieß " Preußen". Auf dem Programm standen Gottesdienste für Verwaltung, Militär und die Schulen, eine Parade und abendliche Festsitzungen. Post und städtische Büros hatten geschlossen, die Stadt prangte zur Feier des Tages in schönstem Flaggenschmuck.

Manche Institutionen feierten aus Kostengründen Kaisers Geburtstag vom 27. Januar gleich mit, der dann gar nicht offiziell stattfand. Kaiser Wilhelm II. beging in diesem Jahr sein Wiegenfest erst im Februar, denn der Hof trug Trauer. Am 22. Januar 1901 verstarb seine Großmutter, Königin Viktoria von England. 64 Jahre hatte sie die Krone des Empires getragen. Die Trauernachrichten in den Zeitungen dieses Monats betrafen auch zwei beliebte Komponisten: Giuseppe Verdi und Albert Lortzing. Der Nachruf für Lortzing berichtete von seinem Freitod und den Worten " mein ganzes Dasein dünkt mir ein verfehltes!" Er war am 21. Januar 1911 seit 50 Jahren tot, doch seine Gastspielreisen als Komponist und Dirigent mit der Detmolder Bühne lebten in Osnabrück noch nach. Am 28. Januar starb Giuseppe Verdi und auch ihm war ein langer, ehrender Nachruf gewidmet.

Das Monatsende brachte der Region den großen Wetterumsturz mit Gewitter und starken Stürmen. Fenster wurden vom Wind eingedrückt, Dächer abgetragen, die Flüsse traten über die Ufer. Nach diesem Spuk fiel wieder reichlich Schnee.
Autor:
Christiana Keller


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