User Online: 1 | Timeout: 06:23Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Wasserturbine als Gefahr für Fische?
Zwischenüberschrift:
Oberlandesgericht verbietet Betrieb ohne Fischtreppe an der Neuen Mühle
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Walter Netz ärgert sich. Er darf seine Wasserturbine an der Neuen Mühle nur betreiben, wenn er eine Fischtreppe einbaut - eine Überquerungshilfe über das gestaute Wasser. So lautet das Urteil des Oberlandesgerichtes in Oldenburg. Den Vorwurf, das Flügelrad bringe Fische in Gefahr, will er nicht auf sich sitzen lassen. Jetzt hat er Revision eingelegt. Der Fall geht zum Bundesgerichtshof.

Walter Netz ist Jurist und Miteigentümer der Neuen Mühle. Was ihn auf die Idee gebracht hat, an der historischen Wehranlage eine neue Wasserturbine zu betreiben, schildert er als eine Mischung aus seiner Leidenschaft für Mühlen und " die intensive Anregung des Umweltamtes der Stadt". Die trägt als Eigentümerin die Verantwortung für die Brücke, Netz betreibt die Stautechnik mit den Wasserschützen, die Rechenanlage und die Kaplan-Wasserturbine, die er im vergangenen Jahr gekauft hat.

" Ich dachte, ich hätte etwas Gutes gemacht - und dann gab es Ärger." Die Niedersächsisch-Westfälische Anglervereinigung sah das Fischerreirecht verletzt und zog erfolgreich vor Gericht, zuletzt in zweiter Instanz in Oldenburg. Dort legte ein Gutachter seine Einschätzung vor: Aale und Fische, die flussabwärts wandern, würden geschädigt. Das Urteil: Ohne eine so genannte Fischtreppe, darf Netz die Turbine nicht betreiben.

Diese Überquerungsmöglichkeit für die Fische hatte Netz schon lange eingeplant, aber: " Die Stadt hat sie nicht genehmigt." Den Grund erläuterte Detlef Gerdts, Leiter der Umweltbehörde: Die Stadt plant eine 150 Meter lange Sohlgleite am gegenüberliegenden Haseufer. Wegen der geringen Steigung können Fische ungehindert über die gestaute Wasserfläche in beide Richtungen gelangen. Ab August will die Stadt die teils eingestürzte Brücke wieder aufbauen. " Wir planen die Sohlgleite gleich mit ein", kündigte Gerdts an. Inwieweit Netz die Kosten tragen muss, stehe noch nicht fest. Der rechnet mit einigen Hunderttausend DM - ein weiteres Ärgernis: " Die Fischtreppe hätte nur 50 000 DM gekostet."

Die Wasserkraft ist eine umweltfreundliche Energiequelle. Aber ist sie gleichzeitig eine Todesfalle für Fische und Aale? Für Netz nicht. An der Mühle ist ein knapp drei Meter breiter Zulauf zum Turbinenraum. Ein Rechen verhindert, dass Gegenstände und Tiere, die größer sind als zwei Zentimeter, ins Flügelrad unter der Wasseroberfläche geraten. " Fische, die zu Schaden kommen könnten, geraten gar nicht hinein". Die größeren Fische gelangen vor dem Rechen über eine Spülrinne in die Hase.

Und davon, dass kleine Fische zermalmt würden, könne keine Rede sein. Der Abstand zwischen den vier Flügeln des Wasserrades und dem Gehäuse betrage nur einen Millimeter. Die Gefahr, dass das Wasserrad die Tiere erschlagen könnte, bestehe nicht: " Zwischen den Flügeln ist Platz genug, die Fische flitzen so durch - wegen des starken Soges kriegen die keinen Schlag." Auch für Aale bestehe hier keine Gefahr. Dies habe das Gericht aber nicht berücksichtigt.

Angetrieben von der Wasserströmung, treibt das Flügelrad einen 55-Kilowatt- Generator an. Den Strom verkauft Netz an die Stadtwerke, den Erlös verwende er für die Investitionskosten von mehr als einer halben Million DM. Erst nach zehn bis fünfzehn Jahren werde die Anlage Gewinn bringen, rechnete Netz vor.( jwe)
Autor:
jwe


Anfang der Liste Ende der Liste