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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Noch einmal: Sollen die Pappeln in den Anlagen des Schloßwalles fallen? Wer sich für Naturschönheiten begeistert und in allererster Linie nur von diesem Standpunkte aus die Frage beantwortet, ruft ein entschiedenes " Nein". Eine ganze Reihe von Artikeln, die auf diesen Ton gestimmt waren, ist bereits in den verschiedenen Blättern erschienen, so daß fast ein gewisser Mut dazu gehört, mit einem ebenso klaren " Ja" die Frage zu beantworten. Erhaltung der beiden Bäume um jeden Preis wird in den erwähnten Veröffentlichungen mit stärkstem Nachdruck gefordert. Eine Erbreiterung der Fahrbahn nach dem Kanzlerwall zu ev. die Anlage eines Drahtnetzes (Wie unschön!) wird empfohlen, um die jetzige Schönheit der dortigen Gegend zu erhalten. So sehr ich auch den Standpunkt der Anhänger für Naturschönheiten achte und ehre und allen Bestrebungen, die auf Naturschutz hinzielen, den größten Erfolg wünsche, so muß ich mich in diesem Falle doch für die Beseitigung der Baumriesen aussprechen, und jeder, der als mächtigsten Faktor im öffentlichen Leben den Verkehr ansieht und unter diesem Gesichtswinkel die obige Frage betrachtet, wird zustimmen müssen. Beste Verkehrsmöglichkeit und größte Verkehrssicherheit sind die Forderungen, die das allgemeine öffentliche Leben stellen muß. Die beiden Bäume bilden aber schon jetzt eine Gefahr für den Verkehr: Vor einigen Jahren brach ein starker Ast von dem der Töchterschule zunächst stehenden Baum ab, und auch sein Nachbar zeigt durch einen Aststumpf, daß er starken Stürmen nicht mehr zu widerstehen vermag. Die Stadtgarten-Leitung hat das ja auch durch Anbringen eiserner Stützstangen und - bänder anerkannt. Die Gefahr ist dadurch wohl verringert, aber nicht beseitigt. Die Verkehrssicherheit an dieser Stelle würde nun noch nach einer anderen Seite hin bedroht, wollte man die Straßenbahn durch die jetzt beengte Fahrstraße legen. Selbst wenn der Fahrdamm nach den Anlagen des Kanzlerwalls zu verbreitert werden sollte, wäre damit noch nicht viel gewonnen; denn einmal ist es aus ästhetischen Gründen nicht zu empfehlen, die vor Jahren durch neue Anordnung geschaffene vorzügliche Wirkung der Anlagen vor der Töchterschule durch die vorgeschlagene Straßenverschiebung wieder zu zerstören, und zweitens würde hier eine starke Kurve entstehen, die den Verkehr für Straßenbahn, Fuhrwerke, Automobile und Fußgänger wesentlich erschwerte. Der Zug Martinistraße - Neuergraben ist schon jetzt die wichtigste Verkehrsverbindung zwischen dem Westen und dem Zentrum der Stadt und wird nach dieser Richtung hin in den nächsten Jahren noch wesentlich zunehmen. Daher ist es unbedingt erforderlich, für den dort stark belebten Verkehr vollständig freie Bahn zu schaffen. Schon ist aus Kreisen, die engste Fühlung mit dem Verkehrsleben haben, auf die Wichtigkeit der Straßenlinie vom Martinitor zum Neumarkt hingewiesen und das Verlegen der Straßenbahnschienen am Ende des Neuengrabens in die Mitte der Fahrbahn als durchaus unumgänglich bezeichnet worden. Dasselbe gilt in gleichem Maße für den Schnittpunkt Martinistraße - Schloßwall - Kanzlerwall - Gustavstraße, und so ergibt sich die Notwendigkeit, alles Störende hier aus dem Wege zu räumen - und wenn es auch noch so schöne Baumexemplare sind.

Fallen müssen die beiden schönen Pappeln in nicht allzu ferner Zukunft doch; denn die durch das Alter der Bäume und den größer gewordenen Umfang ihrer Kronen verminderte Widerstandskraft der Aeste bleibt trotz der eisernen Stützbänder bestehen. Darum opfere man sie - auch wenn es schmerzlich ist - lieber schon jetzt, sichere somit den Verkehr und verhüte dadurch Unfälle mancherlei Art! Verliert alsdann bedauerlicherweise die dortige Gegend ihren charakteristischen Reiz, so hätte die Stadtgarten-Verwaltung die Pflicht und die schöne Aufgabe, als vollwertige Entschädigung dafür den Anlagen am Schloßwall auf irgend eine Weise ein neues, eigenartig-schönes Gepräge zu verleihen, sei es durch vollständige Neuanordnung der dortigen Anlagen, durch Errichtung einer Schutzhalle für vom Regen überraschte Spaziergänger nach der schon von einem Gartenarchitekten vorgeschlagenen Art, oder vielleicht durch Verlegung des " Guten-Hirte-Brunnens" vom Johannistor nach hier unter gleichzeitiger Anpflanzung einer reizvollen Baumgruppe. Die erforderlichen Kosten könnten gedeckt werden aus der Geldsumme, die dann ja nicht mehr für die Verlegung der Straße verausgabt zu werden brauchte, eventl. würden die städtischen Kollegien vielleicht gern einen Zuschuß dazu bewilligen. Auf diese Weise wäre den Verkehrsinteressen an dem umstrittenen Platze am besten gedient, und gleichzeitig würden an dieser Stelle in unseren städtischen Anlagen neue dauernde Schönheitswerte gewonnen!
Alfr. Br.


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