User Online: 2 | Timeout: 02:19Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Legt der Eisvogel die Idee vom Bootsverleih auf Eis?
Zwischenüberschrift:
Ornitologen staunen: Pärchen brütet mitten in der Stadt
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Fliegender Edelstein
Er ist nicht größer als ein Spatz, seinem stahlblauen und orangeroten Federkleid verdankt er die Bezeichnung " fliegender Edelstein". Der Eisvogel lebt an sauberen Gewässern und baut Nisthöhlen an steilen Uferwänden, gibt sich aber auch mit Abflußrohren zufrieden. Das Weibchen legt meist fünf bis sieben Eier ins Nest, die von beiden Partnern drei bis vier Wochen bebrütet werden. Auffallend ist die Art, wie der Eisvogel auf die Jagd geht. Dabei hat er es meist auf kleine Süßwasserfische, Frösche, Kaulquappen und manchmal auch Insekten abgesehen: Am liebsten lauert er auf Pfählen am Ufer und stürzt sich wie ein Pfeil ins Wasser, um mit einem kraftvollen Tauchstoß seine Beute zu schnappen.

Legt der Eisvogel die Idee vom Bootsverleih auf Eis?
Ornithologen staunen: Pärchen brütet mitten in der Stadt

Von Rainer Lahmann-Lammert
Das gibt' s in keiner anderen Großstadt: Ein Eisvogelpärchen hat sich mitten in Osnabrück an der Herrenteichsbrücke ein Plätzchen zum Brüten ausgesucht. Der Eisvogel ist schon in der freien Natur selten anzutreffen, Ornithologen sprechen von einer Sensation. Doch nun muß die Idee von einem Bootsverleih an der Hase möglicherweise auf Eis gelegt werden. Ruderer drohen den prachtvollen Fischjäger nämlich zu verscheuchen.

L+ T-Chef Dieter Rauschen kommt der Wirbel um den seltenen Vogel nicht sonderlich gelegen. Gerade vor einer Woche hatte er der Öffentlichkeit seine Idee von einer Bootspartie auf der Hase vorgestellt. Vom Modehaus L + T könnte man bis zur Pernickelmühle rudern, und wenn die Betonarbeiten an der Straße " Öwer de Hase" beendet sind, auch flußaufwärts bis zum Wehr an der Neuen Mühle. Eine Idee, für die der Kaufmann viel Beifall erhalten hat. Schon in diesen Wochen sollten Boote und Steg ins Wasser gesetzt werden.

Nun haben sich Vater und Mutter Eisvogel ausgerechnet an einem zentralen Punkt der Route ein Nest gebaut - in einem stillgelegten Abflußrohr neben der Herrenteichsbrücke. Der Standort ist gut gewählt, meint Peter Pietschmann von der Ursulaschule, denn die meisten Nesträuber könnten das Rohr nicht erreichen.
Für den Biologielehrer ist der Eisvogel, wie er sagt, " der schönste Vogel der Welt". Er hat den seltenen Gast als erster erkannt - an seinem markanten Pfeifen. Das war schon vor zwei Monaten am Herrenteichswall. Doch dort wurde das Pärchen offenbar nicht glücklich, womöglich hat ihm der Konzertlärm der Maiwoche Angst gemacht. Einige Wochen später hörte Peter Pietschmann den Pfiff seines Lieblingsvogels noch einmal und konnte zuerst nicht glauben, daß er der Innenstadt noch nähergekommen war.

Drei Schülerinnen aus der 11. Klasse hat das Eisvogel-Fieber angesteckt: Andrea Mohnhaupt, Nina Hader und Bernadette Dorndorf wollen' verhindern, daß die Kleinfamilie im Abflußrohr ein weiteres Mal gestört wird. " Wenn hier Boote langfahren, kann er hier keine Fische fangen!", befürchten die Nachwuchs- Ornithologinnen.
Und wenn das Brutgeschäft nächste oder übernächste Woche beendet ist? " Dann kann es sein, daß er nochmal brütet", informieren die drei Vogelforscherinnen. Das komme häufiger vor, wenn es im Winter starke Verluste gegeben habe. Auf jeden Fall würden die Boote stören.

Wie soll es weitergehen? Darüber wurde gestern in der Ursulaschule diskutiert, mit rund 100 Schülern, L+ T-Chef Dieter Rauschen und Vertretern der Unteren Naturschutzbehörde. Die interessieren sich von Amts wegen für den Zielkonflikt, denn der Eisvogel steht nicht nur auf der Roten Liste, sondern gilt auch laut Bundesartenschutzverordnung als streng geschützte Art.

Über diverse Kompromisse wurde verhandelt - etwa mit dem Bootsverleih bis zum nächsten Jahr zu warten, die Boote zeitlich befristet fahren zu lassen oder nur einen bestimmten Abschnitt der Hase freizugeben. Eine Lösung gab es noch nicht. Jetzt soll die Diskussion " Boote kontra Eisvogel" auch außerhalb der Ursulaschule fortgesetzt werden.

Fotountertitel:

AUSGESPROCHEN HÜBSCH und ausgesprochen selten: Daß der Eisvogel (hier ein Archivfoto) in Osnabrück brütet, mag ein Indiz sein, daß die Hase sauberer geworden ist. Foto: Bernhard Volmer

DEN EISVOGEL im Blick: Peter Pietschmann von der Ursulaschule mit seinen Schülerinnen Andrea Mohnhaupt, Nina Häder und Bernadette Dorndorf.
Foto: Thomas Osterfeld
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


Anfang der Liste Ende der Liste