User Online: 3 | Timeout: 23:33Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Die Ursache des Fischsterbens in der Hase.
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Die Ursache des Fischsterbens in der Hase.
Wir veröffentlichen nachstehend das Untersuchungsergebnis der gerade auf dem Gebiet der Fischzucht als Autorität geltenden hydrobiologischen Abteilung der Landwirtschaftlichen Versuchsstation zu Münster. Von besonderem Interesse ist daran, daß die Zellulosefasern als Verursacher des Fischsterbens erst in zweiter Linie in Betracht kommen; in erster Linie ist vielmehr die oft gerügte Verunreinigung des Hasewassers die Ursache gewesen. Die vielen Fäulnisstoffe im Hasewasser haben durch ihren Zersetzungsprozeß einen Sauerstoffmangel bewirkt und dadurch die Fische dem Erstickungstode nahe gebracht, sie derartig geschwächt, daß sie nicht mehr kräftig genug waren, die in die Kiemen eingedrungenen Zellulosefasern wieder auszustoßen.
Das Untersuchungsergebnis stellt fest, daß in der am 13. Juli der Hase entnommenen Wasserprobe Zellulosefasern überhaupt nicht vorhanden gewesen sind, wogegen wir berichten konnten, daß noch am andern Tage (am 14. Juli) ein großer toter Aal aus der Hase gezogen wurde. Dies dürfte bestätigen, daß neben den Zellulosefasern noch nach anderen Haseverunreinigern zu suchen ist; denn das in Münster untersuchte Hasewasser war inmitten sterbender Fische der Hase entnommen, hätte also unseres Erachtens auch Zellulosefasern enthalten müssen, wenn letztere die Todesursache wirklich gewesen sein sollten. Es muß also unmittelbar vor dem großen Fischsterben noch ein anderer " Giftstoff" in die Hase geleitet sein, sonst hätte jedenfalls schon viel früher ein Fischsterben einsetzen müssen. Wie das Fischsterben gezeigt hat, barg die Hase aber schon ansehnliche Fische, die der plötzlichen Zuleitung von schädlichen Abwässern und den durch organische Stoffe bewirkten Sauerstoffmangel zum Opfer fielen, denen die Zellulosefasern den Todesstoß versetzten. Das Gutachten der Versuchsstation Münster geben wir nachstehend ungekürzt wieder; es lautet:
Die Untersuchung der am 13. Juli d. J. hier eingegangenen Probe Wasser hat nach Journal I. A. Nr. 168 folgende Ergebnisse geliefert:
1 Liter enthält:
Gelöste Stoffe ......... 570, 0 mg
Glührückstand ......... 445, 0 "
Schwefelsäure (SO2)..... 116, 6 "
Chlor (C1) ............ 85, 1 "
Zur Oxydation
erforderlicher
Sauerstoff
............ 12, 0 "
Ammoniak................ Spuren.
  Aussehen: farblos, mit Bodensatz und suspendierten Stoffen des gewöhnlichen Flußwasserdetritus (abgestorbene Pilze und Algen in mäßigen Mengen; pflanzliche Fasern sind nicht vorhanden.
Geruch: sumpfig.
Reaktion: neutral.
Wie aus der übersandten Nummer des " Osnabrücker Tageblattes" hervorgeht, hat sich die Ursache der Haseverunreinigung inzwischen herausgestellt. In der uns zugegangenen Wasserprobe waren Zellulosefasern nicht vorhanden, auch der Gehalt an organischen Stoffen war nicht abnorm hoch. Augenscheinlich war zur Zeit der Probeentnahme das schädliche Abwasser schon wieder abgelaufen; es war ja auch entnommen, nachdem das Fischsterben schon großen Umfang angenommen hatte.
Zu dem von dem Städtischen Untersuchungsamte erstatteten Gutachten bemerken wir noch folgendes: Die Verfilzung der Kiemen durch Zellulosefasern war sicher nicht die primäre Ursache des Sterbens der Fische. Ein gesunder ungeschwächter Fisch läßt sich sein Kiemenfilter nicht so leicht verstopfen, ist vielmehr imstande, solche Verunreinigungen auszustoßen. Wenn aber die Fische, wie es hier der Fall war, durch die Wasserverunreinigung und den Sauerstoffmangel, der durch die Fäulnis der organischen Stoffe bewirkt wird, dem Erstickungstode nahe sind, fehlt ihnen die Kraft, sich der in ihren Atmungsapparat eindringenden Fasern zu erwehren und so kann jene starke Verfilzung der Kiemen eintreten. Wasser, die durch fäulnisfähige organische Stoffe verunreinigt sind, wirken in fischereilicher Hinsicht stets vor allem deshalb schädlich, weil die Fäulnis dem Wasser den für das Leben der Fische unbedingt nötigen Sauerstoff entzieht. Erst in zweiter Linie kommen Fäulnisgifte und die in dem Wasser suspendierten faserigen Teilchen als schädigende Faktoren in Betracht.
Der Vorsteher der hydrobiologischen Abteilung
Dr. A. Thienemann.


Anfang der Liste Ende der Liste