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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Gemeinschaftliche Sitzung der städtischen Kollegien.
Artikel:
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Originaltext:
In der gestrigen Sitzung brachte Herr Oberbürgermeister Rißmüller vor Eintritt in die Tagesordnung eine Angelegenheit zur Sprache, die in den letzten Tagen allgemeine Aufmerksamkeit erregt hat

die Verschmutzung der Hase und das große Fischsterben in derselben.

Nach des Redners Ausführungen haben sich die städt. Kollegien schon öfters mit der Verschmutzung beschäftigt und sind bestrebt gewesen, so weit als möglich, diesen Mißstand zu beseitigen und die Ursache der Verschmutzung festzustellen, ebenso sind diejenigen Stellen, von denen die Verunreinigung herrührt, ersucht, dies zu verhindern. Im übrigen mußte man sich aber sagen, eine gründliche Erledigung der Angelegenheit kann erst erfolgen, wenn das große Kanalisationsprojekt zur Ausführung gekommen ist. Ein anderer Standpunkt konnte nicht eingenommen werden. Nachdem in den letzten Tagen die Verunreinigung der Hase so groß und das Sterben der Fische so umfangreich gewesen war, wie nie zuvor, ist eine neue Untersuchung angestellt worden, über die der Vorsteher des städt. Untersuchungsamts Dr. Ohlendorf den städt. Kollegien schon jetzt eine Mitteilung machte, trotzdem die Untersuchung noch nicht ganz zum Abschluß gekommen ist. Herr Dr. Ohlendorf berichtete, daß seit dem 23. April d. J. das Hasewasser bis Lüstringen hin in ständiger Ueberwachung stehe und alle Wochen Proben zur Untersuchung entnommen sind. Am 15. und 17. Mai sowie am 6. und 10. Juli ist eine erhebliche Verschmutzung der Hase durch Cellulosestofffaser konstatiert, von der Schöllerschen Papiermühle herrührend. Dieses Ergebnis der Untersuchung ist dem königl. Landratsamte mitgeteilt worden. Nach der großen Verschmutzung und dem Fischsterben am letzten Montag ist sofort wieder eingehend die Hase untersucht, und es hat sich ergeben, daß das Fischsterben schon im Schinkel beginnt. Vor der Einmündung des Gretescher Mühlenbaches war das Wasser vollständig klar, die Sache änderte sich nach der Einmündung des Mühlenbaches. Darnach hatte das Wasser ein trübes Aussehen, es wurde das Vorhandensein von Cellulosestofffasern mit eiweißartiger Fäulnis und Schwefelwasserstoffentwicklung festgestellt. Am Montag war der Mühlenbach, der zugleich als Kläranlage dient, plötzlich wegen Reparaturen an der Mühle abgelassen, und das schädliche Fabrikwasser direkt mit in die Hase gelangt, womit das Fischsterben im ursächlichen Zusammenhang steht. Die Fische hatten die Kiemen verfilzt, hervorgerufen durch die Cellulosestofffasern und waren an Atemnot gestorben. Die Ursache des Fischsterbens durch die Gretescher Abwässer ist, soweit die Untersuchung abgeschlossen ist, mit Sicherheit festgestellt.

Eine weitere sekundäre Ursache könnte zurückzuführen sein auf die Räumungsarbeiten des Krauts aus der Hase, wodurch viel Schlamm aufgewirbelt ist. Dadurch sind viele bereits festsitzende Cellulosestofffasern aufgewühlt und weiter fortgetrieben. Ebenso hat der Wärmegrad des Wassers das Fischsterben gefördert. Das endgültige Resultat der Untersuchung wird in einigen Tagen genau festgestellt sein. Herr Oberbürgermeister Dr. Rißmüller hob an den Bericht anknüpfend nochmals hervor, daß die Stadtverwaltung der Haseverunreinigung große Aufmerksamkeit geschenkt habe und konstatierte aus dem Gutachten des Sachverständigen, daß die wesentlichste Schuld des Fischsterbens auf die Abwässer der Firma Schöller zurückzuführen sei, wozu unterstützend der niedrige Wasserstand und das Ablassen der Hase mit Rücksicht auf die Arbeiten der Eisenbahn-Bauverwaltung gekommen sei. Die Polizeidirektion habe bereits am 19. Juni dem Landratsamt als zuständiger Behörde des Landkreises von der Untersuchung des Hasewassers Kenntnis gegeben und wegen der Verunreinigung durch die Gretescher Abwässer Abhülfe verlangt. Am 29. Juni hat das Landratsamt auf die Beschwerde zurückgeschrieben, die Firma Schöller habe dem Landratsamt die Mitteilung gemacht, daß sie augenblicklich eine große Filtrieranlage herstelle, die den Zweck habe, die ganzen Abwässer zu reinigen und allen fäkalienhaltigen Schlamm von der Oberfläche fortzuhalten. Wir haben, so bemerkte der Oberbürgermeister, auf unsere Industrie die weitgehendste Rücksicht nehemen wollen, aber diese Rücksichtnahme muß eine Grenze haben und diese Grenze liegt in dem öffentlichen Wohle. Wenn die Verschmutzung so weit geht, daß die Gesundheit gefährdet ist und ein derartiges Fischsterben eintritt, dann muß die Industrie verpflichtet werden, Abhülfe zu schaffen. Deshalb müssen wir uns wieder an das Landratsamt wenden mit der Bitte, der Schöllerschen Fabrik die möglichst schnelle Fertigstellung der Filtrieranlage aufzugeben und zu verbieten, daß derartige Abwässer bis zur Fertigstellung der Anlage wieder in die Hase gelangen. -- In der Diskussion sprach sich der Bürgervorsteher-Wortführer Finkenstädt in ähnlichem Sinne aus und resümierte sich dahin: wenn die Stadt verpflichtet sei, mit großen Kosten für die Reinhaltung der Hase unterhalb der Stadt zu sorgen, sei die Regierung verpflichtet, zu veranlassen, daß die obere Hase nicht durch außerhalb des Stadtgebiets liegende Anwohner oder durch Nachbargemeinden verunreinigt werde. Selbstverständlich wolle man der Industrie die Hand reichen, sie dürfe aber nicht auf Kosten der Stadt existieren. Landratsamt und Regierung müßten die Gewähr bieten, daß solche Vergiftungserscheinungen wie letzthin nicht wieder eintreten. Der Oberbürgermeister berührte die Stellungnahme des Regierungspräsidenten in dieser Angelegenheit und erklärte, daß infolge eines Antrages seitens der Stadt um Erlaß eines landespolizeilichen Gesetzes zur Verhütung der Verunreinigung der Hase bereits Verhandlungen stattgefunden hätten, und der Herr Regierungspräsident die Mißstände anerkannt und die Ansicht vertreten habe, daß die Gemeinde Schinkel an das städtische Knalnetz anzuschließen sei. In dieser Richtung seien auch schon Verhandlungen mit Schinkel geführt, er hoffe, daß sie bald zum Abschluss kommen würden. Hinsichtlich der

Eingemeindung Schinkels

habe vor einigen Tagen die Gemeinde Schinkel an den Magistrat geschrieben, sie wäre gern bereit, in Verhandlungen einzutreten, und in diesen Verhandlungen werde sie auf den Anschluß an das städtische Kanalisationsnetz hinarbeiten. In der weiteren Debatte hob Herr Bürgervorsteher Schenk hervor, daß die Verunreinigung der Hase den Hausbesitzern an der Möserstraße bei den Vermietungen ihrer Wohnungen Schwierigkeiten mache. Im übrigen drehte sich dann die Frage um die Säuberung der Hase von Fischleichen, die von allen Rednern, auch vom Oberbürgermeister als notwendig anerkannt wurde, wobei von letzterem aber ausdrücklich auf die Kostenfrage hingewiesen wurde. Soweit die Reinigung sich auf die Verschmutzung durch die Firma Schöller erstreckt, soll diese zur Tragung der Kosten herangezogen werden. Ueber die Art der Reinigung wurde Näheres noch nicht bestimmt, es entscheidet darüber morgen die Kommission. Eine gründliche Reinigung mit Aufwühlung des Schlammes hielt man in dieser heißen Jahreszeit nicht für angebracht, sie soll ev. in kälterer Jahreszeit erfolgen, und es soll zunächst für die Beseitigung der Fischleichen gesorgt werden. Hervorzuheben ist noch, daß Herr Dr, Ohlendorff als Sachverständiger auf die verschiedentlich gemachte Bemerkung, daß im Hasewasser Säuren aus Fabriken enthalte, erklärte, daß im Hasewasser keine Säuren enthalten seien, sondern allein die Cellulosestoffe den Tod der Fische herbeigeführt hätten, und ferner, daß Herr Dr. G. Böger ausdrücklich hervorhob, die Verunreinigung habe zwar eine große Geruchsbelästigung im Gefolge und falle auf die Nerven, doch müsse er bezweifeln, daß die verschlammte Hase einen Seuchenherd bilde, aus dem vielleicht eine Typhusepidemie entstehen könne. Diese beruhigenden Worte akzeptierte der Oberbürgermeister der Öffentlichkeit gegenüber mit Dank.


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