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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Amerikaner in Osnabrück und ihr Nachtleben
Zwischenüberschrift:
Was der Bisam am Haseufer treibt
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Claudia Verena Buckow
Noch nie einen gesehen? Das soll ein Stadttier in Osnabrück sein? ja, der Bisam - oft fälschlicherweise als Bisamratte bezeichnet - lebt auch in Osnabrück. Die Hase, die Düte und der Rubbenbruchsee sind sein Zuhause.

Der kaninchengroße Nager mit den gelben Zähnen und dem Schuppenschwanz ist allerdings recht scheu und zudem nachtaktiv. Auf seine Spuren trifft man da schon eher: Gefällte Rohrkolben, Iris oder Schilf, die auf den Wellen treiben, oder geöffnete Muschelschalen am Ufer weisen darauf hin, daß hier ein Bisam eine Mahlzeit genommen hat. In stehenden Gewässern kann man auch hin und wieder seine Wohnung sehen, die aus Pflanzenmaterial hoch aufgetürmt ein sicheres Domizil abgibt.

Der samtpelzige Nager, der zur Familie der Wühlmäuse gehört, ist ein Einzelgänger, abgesehen von der Zeit der Paarung und Jungenaufzucht. Seine kleinen Augen sehen nicht sehr gut, aber ein hervorragender Geruchssinn und lange Tasthaare im Gesicht machen das wieder weit. Als perfekter Schwimmer und Taucher ist er unter Wasser ebenso zu Hause wie an Land.
Der Bisam ist unbeliebt, zum Teil verhaßt. Der Grund: Er ist ein " Beiß-Wühler". Mit seinen langen, kräftigen Zähnen gräbt er Höhlen und Gangsysteme in Uferbereiche und Dämme und unterhöhlt sie damit. E legt dabei Fischteiche trocken, und das ärgert die Teichwirte. Als Nahrung und zum Bau seiner Wohnburg benötigt der Bisam einen steten Nachschub aus Pflanzen. Dabei fallen ihm nicht nur Allerweltspflanzen zum Opfer, sondern auch solche, die auf der Roten Liste stehen. Deshalb wird der Bisam nachhaltig bekämpft. Mit den unterschiedlichsten Fallen- und Fangsystemen rückten ihnen Bisamjäger und Angestellte des amtlichen Bisam- bekämpfungsdienstes zu Leibe, Hunderttausende von Bisarnen sind den Jägern dabei in die Fallen gegangen und teilweise qualvoll ertrunken: Im Bezirk Weser-Ems waren es von 1962 bis 1968 20 000 und von 1969 bis 1995 120 000 Tiere. Und in Osnabrück wurden 1994 477 und 1995 327 Bisame erlegt, so Kreisjägermeister Konrad Brockmann. Drei bis fünf Mark gab' s in einigen Ländern für einen Bisamschwanz als Prämie.
Zu verdanken haben wir die Bisamplage einem Pelztierjäger, der die gebürtigen Amerikaner 1905 in der Nähe von Prag in Gefangenschaft hielt. Die Tiere brachen aus und traten eine erfolgreiche Wanderung durch die alte Welt an. Getreu dem Motto " Go West" erreichten sie 1960 Westfalen und kurze Zeit später auch den Osnabrücker Raum. 1963 wanderten sie von hier über Hase und Düte sowie deren Nebengewässer in das Tecklenburger Land ein. Laut dem Sulinger Bisamjäger Everding nehmen die Bisambestände im deutschen Binnenland nicht mehr zu. Sie haben ihr Bestandsoptimum erreicht, das bei bis zu 5 Tieren pro qkm liegt. Die Zahl der Tiere hängt vom Nahrungsangebot und vorhandenen Feuchtbiotope ab. Natürliche Feinde hat der Bisam nicht.
Heute verfolgt man die Tiere nicht mehr konsequent, sondern nur noch an Stellen, wo ihre Grabtätigkeit eine Gefahr für den Menschen darstellt, also an Deichen und Dämmen. Denn auch eine kosten- und zeitaufwendige Jagd kann den Bisambestand nicht dauerhafteindämmen. Frei gewordene Reviere werden schnell von nachwandernden Junggesellen besetzt, so daß die ursprüngliche, lebensraumabhängige Dichte wieder erreicht wird.

Bildtitel:
DER BISAM, der zur Familie der Wühlmäuse gehört, ist ein Einzelgänger.
Foto:
Bernhard Volmer
Autor:
Claudia Verena Buckow


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