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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Im Pottgrabenbad wird der Stöpsel rausgezogen
 
Das Leben geht weiter
 
Abschied vom Pottgrabenbad
Zwischenüberschrift:
Treue Badegäste untröstlich: die Älteste Osnabrücker Schwimmhalle öffnet am Mittwoch zum letzten Mal
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Das Leben geht weiter
Till hat so seine Marotten. Zum Beispiel kegelt er alle 14 Tage, schmaucht regelmäßig sein Pfeifchen und liest natürlich jeden Morgen die Zeitung. Außerdem schreibt er bekanntlich Tag für Tag ein paar Zeilen für die nächste Ausgabe. Er hat also eine ganze Portion Verständnis für Leute mit liebgewordenen Gewohnheiten. Zum Beispiel für die Stammgaste des Pottgrabenbades, die über das Aus der ältesten Badeanstalt Osnabrücks traurig sind. Wer dort vielleicht schwimmen gelernt hat, wer Jahrzehnte seine morgendlichen Bahnen gezogen und dabei viele nette Bekannte getroffen hat, der weint seinem Pottgrabenbad natürlich ein paar Tränen nach. Till rät allerdings zum Blick nach vorn. Das Leben geht weiter. Im " Moskau" zum Beispiel. Die neue Kleinschwimmhalle dort wird in den nächsten Wochen eröffnet. Die ist auch sehr schön. Große Fenster lassen viel Licht herein. Eine kleine Gastronomie lädt nach der Trainingsstunde zum Schwätzchen rnit den Sportsfreunden ein. Und im Sommer kann man sich zwischen drinnen und draußen entscheiden. Das sind doch Perspektiven, oder? Bismontag

Von Michael Schwager (Texte) und Detlef Heese (Fotos)
Ganz sicher war Hildegard Lindhof anfangs nicht, ob sich das Wort für ein Gedicht schickt: »Beschissen?" Aber dann verwendete sie es doch. So empfindet sie nun mal den Umstand, daß das Pottgrabenbad am kommenden Mittwoch zum letzten Mal geöffnet wird. Und die aktive Seniorin, die gestern zum letzen Mal Ihre Bahnen durchs Pottgraben-Becken zog, ist sicher, daß sie vielen Schwimmern damit aus der Seele spricht.

Aber es hilft nichts: Am 23. Juli endet die Geschichte des ältesten städtischen Hallenbades. Schwimmmeister Klaus Entrup wird in den Katakomben den Schieber öffnen und das Becken leer laufen lassen.

Ursprünglich gehörte die Schwimmhalle der 1883 gegründeten Osnabrücker Badehaus-Aktiengesellschaft. Das erste Becken, das die AG in ihr Warmbadehaus neben der Pottgrabenbrücke einbaute, war sieben mal fünfzehn Meter lang. Wer' s Im Sommer lieber etwas kühler hatte, konnte draußen in der Hase baden. Ohne Gesundheitsgefahren allerdings nur bis 1912. Da war der Fluß dann schon so schmutzig, daß der Strand geschlossen werden mußte. 1920 verlängerte die AG das Becken auf 20 Meter. Dabei übernahm sie sich offenbar finanziell, denn zwei Jahre später übertrug sie das Badehaus unentgeltlich der Stadt mit der Auflage, es weiter der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. 1929 beschloß die Stadt, das Bad ein weiteres Mal zu erneuern, ein Jahr später wurde die Schwimmhalle eröffnet. 15 Jahre spater, am 19. Februar 1945, war alles hin. Neun Fliegerbomben hatten die Badeanstalt fast komplett dem Erdboden gleichgemacht. Lediglich die Außenmauern der Schwimmhalle, Teile des Kesselhauses und der Schornstein hatten den Angriff überstanden. Für die noch verwertbaren Teile, zum Beispiel Motoraggregate, fanden sich bei Kriegsende neue Liebhaber.

Der Wiederaufbau zog sich hin, 1951 wurde das Bad wieder In Betrieb genommen. Ab 1955 konnten die Osnabrücker In der Reinlgungs- und Heilbäderabteilung brausen, schwitzen oder sich massieren lassen.1964 wurde die Kohle- durch eine Gasheizung ersetzt, 1975 eln Solarium elngerlchtet.1979 wurden fur einige Zelt Nacktbadestunden eingeführt.
Überlegungen, das Bad aufzugeben, slnd übrlgens nlcht neu. 1981 schlug der damallge Oberstadtdlrektor Dr. Raimund Wimmer die Privatislerung der Badeanstalt vor, weil sie sehr hohe Energiekosten und den größten Zuschußbedarf hatte. Die Diskussion glngüber eln Jahr, Bürger sammelten Unterschrlften, und Im Oktober 1982 war die Privatislerung vorerst vom Tisch.1985 war elne Grundsanlerung unumgänglich, bis 1987 wurden über drei Millionen Mark investiert. Der Beckenboden aus morschem Beton bekam zum Beispiel Stahlstützen, die Wasseraufbereitung wurde erneuert, ein Planschbecken kam hinzu.
Inzwischen Ist der Verfall weiter fortgeschritten, und das vom Rat verabschiedete Bäderkonzept (siehe " Zur Sache") ist eindeutig. Die Stadt gibt das Pottgrabenbad auf. Die Zukunft ist ungewiß. Die Verwaltung erhielt jetzt den Auftrag, nach einer möglichst preiswerten Übergangslösung für etwa fünf Jahre zu suchen. Ein Badebetrleb ist nicht ausgeschlossen, aber auch nlcht zwlngend vorgeschrleben. Wenn dann auch die Entwicklung am Bahnhofsvorplatz klarere Konturen angenomrnen hat, soll die Immobllie endgültig vermarktet werden.

Im Freibad Moskau schaffte die Stadt inwlschen Ersatz. Am 29. August beginnt in der Wüste der Betrleb In elner neuen Schwlmmhalle. Ob Hildegard Lindhof Ihrem Lieblingsbademelster Klaus Entrup aus Iher Liebllngsbadeanstalt dorthin folgt, ist noch nlcht raus.

MIT DIESEM GEDICHT schrieb sich Hildegard Lindhof ihren Frust von der Seele.
Abschied vom Pottgrabenbad

O Du mein geliebtes Bad, wie werd' ich Dich vermissen; denn ohne Dich - ich sog' s frei raus-
da wird es ganz beschissen.Bilduntertitel
Wo soll man hin, Du lagst zentral,
warst schnellstens zu erreichen.
Verzweifelt such' im Zentrum ich
jetzt nach Deinesgleichen.
Ich finde nichts, wie ich auch guck',
es ist zum Steinerweichen!
Nach dem Krieg, da war man froh,
daß es Dich wieder gab..,
Und heute dreht man Dir -
obwohl Du noch so zeitgemäß -
die Lebensader ab.
In Dir, da schwamm man ja nicht nur,
man tat sich ja auch gütlich, traf stets die gleichen Leute.
Man planschte hier, man plauschte dort,
in Dir war' s stets gemütlich.
Wo findet man das heute noch
in unserer schnellen Zeit?
Fest steht, für mich warst Du ein Leben lang
das schönste Bad der Welt,
auch wenn man Dich in dieser Zeit
für nicht mehr zukunftsweisend hält;
denn mit Dir geht nicht allein
ein Stück Alt-Osnabrück, e
in Stückchen Heimat warst Du auch,
drum denk' ich gern zurück
an die schöne Zeit mit Dir,
und für alle warst Du hier
wohl auch ein Quentchen Glück.
So leb' denn wohl, ich danke Dir
und weine still ' ne Träne,
weil ich doch so liebend gern
noch weiter zu Dir käme.
Wie dem auch sei - die Zukunft hat Dich eingeholt,
wenn auch auf leisen Sohlen;
doch wer Dich jetzt hat liquidiert,
den mag der Teufel holen ...!

Zur Sache
Jedem Stadttell seln Bad, nach diesem Strlckmuster entschled die Kommunalpolitlk In den fetten Jahren. Nachdem inzwlschen durch verschiedene Ursachen die Gürtel enger geschnallt werden mussen, ist auch Im Bäderbereich Abspecken angesagt.
1995 rang slch der Rat zu einem unpopulären Schrltt durch. Er verabschiedete eln Bäderkonzept. Danach wurde inzwlschen das Hallenbad Gretesch privatlslert. Hler führt nun der Sportverein TSG Burg Gretesch die Regie. Auch das Pottgrabenbad stand auf der schwarzeri Llste.
Die Schließung des Freibades Wellmannsbrücke sorgte fur Sprengstoff. Inzwischen entschled slch der Rat dafur, das Freibad im Fledder zum Autoabstellplatz fur die Spedition Egerland umzufunktionieren. Für Ersatz soll eln Freiluftbecken beim Schlnkelbad sorgen. Das Bäderkonzept wlrd fortgeschrleben.

Bilduntertitel
SEIT UBER 100 JAHREN AM HASEUFER: Das gute alte Pottgrabenbad hat ausgedient. Seine Zukunft ist ungewiß, auch der Abriß ist denkbar.

MORSCHER BETON, Schwimmeister Klaus Entrup zeigt, daß Im ältesten Osnabrücker Hallenbad für viel Geld saniert werden müßte.

DER LETZTE SPRUNG vom Dreimeterbrett im Pottgrabenbad steht kurz bevor. Die treuen Badegäste und Fans der ältesten Badeanstalt Osnabrücks nutzen die letzten Tage bis zum 23. Juli, um noch ein paar Runden durch ihr geliebtes Schwimmbecken zu drehen.MIT DIESEM HAEntrup das Wasser aus dem Becken lassen, HN wird Schwimmeister Entrup das Wasser aus dem Becken lassen.MIT DIESEM HAHN wird Schwimmeister

DIE UMKLEIDEKABINEN wurden von den Badegästen geschätzt, weil man hier seine sieben Sachen einschließen konnte. I

MIT DIESEM HAHN wird Schwimmeister Entrup das Wasser aus dem Becken lassen.

IM MOSKAU-BAD steht die neue Kleinschwimmhalle kurz vor der Fertigstellung. Das neue 25-Meter-Becken soll das alte Hallenbad Pottgrabenbad ersetzen.
Autor:
Michael Schwager, Till


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