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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Die Hase: Mehr Leid als Freud
Zwischenüberschrift:
Volkshochschul-Radtour in die Geschichte von Fluß und Stadtentwicklung
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Das Leiden der Hase zieht sich durch die Geschichte wie der gequälte Fluß selbst durch die Stadt Osnabrück: einst Badeparadies, dann stinkende Kloake - klinisch tot, zu guter Letzt überbaut, versteckt vor den Augen und Nasen der Osnabrücker.
Die Volkshochschule veranstaltet in diesem Semester wieder Fahrradtouren entlang der Hase von ihrem Eintritt in das Stadtgebiet im 19. Jahrhundert auf dem ehemaligen Klöcknergelände (Hamburger Straße) bis zu ihrem Austritt südlich der Kläranlage in Eversburg. Zur ersten Tour der " Hase-Leiden" trafen sich am Samstag 15 Radler. Von der Kunsthistorikerin Christiana Keller ließen sie sich in die wechselvolle Geschichte des Flusses, die zugleich die Geschichte der Stadtentwicklung ist, einfuhren.
Daß sich zu Anfang des 19. Jahrhunderts an der Hamburger Straße eine Männerbadeanstalt befand, mag man heute kaum noch glauben. Etwas weiter flußabwärts an der neuen Mühle (die Herren hatten damals scheinbar noch das Recht auf das sauberste Wasser) durften sich die Damen an heißen Sommertagen im kühlen Naß der Hase erfrischen. Christiana Keller: ,, Ungefähr bis 1840 war die Hase im ökologischen Gleichgewicht." Im Zuge der Industrialisierung und der Stadtentwicklung ver-

Tageblatt meldete: Die Hase stinkt

dreckte der Fluß zusehends, bis er 1929 völlig kollabierte. Der damalige Zustand kann aus heutiger Sicht nur noch mit " klinisch tot" beschrieben werden. Kein Fisch, kein Flußkrebs, keine Muschel überlebte den ökologischen Super-GAU.
Über Jahrzehnte hatte die Einleitung von Fäkalien und Indstrieschmutz jegliches Leben zum Absterben gebracht. " Die Hase stinkt", meldete das Osnabrücker Tageblatt. Abhilfe mußte geschaffen werden. Aus den 30er Jahren stammen die ersten Pläne, den Flußlauf abzudecken, die heute für viel Geld wieder rückgängig gemacht werden (Öwer de Hase).

Die Geschichte der Hase ist zugleich die Geschichte der Stadt. Als unüberwindbares Hindernis schützte sie die Neustadt vor feindlichen Angriffen. Mit stetig wachsender Bevölkerungszahl mußte den feuchten Ufern zusätzliches Bauland abgewonnen werden. Die Häuser rückten immer dichter an den Fluß. Die Hase lieferte Energie und den kostbaren Rohstoff Wasser. " Zum Dank" durfte sie den durch die Produktion entstandenen Dreck abtransportieren. Lohgerber und Fleischer siedelten am unteren Flußlauf, im oberen Bereich die " Bessergestellten".

1858 war das Maß zum erstenmal voll. Der Unrat öffnete der Cholera Tür und Tor. Bei Überschwemmungen schwappten die Exkremente in die Häuser zurück. 1911 dann ein erstes großes Fischsterben. Die Papierfabrik Schoeller wurde als Verursacher ausfindig gemacht - die Fische hatten mit Zellulose verklebte Kiemen. Heute ähnelt die einst stark mäandernde Hase mehr einem Kanal. Um Überschwemmungen vor allem im

Wiederholung am nächsten Samstag

Bereich des Hafens zu vermeiden, wurde sie begradigt. Ihr eigentliches Flußbett ist heute kaum noch zu erkennen.

Die vierstündige Fahrradexkursion der VHS wird am kommenden Samstag, 3. Mai, wiederholt. Zehn Mark kostet der Ausflug in die Geschichte. Vorherige Anmeldung bei der Volkshochschule ist erforderlich, (dk)
Bilduntertitel
VOM HASEUFER aus blickten die Teilnehmer einer Volkshochschul-Exkursion mit der Kunsthistorikerin Christiana Keller auf die Entwicklung der Stadt, die eng mit dem Leiden des Flusses verknüpft ist.Foto: Dietmar Kröger
Autor:
dk


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