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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Gemeinschaftliche Sitzung der städtischen Kollegien.
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Gestaltung der Anlagen vor dem Ratsgymnasium.

Stadtbaumeister Lehmann: Nach dem jetzigen Stande der Bauarbeiten am Ratsgymnasium kann das Gebäude im Herbst der Benutzung übergeben werden. Es ist nun in der unmittelbaren Umgebung mancherlei zu veranlassen. So soll die Klubstraße von der Gustavstraße ab bis zum Schloßwall neu gepflastert werden, und damit wird sich dort bereits ein anderes Bild entwickeln. Zugleich verlangt aber auch die Frage der Umgestaltung der Anlagen vor dem Ratsgymnasium ihre Lösung. Die Angelegenheit wurde bei der Genehmigung des Baues des Ratsgymnasiums bereits gestreift, und zwar wurde auch Plümers Turm mit erwähnt. Bei allen Projekten wurde bisher angenommen, daß dieser zunächst erhalten bleibt, und daß man erst das sich ergebende Bild abwarten wolle, um endgültig schlüssig zu werden, zumal der Turm unzweifelhaft zu jenen Bauwerken gehört, bei deren Veränderung die Mitwirkung der Regierung resp. des Provinzial-Konservators erforderlich ist. Die heutige Vorlage ist in der Baukommission durchberaten: sie stellt sich auf den Standpunkt, daß die zu lösende Aufgabe die gleiche bleibt, ob man den Turm erhält oder ob er abgerissen wird. Bei Beseitigung des Turmes werden nur unwesentliche Aenderungen erforderlich sein. Die Baukommission konnte sich noch nicht für Beibehaltung oder Beseitigung des Turmes entscheiden, sie schlägt daher vor, zunächst eine Verankung des Turmes vorzunehmen, worauf eine endgültige Beurteilung des Gesamteindrucks möglich sein wird. Die Herstellung der Anlage würde 4700 Mark erfordern.
Geheimer Kommerzienrat Senator Dr. Haarmann: Ich kann dem Turm eine große historische Bedeutung nicht zuerkennen. Ob es nötig ist, ihn wegzunehmen, ist jedoch abzuwarten. Beseitigen wir ihn nicht, so werden wohl unsere Nachkommen dafür sorgen, daß er nicht stehen bleibt, aber ich schließe mich dem Vorschlage der Baukommission an, damit wir dann sehen, wie die Sache sich macht. Ich bin sehr erfreut, daß gleichzeitig die Klubstraße endlich einmal eine Verbesserung erfährt, und ich begreife wirklich den Regierungspräsidenten nicht, daß er sich nicht schon öfter über deren Zustand beklagte.
B.B. Piepmeyer: Eine historische Bedeutung liegt bei dem Turme nicht vor, auf welches Jahr die Erbauung zurückzuführen ist, weiß niemand, man kennt ihn lediglich als " Plümers Turm". Wenn nun von den 4700 Mk. allein auf den Turm 700 Mk. entfallen, wäre ich doch sehr dankbar gewesen, ihn lieber in die Fundamente des Ratsgymnasiums zu stecken, das jetzt durch den Turm gar nicht voll zur Geltung kommt.
Stadtbaumeister Lehmann: Wenn hier die 700 Mk. beanstandet werden, so ist zu berücksichtigen, daß darin auch einige kleine Ausführungen am Turm selbst einbegriffen sind. Natürlich wird nichts Unnötiges gemacht werden.
B.B. Brickwedde: Die Mitglieder der Baukommission waren nicht alle der Meinung, daß der Turm für immer stehen bleiben soll, man will sich vielmehr erst später schlüssig machen. Historischen Wert besitzt der Turm nicht, er gehörte lediglich zur Schloßmauer und ist deren letzter Ueberrest. Wenn der Konservator seinetwegen hierher zitiert wird, dürfte er sagen, daß das nicht nötig gewesen wäre.
B.B. Berckemeyer: Wenn Sie den Turm stehen lassen wollen, so legen Sie doch wenigstens die Bedürfnisanstalt hinein. Ich begreife nicht, wie man vorschlagen kann, diesen alten Steinklumpen stehen zu lassen. Das Ratsgymnasium gereicht ihm freilich nicht zum Schaden, aber umgekehrt.
Worthalter R.A. Finkenstädt: Der Zeitpunkt, über das entstandene Bild ein Urteil abgeben zu können, scheint mir gekommen zu sein: es sieht einfach scheußlich aus! Der Turm ist gar kein Altertum, und wir brauchen gar keinen Konservator, will ihn aber der Konservator haben, so brechen wir doch den Turm ab, und stellen ihn dann zur Verfügung. Von den 4700 Mk. lassen sich die 700 Mk. für den Turm doch sparen, er wird uns immer ein Faustschlag ins Auge sein, wenn nicht, können Sie ihn ja wieder aufstellen. Ich meine, er sollte fortfallen. - Ueberdies scheint mir auch die für die Anlage auszuwerfende Summe zu hoch zu sein. Wir zahlen angesichts der Finanzlage der Stadt für derartiges wirklich zu viel. Man kann solche Arbeiten eben billig und teuer machen, es ist auch für wenig Geld etwas zu erreichen. In dem Etat sind für Promenadenzwecke 26 000 Mk. eingestellt, - sollte denn das nicht für alle in Betracht kommenden Zwecke genügen? Bei der Aufstellung des Etats war die Rede davon, daß ein Teil der Summe für den Schloßwall Verwendung finden soll, es wurde insbesondere von dem Tannendickicht gesprochen, und so war die Bewilligung der Summe erleichtert. Ein Teil der jetzt benutzten Summe müßte zum mindesten aus Etatsmitteln bestritten werden. - Zu diesen beiden Richtungen wäre die Vorlage zu verbessern.

B.B. Konditor Brockmann: Da dort die Straße nur 9 Meter breit ist, halte ich es für nötig, den Turm zu entfernen.
B.B. Brück: Der Turm steht direkt im Wege, und bedeutet ein großes Verkehrshindernis. Ich glaube, daß dem früheren Beschluß Genüge geschah. So viel ich hörte, ist man in der Bürgerschaft der Meinung, daß der Turm fallen muß.
Senator Krämer: Der Turm beschimpft die ganze Gegend, er muß fort, je eher je lieber.
B.B. Brickwedde: Man könnte sich vielleicht gleich an den Konservator wenden und mitteilen, daß der Turm abgebrochen werden soll.
Stadtbaumeister Lehmann: Ich würde es lebhaft bedauern, wenn man den Turm abbräche. Der Turm steht allerdings nicht ganz glücklich, aber er ist auch niemandem im Wege, und man soll solche alte Ueberreste nicht beseitigen. Ich glaube, daß die Baukommission einen Vorschlag unterbreitet hat, der annehmbar ist und der Gelegenheit gibt, sich die Sache doch einmal zu überlegen. Abgebrochen ist der Turm ja schnell.
Stadtsyndikus Reimerdes: Wir wollen selbstverständlich nicht erst Geld ausgeben, und dann den Turm doch abbrechen, die Baukommission ist nur der Ansicht, daß man ihn zunächst noch stehen lassen kann; daß er für immer stehen bleiben soll, wie Herr Brickwedde meinte, schlägt die Kommission nicht vor. Sie rät nur, sich die Sache noch einmal anzusehen.
Worthalter Finkenstädt beantragt, den Turm zu entfernen; ein Altertum sei es nicht.
B.B. Wilkiens: Ich befürworte, daß wir den Beschluß der Baukommission aufrecht erhalten, wenn der Turm schließlich auch fort muß. Wenn wir so lange warten konnten, können wir auch noch abwarten, wie der Turm inmitten der Anlagen sich ausnimmt. Der Beschluß der Kommission ist selbstverständlich in der Voraussetzung gefaßt, daß keine besonderen Kosten entstehen. Im allgemeinen bin ich der Ansicht, daß das Alte nur bestehen bleiben kann, wenn es schön ist, oder historischen Wert besitzt.
Stadtsyndikus Reimerdes: Die Ansichten über Altertumswert sind sehr verschieden, und wie wir hier der Meinung sind, daß der Turm zu beseitigen ist, glauben wieder andere, daß er erhalten bleiben muß. Beim Provinzial-Konservator muß aber jedenfalls wegen des Abbruches erst angefragt werden.
Bei der Abstimmung wurde der Antrag Finkenstädt, den Turm zu beseitigen, angenommen, und zwar vom Bürgervorsteherkollegium gegen die Stimme des B.B. Wilkiens.
Stadtsyndikus Reimerdes: Die 4700 Mk. aus den Etatsmittel zu entnehmen, ist nicht angängig. Wenn wir jetzt die Anlage schön gestalten wollen, wie es geplant ist, so können wir auch von dem beantragten Posten nichts in Abzug bringen. Der Bürgerpark wird selbstverständlich nur aus Etatsmitteln unterhalten.
Stadtbaumeister Lehmann: Wenn der Turm abgerissen wird, brauchen wir nur 4300 Mk.; der Abbruch erfordert ebenfalls einige Ausgaben.
Worthalter Finkenstädt: Ich möchte nochmals betonen, daß sich gewiß manches sparen läßt. Es wird bei den gärtnerischen Anlagen zu wenig sparsam vorgegangen. Es wird ja wohl nichts verschwendet, aber man geht doch immerhin zuweilen etwas opulent vor. - Der Betrag wird bewilligt. Baugesuche liegen nicht vor.


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