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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
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Überschrift:
"Möserstraße für Pferde und Wagen gefährlich zu passieren"
Zwischenüberschrift:
Juli 1896: Von den Mißständen, der Bürokratie und dem Übermut der Radler
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
" Möserstraße für Pferde und Wagen gefährlich zu passieren"

Juli 1896: Von den Mißständen, der Bürokratie und dem Übermut der Radler
Der Kronprinz von Siarn passierte mit seinem Gefolge den Hauptbahnhof. Er war auf dem Weg nach London. Kein Osnabrücker hat ihn gesehen, aber es stand in der Zeitung - vor 100 Jahren, am 27. Juni 1896. Die größeren Ereignisse des Monats sind schnell erzählt: Bischof Höting feierte sein 25. Priesterjubiläum, der Hasetorbahnhof wurde in Betrieb genommen und der Goetheplatz umgestaltet.
Über ein Jahr war der neue Hauptbahnhof nun schon fertig, aber er lag damals noch vor den Toren der Stadt. Wer ihn erreichen wollte, mußte seine Füße in die Schmötke der Möserstraße setzen. Mehrere Fuhrwerksbesitzer beklagten sich, die Fahrbahn befinde sich in einem ,, so trostlosen Zustand, daß es für Pferde und Wagen gefährlich ist, sie zu passieren, namentlich nachts. Sollte da nicht Abhilfe geschaffen werden?"
Schon seit Monaten hatte es aber auch Beschwerden gegeben, weil der Goetheplatz (heute Stresemannplatz) alles andere als eine Zierde fürs Auge war. Anfang Juni meldete das Osnabrücker Tageblatt befriedigt, nun gehe es endlich los mit der gärtnerischen Ausschmückung: Es sei zu erwarten, daß der Goetheplatz, ,, wie unsere städtischen Anlagen im Allgemeinen, eine Zierde für die Stadt werden wird."
Ein Mißstand ganz anderer Art wurde kurz . entschlossen in Eigenregie behoben: An der Jahnstraße, wo die Herdlerstraße und die Parkstraße aneinanderstoßen, mußten Fußgänger vor l00 Jahren den Wüstenbach überqueren. Eine Brücke gab es nicht, nur einen Pfahl, den jemand Jahr-

Bestrebungen zum Sturze von Thron und Altar

zehnte vorher über den Bach gelegt hatte. Auf dem Weg zur gerade fertiggestellten Pottgrabenschule balancierten nun jeden Tag um die 100 Kinder über diesen abenteuerlichen Steg.
Ein Anlieger griff zur Selbsthilfe und baute auf eigene Kosten ,, eine gut einen Meter breite, solide Brücke", wie das Tageblatt meldete. Doch prompt gab es Ärger mit der Bürokratie: " Die Polizei fand nun, daß die Brücke nicht den gesetzlichen Anforderungen entsprach und der Erbauer mußte auf eigene Kosten noch ein Geländer auf beiden Seiten anbringen lassen." Gegen den alten Pfahl hatte die Obrigkeit nie etwas einzuwenden gehabt!
Nicht nur Fußgänger, auch Radfahrer lebten damals schon gefährlich. Sie wurden von Hunden bedroht, mit Strafmandaten drangsaliert und mit Spott überhäuft. Die Zeitung veröffentlichte ein wenig schmeichelhaftes Lied, das zur Melodie von " Was blasen die Trompeten" gesungen wurde: " Seht Ihr auf Euren Touren Glasscherben und so was - so fahrt nur fest dazwischen, das macht den Leuten Spaß! Und springt Euch an die Beine beim Fahren mal ein Hund - Zerbeißt Euch Bein und Kleider, das ist Euch sehr gesund!"
Dazu kamen Zeitungsmeldungen, die sich den Übermut mancher Pedalisten auf der Zunge zergehen ließen. Einer, so meldete das Tageblatt, ,, brachte es fertig, das Rad zu besteigen, um auf demselben die fast haushohe Mauer zu befahren, welche die Vitischanze nach dem Vitihof zu abkleidet. Plötzlich aber bekam der Radler das Übergewicht und stürzte die hohe Mauer hinab in den gepflasterten Hof des Hauses Vitihof Nr. 13." Die Folge: ein Armbruch und ein zerdeppertes Fahrrad.

Noch tiefer gefallen war eine " Frauensperson", die man beim Diebstahl erwischt hatte. Sie versuchte " durch einen Sprung in die Hase sich zuertränken, wurde aber gerettet und zum Stadtkrankenhaus geschafft', wie am 11. Juni 1896 im Polizeibericht nach zulesen war.
Wenige Tage später, am 14. Juni, zogen 3000 Fackelträger, begleitet von Musikern und Fahnenträgern zum Domhof und jubelten Bischof Dr. Höting zu, der an diesem Tag sein 25 jähriges Priester Jubiläum feierte. Kaufmann Middendorl hielt eine Festansprache und beklagte, daß es überall Bestrebungen zum Sturz von Thron und Altar gebe, aber die Kundgebung vor dem Dom sei doch ein " eindrucksvolles Zeichen der Einheit zwischen dem katholischen Volke, dem Klerus, dem Bischof und dem päpstlichen Stuhle".
Anschließend gab es ein prächtiges Feuerwerk und eine Illumination sämtlicher Gebäude an der Domsfreiheit. Elektrischer Strom stand damals noch nicht zur Verfügung. Statt dessen begnügte man sich mit bunten Gläsern, in denen Lichter entzündet wurden. (rll)

Fotountertitel
ABGELEGEN: Der Hauptbahnhof lag ungünstig, die Möserstraße war In einem schlechten Zustand und der Zustand des Goetheplatzes bot zu Klagen Anlaß. Das Foto entstand nicht 1896, sondern einige Jahre später, als sich die Situation schon gebessert hatte.
Autor:
rll


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