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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Überschrift:
Verlorener Fluß darf wieder ans Tageslicht - Private Investoren und die Stadt engaagieren sich gemeinsam
Zwischenüberschrift:
"Eine schwierige und schlammige Angelegenheit" - Ingenieur Helmut Meinert erinnert sich an die Verdeckelung
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Mehr Grün am Rand
Till hat mit Wehmut historische Folos betrachtet, die zwischen 1939 und 196S von der Hase im Stadtgebiet aufgenommen worden sind. Ufergärten prägten das Bild und in den Flachwasserzoncn blühte blau die Bachbunge. Die Osnabrücker genossen diese Idylle und beschwetlen sich lediglich über Ratten, die sich wegen der unzureichenden Kanalisation gerne an der Hase tummelten. Anfang der 5Oer Jahre schlug die Stimmung um, und gegen die " Verunkrautung" wurde öffentlich zu Felde gezogen. Da Autos wenig später zunehmend die Stadt eroberten, dauerte es nicht lange, und der Zeitgeschmack wies der Hase weitgehend das Schicksals eines Kanales zu. Die Zeiten ändern sich und die Hase rückt als Fluß wieder in den Blickpunkt des Interesses. Das Projekt " Öwer de Hase" ist ein erster Schritt in die richtige Richtung. Till meint, es könne mit geringem Aufwand noch mehr getan werden. Überall entlang der Hase bieten sich graue Betonwände zur Bepflanzung an. Ein vom Grünfächenamt gefördertes Programm könnte sicherlich zur Randbegrünung der Hase in der Stadt beitragen. Till hofft auf die Initiative der Verwaltung. Bismontag

Verlorener Fluß darf wieder ans Tageslicht
Private Investoren und die Stadt engagieren sich gemeinsam
Von Christoph Franken
Anfang 1997 soll mit der Öffnung der Hase Im Bereich der Straße " Öwer de Hase" begonnen werden. Diesen Termin nannten gestern Vertreter der Anliegergemeinschaft während der Präsentation des Gesamtvorhabens, bei der auch weitere Details bekannt wurden.
Dr. Theodor Bergmann als Sprecher der Anlieger, Architek Wilfrled Ohnesorge und Stadtbaurat Jörg Ellinghaus erinnerten an die jahrelangen gemeinsamen Bemühungen, in diesem bisher als Parkplatz genutzten Bereich neue städtebaullche Akzente zu setzen. Dank der Initiative und des finanziellen Engagements der insgesamt neun Anlieger sowie der positiven fachlichen Begleitung des Projekts durch die städtische Baubehörde sei es schließlich auch gelungen, die Politiker zu überzeugen. " Erstmalig finanzieren Privatleute Baumaßnahmen auf städtischer Fläche, und das wird von der Politik honoriert", freute sich Bergmann.
Insgesamt sind für die Maßnahme 4, 2 Millionen veranschlagt. Davon trägt eine Grundstiicksgesellschaft Bergmanns 2 Millionen, die Stadt 1, 2 Millionen und die restliche Million bezahlen die neun Anlieger gemeinsam. " Wir überlegen zur Zeit, ob wir den städtischen Beitrag vorfinanzieren, da der erst 1997/ 98 in die Etatüberlegungen einfließen kann", signalisierte Bergmann gestern weiteres Entgegenkommen.
Ohnesorge erläuterte anschließend die geplanten Arbeitsabschnltte. Demnach werden drei Betonplatten auf einer Fläche von 15 x 70 Metern entfernt und die Seitenwände mit Sandsteinen und Pflanztrögen verkleidet. Das begrünte Geländer erhält Überhänge aus Holz, und Stahl. Diese Materialien finden sich an der Brücke wieder, die an Stahlseilen aufgehängt wird. Die Wasserfläche wird durch Findlinge aufgelockert, die die Fließgeschwindigkelt zusätzlich erhöhen. Pumpenkraft erzeugt Im vorderen Bereich eine vier Meter hohe Kaskade In Form eines Wasserfalls. Sie kaschiert die Öffnung zum Tunnel Richtung Neumarkt.

Gastronomie mit viel Flair
Kugelakazien Im aufgepflasterten Bereich sollen das ge' öffnete Hasebecken nach außen hin gegen Lieferverkehr und die Autos abschirmen, die zum Parkhaus fahren. In Richtung Neumarkt setzen Stahl-Glaspavillons mit Kupferdächern neue Akzente. Diese 250) Quadratmeter sind (für Gastronomie reservier!, " ein idealer Mövenpick-Standort", schwärmte Bergmann. Bislang sei es trotz vieler Versuche aus Osnabrück heraus nicht gelungen, diese für gehobene Gastronomie bekannte Kette in die Hasestadt zu holen. Vielleicht überzeuge aber dieses Mal die günstige Lage direkt am Wasser.

Eine weitergehende Öffnung Richtung Georgstraße Ist nach Ansicht der Fachleute nicht möglich, da die Hase-Deckel dort inzwischen statische Funktionen für die Häuser übernommen hätten.
" Ökologische Träumereien sind an dieser Stelle nicht zu verwirklichen, die Hase bleibt dort ein innerstädtischer Flußabschnitt", betonte Jörg Ellinghaus. Interessant sei es aber, durch Anstauung den Wasserstand zu erhöhen und damit eventuell Boots- oder Kajakverkehr zu ermöglichen. " Das werden wir untersuchen, aber wasserrechtllche Fragen Sind erfahrungsgemäß langwierig und kompliziert."
Für den Stadlbaurat wird mit der Realisierung des Vorhabens aus einem " Hinterhof der Stadt" eine attraktive innerstädtische Lage, deren Wert durch die Baumaßnahmen der Firma Meinders & Elstermann mit Ihrer neuen Passage zwischen Möserstraße und Großer Straße sowie des " Rundlings" auf der anderen Seite weiter steigt. " Die Lage wird vor dem Hintergrund der laufenden Mietpreisdiskussion für kleinflächigen Einzelhandel besonders interessant". ergänzte Bergmann. Insgesamt entstehen nach seinen Angaben zusätzliche 3500 Quadratmeter für Läden.
" Der Fluß ist ein Stück Kapital, das jetzt genutzt wird", faßte Ellinghaus die Intention der Stadtplaner und Investoren zusammen (siehe auch den Kommentar auf Seite 14).

" Eine schwierige und schlammige Angelegenheit"
Ingenieur Helmut Meinert erinnert sich an die Verdeckelung

Was heute als " Sünde der 60er Jahre" bezeichnet wird, lag 1967 genau Im Trend. Helmut Meinert, der seinerzeit als 29-jähriger Ingenieur des Tiefbauamtes an der Verdeckelung der Hase beteiligt war, erinnert sich noch genau: " Es herrschte damals eine Aufbruchstimmung und die generelle öffentliche Meinung war dafür." Kein Wunder, galt es doch, für die geplante erste Fußgängerzone der Stadt an der Großen Straße die rückwärtige Anlieferung sicherzustellen. Entsprechend gering war der Widerstand der Anlieger. " Nur einige haben sich erfolglos gewehrt, weil sie ihre kleinen Gärten an der Hase behalten wollten", erzählte Meinert.

Die Aufgabe selbst mit Beginn im Juni 1967 sei für Ingenieure und Bauarbeiter gleichermaßen eine Herausforderung gewesen. " Eine schwierige und schlammige Angelegenheit", berichtete der Fachmann, der auch heute noch Im Tiefbauamt tätig Ist. So sei das Hasebett schwer zugänglich gewesen und die Befestigung des natürlichen Untergrundes mit Schotter und Betonpflaster sei nur nach Umleitung des Flusses mit Spundwänden gelungen. " Trotzdem schwammen bei Hochwasser immer wieder Steine weg."
Meinert hat weitere technische Details parat: Die seitlichen Stützmauern sind rund vier Meter hoch und haben am Fuß eine Dicke von l, 5 Metern. Sie verjüngen sich nach oben auf 70 Zentimeter Breite. Darauf kamen als Deckel die 60 Zentimeter dicken Vollplatten aus Beton und das Ganze wurde mit einer Asphaltschicht versehen." Da abschnittswelse gearbeitet worden sei, ließen sich die einzelnen Betondeckel heutzutage wieder relativ leicht abheben.
Helmut Meinert warnte davor, den vor der Schließung bestehenden Zustand der Hase Im Bereich " Öwer de Hase" heute wieder hochjubeln zu wollen. " Idylle gab es nur Im Bereich der Gärtchen, aber entlang der vorhandenen Bebauung war die Hase damals schon ein Industriekanal mit Unmengen von Ratten."

Fotountertitel
AUS DER VOGELPERSPEKTIVE präsentiert sich hier das geöffnete Hasebecken. Links befinden sich die Fronten von Galeria Kaufhof und der Dresdner Bank.Fotos: Schwarzenberger

MODELLBETRACHTUNG: Architekt Wilfned Ohnesorge (links) und Dr. Theodor Bergmann. Foto: Michael Münch

EIN BLICKFANG vom Neumarkt aus: Im Vordergrund die Pavillon. Für sie wünschen sich die Investoren die renommierte Mövenpick-Kette als Betreiber eines Café-Restaurantbetriebs.
Autor:
Christoph Franken, Till


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