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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Inhalt:
Überschrift:
Archäologen stießen auf 1000jährigen Gartenzaun
Zwischenüberschrift:
Überraschung am Markt: Stadtentwicklung im Morast
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Von Rainer Lahmann-Lammert
Schon vor 1000 Jahren hatten die Osnabrücker kaum Wichtigeres im Sinn, als ein neues Grundstück erst einmal einzuzäunen. Einen " Gartenzaun" aus dem späten 10. Jahrhundert legten die Archäologen jetzt auf dem Lortzingplatz frei. Hinter der heutigen Stadtbibliothek muß also schon damals eine Parzelle angelegt worden sein. Für den Stadt- und Kreisarchäologen Prof. Dr. Wolfgang Schlüter eine handfeste Überraschung.
Exakt dort, wo die Grundstücke Markt 7 (Stadtbibliothek) und Markt 8 (Sergios Cafeteria) aneinanderstoßen, muß vor über 1000 Jahren ein emsiger Siedler sein Anwesen markiert haben. Er schlug eine Reihe von Staken in den morastigen Boden am Ufer des Poggenbachs. Den Grabungstechniker Budo Zehm bewegt die Frage, was einen Menschen wohl damals veranlaßt haben mag, so ein unwegsames Stückchen Land zum Nachbarn hin abzutrennen.

Dort, wo heute der Lortzingplatz ist, floß damals der Poggenbach, ein Wässerchen, das aus der Wüste kam und an der Vitischanze (die es damals natürlich noch nicht gab) in die Hase mündete. Eine Schleife dieses Baches trennte den heutigen Markt von der Domburg. Nach den Erkenntnissen der Archäologen wurden Handwerker und Kaufleute um 850 aus der Domburg ausquartiert. Sie gründeten eine Siedlung jenseits des Poggenbaches - den Markt.
Bisher gingen die Historiker davon aus, daß sich diese Ansiedlung bis zur Verleihung des Markt-, Münz-und Zollprivilegs im Jahre 1002 recht langsam entwickelte. Doch jetzt wurden neben dem Zaun auch spätere Pfostesetzungen entdeckt, die einen anderen Schluß zulassen: Womöglich war im IO./ 11. Jahrhundert die Bevölkerungsdichte schon so groß, daß selbst die feuchten Bachniederungen erschlossen wurden.

Der jetzt freigelegte Zaun muß also im Zusammenhang mit dieser frühen Epoche der Stadtentwicklung gesehen werden. Daß sich die Holzsta-

Von der Neuzeit bis ins Mittelalter

ken bis ins 20. Jahrhundert gehalten haben, dürfte der Feuchtigkeit in 2, 60 Meter Tiefe zu verdanken sein. In der ehemaligen Bachniederung steht gewöhnlich so viel Grundwasser, daß an Grabungen gar nicht zu denken wäre Die Archäologen kommen nur deshalb zum Zuge, weil es seit mehr als einem halben Jahr kaum geregnet hat.

Für Wolfgang Schlüter und Bodo Zehm ist der Fund vom Lortzingplatz so sensationell, weil sie zum ersten Mal eine ungebrochene Schichtenfolge von der Neuzeit bis ins Mittelalter angetroffen haben - und die ist sogar in einem ausgesprochen guten Erhaltungszustand. Datieren läßt sich die jetzt freigelegte Schicht durch Keramikscherben, die eindeutig dem 10. Jahrhundert unser Zeitrechnung zugeordnet werden.
Einen halben Meter höher stießen die Archäologen auf einen jüngeren Horizont. Holzpfosten aus dieser Schicht hat ein Dendrochronologe (ein Wissenschaftler, der auf die Untersuchung von Jahresringen spezialisiert ist), auf die Zeit von 1161 bis 1201 taxiert. Um 1200. soviel wissen die Historiker, begann in Osnabrück der Bau der Stadtmauer, Parzellen wurden neu geordnet und Straßenzüge so angelegt, wie sie zum Teil noch heute erhalten sind. Die feuchte Schleife des Poggenbachs schüttete man mit Müll zu. Später entstanden nebenan verschiedene Gebäude, auch eine Latrine aus dem 16. Jahrhundert, die für die Archäologen ebenfalls sehr aufschlußreich ist.
Das, was vom mittelalterlichen Zaun geblieben ist, wird sich nicht lange an der frischen Luft halten.Um die Reste der Staken zu konservieren müßten sie einige Jahre in einer Zuckerlösung aufbewahrt werden, so wie man das auch schon mit Wikingerschiffen gemacht hat. Für Wolfgang Schlüter ist die Entdeckung selbst jedoch wichtiger als das Material. Untersuchen möchte er nach Möglichkeit einen Baumstumpf neben dem Zaun, der ebenfalls bei den Grabungen zum Vorschein gekommen ist. Es könnte sich um eine Weide handeln.

Fotountertitel
VOR 1000 JAHREN die Grenze markiert: In 2, 60 Meter Tiefe stießen die Archäologen auf den Stakenzaun. (Bildmitte). Dr. WoIfgang Schlüter zeigt auf einen Baumstumpf aus jener Zeit, links im Bild Grabungstechniker Bodo Zehm.

Foto:
Gert Westdörp
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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