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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Gemeinschaftliche Sitzung der städtischen Kollegien.
Artikel:
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Originaltext:
Gemeinschaftliche Sitzung der städtischen Kollegien.

....
1. Umgestaltung des Kronprinzenwalles
Oberbürgermeister: Wie bekannt, sollen die Gleise der Straßenbahn über den Kronprinzenwall führen, der Auslauf sei an der Bierstraße, dann komme sie durch das Natruper Tor und biege nach Berührung des Walles in die Lotter Straße ein. Das bedinge eine Umgestaltung des Kronprinzenwalles, mit der die Baukommission sich eingehend beschäftigte. ....
Oberingenieur Erlandsen ging dann näher auf die Umgestaltung des Kronprinzenwalles ein. Die jetzige Fahrbahn habe nur eine Breite von 5 1/ 2 Metern. Das sei in Zukunft viel zu wenig, man müsse 7 1/ 2 Meter haben, damit die Straßenbahn und zwei andere Wagen bequem nebeneinander Platz finden. Bei der Regulierung sei vorgesehen, daß die Ungleichheiten der Höhenlage ausgeglichen werden. Die Vorschläge des Stadtbauamtes seien in der Kommission geprüft, und u.a. habe man beschlossen, geräuschloses Pflaster in Anwendung zu bringen, und zwar Hartholzpflaster. Die Bäume stehen an der fraglichen Stelle des Kronprinzenwalles nur 6 Meter auseinander, es sind also einige zu entfernen, wodurch aber die Anlagen nicht weiter in Mitleidenschaft geraten. Die Umgestaltung erfordert einen Aufwand von etwa 59 000 Mark; da jedoch die Art der Verrechnung noch nicht feststeht und auch noch andere Sachen gleichzeitig geregelt werden müssen, kann eine Bewilligung dieser Summe noch nicht ausgesprochen werden. ...
Die Vorlage wird, abgesehen von den Kosten, genehmigt.

2. Umgestaltung des Herrenteichswalles
Stadtbaumeister Lehmann führte aus, es sei ja bekannt, daß diese Frage schon seit Jahren mannigfache Erörterungen hervorgerufen habe. Es lägen bereits seit längerer Zeit zwei Projekte vor. Das älteste Projekt, das Hackländersche, setzte die Niederlegung des Walles voraus, eine Ringstraße und Anlagen. Dieser Plan wurde vielfach angegriffen, die einen wollten zwar die Niederlegung, aber sie waren mit anderen Details nicht einverstanden, die Gegenpartei wollte von einer Niederlegung des Walles nichts wissen. Man sah sich daher veranlaßt, das sachverständige Urteil des Baurates Stümm Posen anzuhören, der sich entschieden für Erhaltung des Herrenteichswalles aussprach. Er riet aber auch zu einer Querverbindung zwischen Karlstraße und der neu entstehenden Wallstraße. Ein weiteres Projekt sei die Verbindung der beiden Vorschläge. Bei der Diskussion der drei Projekte wurden verschiedene Gesichtspunkte hervorgehoben, und sie wurden bei dem jetzigen Entwurf berücksichtigt. Die Anlage einer Straße ist bei beiden alten Projekten geplant. Stümm will aber auch eine Querstraße. Lange Zeit sei nur eine einzige Verkehrsrichtung Süd-Nord vorhanden gewesen, das Bedürfnis einer Parallelstraße entstehen lassen, und man habe zuletzt ja auch die Georgstraße gebaut. Die Ablenkung des Verkehrs von der inneren Stadt werde mit dem Bau der Straßenbahn immer dringlicher, und die Herstellung der Querstraße liege sehr im Interesse der Entwicklung des Herrenteichswalles, sei es doch klar, daß die Verkehrsverhältnisse von Osten nach Westen einer Reform durchaus bedürfen. Man werde also auch mit der Anlage dieser Querstraße rechnen müssen. Die Straße könne auch gebaut werden, wenn der Wall erhalten bleibt, der Wall hindere gar nicht. Es sei darauf hinzuweisen, daß bei der Niederlegung des Walles eine Anlage entstehe von der Art, wie sie bereits genug vorhanden sind, nichts eigenartiges, originelles. Dagegen sei der Wall keinem im Wege, aber er statte das Stadtbild mit einem eigenartigen Gepräge aus, dem nichts ähnliches gegenüber zu stellen sei. Im Interesse der Stadt würde deshalb eine Niederlegung des Walles sehr zu bedauern sein. Der Wall würde mit Efeu belaufen werden, neben ihm würde sich eine Rasenfläche hinziehen, dann würden Fußweg und Fahrstraße folgen, letztere in einer Breite von 25 Metern. Diese Breite sei nötig, damit die später zu erbauenden Häuser gegenüber dem Wall aus dem Grundwasser gehoben werden können und auch die Querstraße trocken zu liegen komme. Auf Einzelheiten ging Redner nicht ein, da darüber von Fall zu Fall beraten werden müsse, er erwähnte aber, daß der Wall auf der Hase-Seite eine Einfriedigung erhalten müsse, daß der Eingang vom Möserplatz umzugestalten sei und der Endpunkt etwas geändert werden könne. Die Kreuzung der Querstraße mit dem Wall biete keine Schwierigkeiten, es lasse sich alles machen, ohne den Eindruck des Walles zu beeinträchtigen. Die Baukommission empfehle, dieses neue Projekt in den Grundzügen anzunehmen, ferner mit den Vorarbeiten zur Festlegung der Fluchtlinien einverstanden zu sein, und endlich der Querverbindung zuzustimmen. Im übrigen würde die Frage, wann die Umgestaltung auszuführen sei und was geschehen soll, später zu erledigen sein. In der Hauptsache sei ja zunächst zu entscheiden, ob der Wall bleibt oder nicht. Sollte aber die Entschließung dahin gehen, den Wall abzutragen, so erschiene es übereilt, daß jetzt zu bewerkstelligen, da noch immer Zeit dazu sei, wenn es sich als nötig erweise.
Oberbürgermeister Dr. Rißmüller hielt die vorliegende Frage für oft und lange genug erörtert, um zu einem Beschlusse kommen zu können, der eine feste Grundlage für das schafft, was zu geschehen habe. Der Stadtbaumeister habe eine ausführliche Denkschrift ausgearbeitet, die neulich in einer Sitzung der Baukommission behandelt wurde. Redner bittet dringend, die gemachten Vorschläge anzunehmen. Was die Frage betreffe, ob der Wall abzutragen oder zu erhalten ist, erkläre er sich für die Erhaltung. Er sehe nicht ein, daß die Abtragung einen Vorteil bringe. Durch die Niederlegung schaffe man, wie der Stadtbaumeister richtig sagte, nichts neues, erhalte man den Wall, erhalte man damit etwas spezifisch Osnabrückisches. Man frage doch die alten Osnabrücker, ob die wohl mit der Aufgabe des Walles einverstanden sein würden. Tatsächlich liege für die Niederlegung nicht die geringste Notwendigkeit vor, eher dafür, ihn zu erhalten. Er hindere auch nicht und werde durch Efeu sowie durch die Anlage von Rampen und Bastionen sehr gut auszustatten sein. Aber das seien Fragen, die noch nicht erörtert zu werden brauchten. Nun führten die Gegner des Walles das Verkehrsbedürfnis an. Redner meint, er werde immer mißtrauisch, wenn in Osnabrück von Verkehrsbedürfnis die Rede sei. In diesem Falle aber glaube er bestimmt, daß längs des Walles eine Straße geschaffen werden müsse. Es liege weiter ein Verkehrsbedürfnis für die Querstraße vor, die ja auch in dem Lodtmannschen Projekt vorkomme. Sie sei ohne Zweifel schwierig zu schaffen, weil man auf das Gebiet des Carolinums komme und dessen Spielplatz nicht gut durchschneiden könne. Aber man müsse doch in Verhandlungen eintreten und überhaupt mit den in Frage kommenden Grundeigentümern sich ins Benehmen setzen, denn es habe keinen Zweck, Zeichnung herzustellen, ohne zu wissen, ob das Projekt überhaupt ausführbar ist. Dem Verkehrsbedürfnis werde durch die Anlage der beiden Straßen vollkommen Genüge geleistet, und bei Abtragung des Walles sei ebenfalls nichts mehr zu erreichen.
B.-V. Erdbrink bemerkte, in der Kommission habe er sich auch für die Parallelstraße erklärt, er ziehe aber das Hackländersche Projekt vor, denn dann werde das jenseits des Walles liegende Terrain aufgeschlossen. Als die Wälle am Martinitor und am Hegertor gefallen seien, wäre man froh gewesen, daß sie weg waren.
B.-V. Wiemeyer hat in der Kommission nicht für die Beibehaltung des Walles gestimmt. Wenn der Wall um 2 Meter abgetragen werde, sei das Bild nach der Stadt ebenso schön als  wenn er seine alte Höhe behalte. Er stelle sich vor, daß man  bei Abtragung auf die halbe Höhe auf die Terrainhöhe der Domschule und Herz-Jesu-Kirche komme. Mit der Zeit werde das Gesamtbild ebenso schön sein, als wenn man anders verfahre.

B.-V. Brickwedde freut sich, daß nach dem neuen Projekt der Wall erhalten bleiben solle, er halte aber die Anlage einer Straße zunächst nicht für nötig, glaubt vielmehr, daß bis auf weiteres ein Fußweg genüge, schon auch der großen Kosten wegen. (Oberbürgermeister: Es handelt sich für jetzt nur um die Fluchtlinie!). Herr Brickwedde hält die Aufschließung des Bauterrains nicht für nötig sondern sieht Anlagen vor, habe es doch von autoritativer Seite geheißen, dort liege das Paradies von Osnabrück. Etwas anderes wäre es, wenn man einmal ein Theater dorthin bauen wolle. Die Vergrößerung der Anlagen innerhalb des Stadtgebietes sei jedenfalls dringend nötig.

B.-V. Ingenieur Brockmann ist im Prinzip mit den Vorschlägen einverstanden und hörte es gern, daß das Projekt stückweise durchzuführen sei. Es genüge, zunächst die Fluchtlinie festzulegen, die Kosten der Dammabtragung würden auch so groß sein, daß man jetzt nicht damit rechnen könne. Auch der Versuch bezüglich der Querstraße könne gemacht werden, wobei es ohne Zweifel Schwierigkeiten geben werde. Gut sei auch, erst zu sehen, wie die Eisenbahnfragen gelöst werden.
B.-V. Rentier Brockmann erklärte sich für die Abtragung auf 2 Meter Höhe. Das koste wenig; das freiwerdende Material könne neben dem Wall gelagert werden, wodurch die Breite des Weges sich verdoppele. Für die Bauplätze würden dann um so bessere Preise zu erzielen sein. Ein so wertvoller Spazierweg sei der Wall in seiner jetzigen Höhe auch gar nicht; wer einigermaßen den Husten hat, hüte sich, ihn zu betreten.

B.-V. Piepmeyer stimmt der Erhaltung des Walles zu, und wenn Herr Erdbrink gesagt habe, die anderen Wälle wären auch schön gewesen und doch habe man sie gerne fallen sehen, so vergesse er, daß die Anlieger sehr froh gewesen sind, Licht und Luft zu erhalten. Dieses Stück des Walles aber werde auf der einen Seite von der Hase begrenzt, und wenn auf der anderen Seite auch kein Villenviertel entstehe, so könne es dort doch sehr schön werden. Solche Bauplätze bekomme man nicht wieder.
Worthalter Rechtsanwalt Finkenstädt ist sich nicht klar, was eigentlich geschehen solle. Man spreche von einem Projekt, daß man aber noch nicht ausführen wolle. Unter diesen Umständen seien die einleitende Beschlüsse denen zu überlassen, die einmal die Kosten tragen müssen. Weiter komme man in der Sache nicht, wenn man auch die Fluchtlinie festlege. Das neue Projekt sei auch nicht einwandfrei, und er halte es verkehrt immer zu fragen, ob man den Wall abtragen soll oder nicht. Wer den Wall erhalten wolle, wünsche auch den schönen Ausblick auf die Stadt, aber die Straße sei doch ganz getrennt von der Promenade. Das die Mauer mit Efeu bewächst, würden die meisten kaum erleben. Dann wisse er auch nicht, wo die Fluchtlinie laufen soll; führe sie an Rasenstreifen entlang oder nicht? Er ziehe das Hackländersche Projekt in Verbindung mit den Stümmschen vor, frage aber, was die Beschlußfassung soll, wenn man praktisch nichts vorhabe.
Senator Böhr betonte, es sei nur die Frage, ob der Wall bestehen bleiben solle oder nicht, das andere wären Nebenfragen. Er erkläre sich für Erhaltung des Walles, gewähre er doch der Stadt einen Schutz gegen die unangenehmen Ostwinde des Winters.
Stadtbaumeister Lehmann führte aus, es sei gesagt, daß bei Abtragung von 2 Metern ein ebenso schönes Stadtbild bestehen bleibe. Es komme hier nicht darauf an, was absolut schön sei, sondern es handele sich um die Eigenartigkeit. Durch die Abtragung auf 2 Meter gehe der Charakter des Walles auf jeden Fall verloren, stößt man sich aber nicht an den Höhenunterschied, bleibt die Originalität. Wenn es weiter heiße, das Bestehenbleiben des Walles hindere die Ausschließung des Geländes, so sei demgegenüber doch auf die projektierte 25 Meter breite Straße zu verweisen. Solch breite Straßen habe man in Osnabrück überhaupt nicht, selbst die schönsten Straßen seien viel enger und obendrein von beiden Seiten mit Häusern besetzt. Am Herrenteichswall bekomme man nur auf der einen Seite Häuser und habe auf der anderen lediglich die Mauer, die die Ausnützung des Terrains doch nicht hindert.
Senator Kruse erklärte, wenn beschlossen würde, den Wall zu erhalten, erwerbe man sich den Dank eines großen Teils der Einwohnerschaft. In weiten Kreisen könne man sich kaum denken, daß bei Umgestaltung des Herrenteichswalles die Beseitigung des prächtig belaubten Spazierganges überhaupt in Betracht komme. Andere Städte beneideten uns darum, er sei eine Zierde Osnabrücks. Wenn es heiße, nach der Abtragung könne der Platz ebenso schön werden, so sei einzuwenden, daß man doch auf jeden Fall die Allee verliere; ehe die neuen Bäume soweit nachgewachsen sind, sei von den heute Lebenden wahrscheinlich niemand mehr da. Redner hat oft gehört, es wäre eine Schande, wollte man den Wall beseitigen. Beabsichtigt sei, die Ungewißheit von der Bürgerschaft zu nehmen, die wie ein Alp auf ihr ruhe; das weitere werde sich finden.
Oberbürgermeister Dr. Rißmüller kommt auf die Äußerungen des B.-V. Brickwedde zurück, der gesagt habe, den Platz östlich des Walles solle man für Bauzwecke nicht freigeben. Allenfalls könne er für einen Theaterbau in Betracht kommen. Es liege ihm durchaus fern, führte der Oberbürgermeister aus, die Frage anzuschneiden, wo ein zu erbauendes Theater einmal hinkommen werde, er benutze aber die Gelegenheit, einiges über die Theaterangelegenheiten mitzuteilen. Es sei bekannt, ....

Worthalter Finkenstädt habe gefragt, was mit der Aufrollung des Herrenteichswall-Projektes erreicht werden soll; man möge den Nachweis führen, daß bei Erhaltung des Walles dem Verkehrsbedürfnis ebenso entsprochen werde wie bei Niederlegung. Darauf sei zu entgegnen, wenn der Wall niedergelegt werde, sind nicht mehr Straßen anzulegen wie wenn man ihn erhält. Bezüglich der Querstraße ist Redner auch nicht skeptisch: Man müsse eben von der Karlstraße in die innere Stadt kommen, und die Grundbesitzer würden sich dem auch nicht widersetzen. Dann heiße es: Wozu sich festlegen? Der Stadtbaumeister komme erst dann in die Lage, das Projekt weiter zu bearbeiten, wenn er weiß, daß der Wall stehenbleibt. Erst dann wären die Fluchtlinien festzulegen.
Worthalter Finkenstädt fragt, ob es denn möglich sei, die beiden Wallhälften, die entstehen, wenn der Wall durch die Querstraße durchgeschnitten werde, mit einer 3 Meter breiten Brücke zu verbinden, ohne das Bild zu schädigen.
Stadtbaumeister Lehmann bejaht dies, die Brücke solle an einer Seite des Walles liegen, wodurch der Ausblick nicht gestört werde.
Es waren über folgenden Antrag abzustimmen:
Die städtischen Kollegien erklären sich grundsätzlich für die Erhaltung des Herrenteichswalles in seinem jetzigen Zustande und behalten sich wegen der Einzelfragen die Beschlußfassung vor. Sie erklären sich für eine Straße östlich neben dem Wall für welche die Fluchtlinie festzulegen ist; ebenso erklären sie sich für die Querstraße von der Karlstraße zur Domsfreiheit und Herstellung der Fluchtlinie.
Das Bürgervorsteherkollegium lehnte mit 7 gegen 5 Stimmen den Antrag ab; der Magistrat nahm ihn einstimmig an.


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