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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Gnadenfrist für das Preßwerk
Zwischenüberschrift:
Vereinigte Schmiedewerke haben heute noch 750 Mitarbeiter
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Gnadenfrist für das Preßwerk

Vereinigte Schmiedewerke haben heute noch 750 Mitarbeiter

Eigentlich sollte Europas einstmals größte Schmiedepresse bei den heutigen Vereinigten Schmiedewerken (VSG) am 31. Dezember stillgelegt werden. Doch der Kolon arbeitet weiter. Er bekam eine Gnadenfrist von vorerst drei Monaten. Möglich machte es die aufgefrischte Stahlkonjunktur, die dem Tochterunternehmen der Branchenriesen Thyssen, Krupp und Klöckner im letzten Jahr unerwartet lukrative Aufträge bescherte, sie sogar wieder in die Gewinnzonen brachte. Bei VSG werden allerdings noch rote Zahlen geschrieben, doch die gefüllten Auftragsbücher verzögern die beschlossene Frühpensionierung von rund 100 VSG-Mitarbeitern.

Zur Zeit sind gleich zwei Schmiedekolonnen mit Aufträgen eingedeckt, von Kurzarbeit keine Spur. Es müssen teilweise sogar Überstunden gemacht werden. Trotz der guten Auftragslage mußte sich der Betriebsrat des Standortes Osnabrück vehement für die Auslastung der Schmiedepresse einsetzen.

Ursprünglich wollte die Unternehmensleitung, wie Betriebsratsvorsitzender Josef Roling auf Anfrage erklärte, eine 1984 stillgelegte Presse im Bochumer Werk wieder aktivieren. Doch bei dieser Ankündigung war mit dem Betriebsrat nicht gut Kirschen essen.

Eingemottet

Die Bochumer Anlage war vor fünf Jahren eingemottet worden, weil das Werk Osnabrück die Abteilungen Radsatzbau, Weichenbau und das Ringwalzwerk nach Bochum abgegeben hatte. Und daran erinnerte der Betriebsrat jetzt die Geschäftsleitung. Dennoch ist noch ungewiß, ob Osnabrück weiter aus der guten Auftragslage Honig saugen kann. Josef Roling: " Mitte Februar soll beraten werden, ob die Bochumer Presse reaktiviert wird. Wir befürchten das.

Seit der Schließung des Stahlwerkes am 27. Mai letzten Jahres sind 500 der damals 1049 Mitarbeiter ausgeschieden. Von den 750 verbliebenen Belegschaftsmitgliedern haben weitere 76 die Termine des Ausscheidens bereits schriftlich. Diese Zahl reicht aber nicht aus, um auf den angepeilten Mitarbeiterstamm von 526 für das Bearbeitungszentrum zu kommen.

Dem Betriebsrat bleibt vorerst die Hoffnung, dass der Großteil der von Frühpensionierung bedrohten restlichen 148 Mitarbeiter in beruflichen Qualiflzierungskursen untergebracht werden kann. Mit der finanziellen Förderung aus dem Europa-Fonds können 50 zumeist ungelernte Kräfte in Ausbildungskurse (Werkzeugmacher, Dreher und Schweißer) " versetzt" werden, 30 sich im Bereich " Beschäftigung und Innovation" weiterbilden und 30 sich im Bereich Umweltschutz (Dekontaminierung) fortbilden.

Nach der sogenannten Frankfurter Vereinbarung zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern sind keine Mitarbeiter im Wortsinn ,, entlassen" worden, sondern über den Sozialplan vorzeitig in den Ruhestand gegangen; 85 Mitarbeiter zogen selbst die Konsequenzen und verabschiedeten sich bei VSG.

Umzug

Parallel zu den " Freisetzungen" (allein zum Jahresende waren es 170) hat die Umstrukturierung des Werkes begonnen. Bis auf die Schmiedehalle sind alle Werksbereiche im westlichen Teil des Geländes (ca. 25 000 qm) geräumt worden. Auch das Hauptverwaltungsgebaude gehört dazu, in dem nur noch die Betriebskrankenkasse bis zu ihrem Umzug tätig ist.

Das Bearbeilungszentrum Osnabrück nimmt im etwa 20 000 Quadratmeter großen östlichen Teil (die Grenze liegt in der gedachten Verlängerung der Schützenstraße) bereits Gestalt an. Um die Verwaltung unterbringen zu können, sind beispielsweise ehemalige Umkleideräume der Dreherei umgebaut worden; dort befinden sich heute die Chefzimmer.

Grünes Licht

Auch in die Grundstücksangelegenheit scheint nun Bewegung zu kommen. Wie Karl-Heinz Wöbker, der als stellvertretender Betriebsratsvorsitzender im Aufsichtsrat des Unternehmens sitzt, erklärte, habe die Geschäftsführung vom Aufsichtsrat ,, grünes Licht" bekommen, über eine neue Nutzung bzw. eine Veräußerung nachzudenken. Wie berichtet, bemüht sich die Stadt mit der Eigentümerin (das ist die VSG) handelseinig zu werden.

EINSTMALS Europas größte Schmiedepresse, jetzt kurz vor der Verschrottung? Die gute Auftragslage bescherte dem Osnabrücker Preßwerk eine dreimonatige Galgenfrist. Foto Archiv

(...)

Wöbker:,, Wir wünschen uns eine echte Aussage der Geschäftsführung, damit die Kollegen wieder Vertrauen fassen. Die Arbeitsmoral befindet sich jedenfalls auf " einem sinkenden Ast", schätzt Wöbker die Stimmung ein. Die beiden Betriebsräte wünschen sich für das neue Jahr den " sicheren Erhalt der noch vorhandenen

platze für unsere Kollegen . Wobker: " Wenn man über Jahre nur Personalabbau durchzuziehen hat - das geht einem an die Nieren."

EIN BILD aus glücklicheren Tagen: Die Hauptverwaltung des Osnabrücker Stahlwerks ist inzwischen geräumt, die Büros sind bis auf wenige Ausnahmen geräumt. Die neuen Chefzimmer sind in umgebauten Umkleideräumen der Dreherei eingerichtet worden. Foto: Hartwig Fender-Archiv
Autor:
Harald Preuin


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