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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Zum Wiederaufbau braucht die Natur Jahrtausende
Zwischenüberschrift:
Umweltschutzexperte sprach auf Einladung der NWA
Artikel:
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Originaltext:
Zum Wiederaufbau braucht die Natur Jahrtausende

Umweltschutzexperte sprach auf Einladung der NWA

Osnabrück. Mit eindringlichen Worten hat Dr. Wolf Eberhard Barth (St. Andreasberg), anerkannter Fachmann in Fragen für Umweltschutz und Renaturierung, auf die Notwendigkeit der Erhaltung der Artenvielfalt und der dafür erforderlichen Lebensräume hingewiesen. In einem Vortrag, zu dem die Niedersächsisch-Westfälische Anglervereinigung (NWA) unter anderem auch Vertreter der Unterhaltungsverbände Obere Hunte und Obere Hase sowie die Gewässerwarte eingeladen hatte, wies Barth daraufhin, dass derzeit Jahr für Jahr keine Fläche von 60 000 Hektar [naturnaher Landschaft in wirtschaftliche Nutzfläche umgewandelt würde.

Damit gehe, so der Umweltschutz-Experte, in atemberau-jbender Geschwindigkeit eine fArtenverarmung einher. Pro Jahr würden 60 bis 80 Organismen aussterben. 55 Prozent der Säugetiere, 54 Prozent der Vö-igel und 67 Prozent der Kriechtiere seien vom Aussterben bedroht. Nach den Worten des (Referenten benötigt die Natur 30 000 Jahre, um wieder aufzubauen, was die Menschheit tin zehn Jahren vernichtet hat. Diese Erkenntnis sei längst nicht mehr als Panikmache politischer Randgruppen abzuwerten; sie sei Forschungsergebnis von anerkannten Wissenschaftlern, betonte Dr. Barth.

Die Verminderung einiger Arten bewirke zugleich eine explosive Vermehrung anderer Arten, wobei sich Monokulturen noch begünstigend auswirken. Als Beispiel führte der Referent die Vermehrung des Borkenkäfers an: Aus zwei Tieren würden 1, 2 bis 1, 5 Millionen Borkenkäfer in einem einzigen Jahr. Als Gegenmittel verwende man in zunehmendem Maße Gifte. Dabei habe eine Verzehnfachung des Chemieeinsatzes zu einer Verdoppelung des landwirtschaftlichen Ertrages geführt. Weltweit seien bereits 400 Insektenarten immun gegen Pestizide. Mit jeder Pflanzenart, die aussterbe, würden 5 bis 25 Tierarten verschwinden. Als Beispiel führte Dr. Barth die Weide an, die 200 Insektenarten beherberge, sowie die Erle, die für 70 Insektenarten Lebensraum sei.

Die artenreichsten Ökosysteme seien die Gewässer mit ca. 3000 Tierarten. Seit den 60er Jahren seien 25 000 Kilometer Bachläufe ausgebaut worden. Mit dem Abbau der Randvegetation, Röhricht, Buschwerk und Bäumen seien die wichtigsten Energielieferanten der Gewässer verschwunden. Laub der Weiden und Erlen ernähre kleinste Wassertiere, die wiederum Nährtiere für Fische und Vögel seien. Dies sei durch Fischbesatz nicht auszuglei-chen. Einziges Gegenmittel sei die Wiederherstellung der Produktionskraft durch Uferbe-pflanzung sowie die Schaffung von Flachwasser- und Laichzonen.

In jedem Gewässer seien diese Zonen die Quellen der Regeneration, in denen ein Kreislauf über Bakterien, Urtierchen (Pantoffeltierchen, Wimperntierchen), Algen, Moose, Röhricht für Selbstreinigung und Produktionskraft sorgen würden. Das Aussetzen von allem, was schwimmen könne, würde oft das Gegenteil bewirken.

Fischtreppen als gutgemeinte Maßnahme zur Erhaltung eines durchgängigen Ökosystems sollten nach Ansicht von Dr. Barth der Vergangenheit angehören. Eine weitaus wirksamere und dazu billigere Maßnahme seien sogenannte Sohlabstürze, also Steinanhäufungen mit einem Gefälle von 10 bis 20 Grad, die nicht nur Fischen, sondern auch anderen Wassertieren den Aufstieg ermöglichen.

Dieter Freiberg, Vorsitzender der NWA Osnabrück, hatte in einleitenden Worten auf die unterschiedlichen Interessen zur Nutzung insbesondere der Fließgewässer sowie auf die Konflikte, die sich durch wirtschaftliche Nutzung und umweltschützerische Bemühungen ergeben, hingewiesen. Es gebe jedoch viele sichtbare Re-naturierungsmaßnahmen, die bewiesen, dass sowohl Unter-haltungsverbände als auch Angler aus Fehlern der Vergangenheit gelernt hätten. Es werde schwerlich möglich sein, den Urzustand der Gewässer wieder herzustellen; es sei jedoch möglich, Kompromisse zwischen den unterschiedlichen Nutzungsanfor-derungen zu finden. Ein gutes Beispiel dafür sei die Schaffung eines Biotops an der Hunte mit weitgehender Hilfe des Unterhaltungsverbandes Obere Hunte.
Autor:
WR


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