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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Unkrautbekämpfung mit Diesel und Spülmittel
Zwischenüberschrift:
Krebserregendes Trichlorbenzol in Wasserbrunnen entde
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Aus der Landwirtschaft kommen erneut Schreckensmeldungen: Nachforschungen des Landkreises Osnabrück haben ergeben, daß insbesondere beim Maisanbau teilweise Mixturen aus Wasser, Dieselöl, Spülmittel und Unkrautbekämpfungsmittel (Antrazin) auf die Äcker gesprüht wurden. Der Landkreis war diesen Praktiken auf die Spur gekommen, nachdem bei verfeinerten Untersuchungsmethoden in den Proben öffentlicher Trinkwasserbrunnen unzulässig hohe Anteile von krebserregendem Trichlorbenzol festgestellt worden waren. Dieser Stoff ist in Heiz- und Dieselöl enthalten. Kostenersparnis ist das Motiv der einzelnen Bauern, die diese gefährliche Mischung auf ihre Böden bringen: Das nach dieser strafbaren Rezeptur hergestellte Gemisch kostet nur einen Bruchteil dessen, was für umweltverträgliche Mittel bezahlt werden muß.

Wie wirkt die verbotene Mixtur? Aufgrund des Ölanteils wird das Unkrautbekämpfungsmittel länger in der Bodenkruste gehalten und sickert nicht schon beim ersten Regen ins Erdreich. Das Spülmittel wird nur für das Zustandekommen der Mischung von Wasser und Dieselöl benötigt. Tatsächlich hat das Tensid aber die verheerende Wirkung, daß es die Filterwirkung des Erdbodens aufhebt und dadurch das Eindringen des Dieselöls in tiefere Erdschichten ermöglicht. Bei den fraglichen Brunnen wird das Trinkwasser aus einer Tiefe von rund hundert Metern gewonnen. Die dortige geologische Struktur weist allerdings besondere Merkmale auf.

Die Verseuchung der Ackerböden mit dem Diesel-Spülmittel-Nebel ist nach Angaben von Oberkreisdirektör Wolfgang Kreft kein spezielles Problem des Osnabrücker Raumes. Diese Praxis sei europaweit verbreitet und bei landwirtschaftlichen Stellen auch bekannt. Nachdem vor, mehreren Jahren die stark umweltbelastenden Antrazide verboten und durch umweltverträgliche, aber teurere Präparate ersetzt wurden, hatten sich die Landwirte vermutlich besonders, intensiv in den Nieder landen - nach anderen Lösungen umgesehen. Die Wahl fiel auf das jetzt nachgewiesene Gemisch, vor allem auch, weil es schwierig nachzuweisen war. Eingeweihte nennen die Mixtur " Kohmeini-Cocktail". • Die betreffenden Brunnen im mittleren Landkreis sind bis auf weiteres vom Wasserversorgungsnetz abgekoppelt worden. Die Untersuchungen der öffentlichen Trinkwasserbrunnen werden ständig fortgesetzt. Wie die Leiterin des Kreisgesundheitsamtes, Frau Dr. Wedegärtner, mitteilte, sind bei dem jetzt festgestellten Trichlorbenzol-Gehalt keine akuten gesundheitlichen Schäden zu befürchten. Erst bei langfristigem Genuß von verunreinigtem Wasser bestehe die Gefahr von Krebserkrankungen.

Beim Sozial- und beim Umweltministerium in Hannover haben die Meldungen aus dem Landkreis erste Aktivitäten ausgelöst. Mit beiden Ministerien steht die Kreisverwaltung ständig in Kontakt, weil der Landkreis unter anderem auch bei Wasseruntersuchungen Schrittmacherdienste im Land leistet. Es ist davon auszugehen, daß auch in anderen Bereichen Niedersachsens die unheilvolle Mixtur bei der Unkrautbekämpfung verwendet wird.

Beim Landkreis Osnabrück gibt es schon einen ersten Verdacht gegen die Trinkwasserfrevler. Die Verfolgung der Schuldigen, denen eine Höchststrafe von fünf Jahren Gefängnis droht, ist aber nicht primäres Ziel, betonte man bei der Behörde. Vor allem soll auch an das Verständnis der Bauern appelliert werden. Die Landvolkverbände haben unterdessen das Vorgehen der ,, Schwarzen Schafe" aus ihren Reihen aufs schärfste verurteilt.

Erst vor wenigen Tagen hatte der Landkreis Osnabrück im Rahmen einer Pressekonferenz auf seine verstärkten Aktivitäten zum Schutz des Grundwassers und zur Sicherstellung der Trinkwasserversorgung hingewiesen. zet
Autor:
zet


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