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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Bauwunden fast verheilt
Zwischenüberschrift:
Pflanzengürtel am Zweigkanal lenkt von Spundwänden ab
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Mit leisem Rascheln streicht der Wind durch Schilf, Seggen und Gräser an der Böschung des Zweigkanals in Pye. Man muß schon genau hinsehen, um die eiserne Spundwand zu erkennen, die dem Ufer Festigkeit gibt Sie ragt nur knapp aus dem Wasser. An einigen Stellen liegt sie sogar 30 cm unter dem Wasserspiegel, immer dort, wo etwa alle 40 Meter Ausgangsstellen für Rehwild angelegt wurden. Zwischen Spundwand und sanft ansteigender Böschung verläuft der Pflanzengürtel, geschutzt vor dem Wellenschlag der Schiffe. Die Pflanzen wachsen im flachen Wasser, das auf etwa 60 cm Breite hinter der Spundwand steht und durch schmale Öffnungen ein- und abfließen kann, die auch Fröschen und Fischen als Ein- und Ausgang dienen.

Beim Blick von der alten Eisenbrücke an der Stiestraße, auf den Abschnitt des Zweigkanals zwischen dem Pyer Ding und der Autobahnbrücke, erinnert so gut wie nichts mehr an die im Januar 1985 begonnene Verbreitung, die im März dieses Jahres mit der Bepflanzung auf beiden Seiten beendet wurde. Die Bauwunden sind verheilt. Wie gut die Kanalbauer heute, im Gegensatz zu früher, die Spuren einschneidender Maßnahmen verwischen können, wird beim Blick auf alte Bauabschnitte deutlich.

Von der Brücke an der Stiestraße ist die durch Wildaustritt unterbrochene Linie der Spundwand kaum noch auszumachen, so dominiert bereits der Gräser und Säggegürtel. Die Kanalbauer freuen sich, daß alles so gut angewachsen ist Walter Mühring, Amtsleiter des Kanalneubauamtes Osnabrück und Minden, betont: ,, Wir können heute eine ganze Menge mehr machen, auch wenn es nicht gerade billig ist. So eine Böschungsbepflanzung kostet etwa 80 DM pro Meter. Da kommt einiges dabei heraus."

Auch bei der Befestigung der Boschungen oder dem Deckwerksbau, wie die Fachleute sagen, hat man 20 Jahre gebraucht, um das richtig in den Griff zu bekommen und ein Bauwerk voll in die Landschaft einzubinden". Geotextil-Filter und mit Mörtel oder Bitumen verklammerte Schutzsteine geben der Böschung Halt. Der von Schiffsschrauben und Schiffskörper ausgehende Wellenschlag und die Strömung würden sonst immer wieder den Füllboden herausziehen.

Eine Einheit mit dem Bauwerk Kanal bilden die Brücken. Die alten Eisenbrücken über dem Stichkanal mit ihren schweren, vernieteten Trägem und den Geländern, die Jugendstilelemente aufweisen, haben längst eine Initiative auf den Plan gerufen, die den unbedingten Erhalt fordert. Inzwischen steht jedoch fest, daß keine der Brücken lang genug für den neuen Ausbauquerschnit ist, den Schubeinheiten erfordern. So, wie sie jetzt, still vor sich hinrostend, den Kanal überwinden, werden sie auf keinen Fall bleiben können.

Dipl - Ing. Berthold Fieseler, zuständiger Sachbearbeiter des Strecken-Ausbaus, weist auf den problematischen Zustand dieser Brücken hin. Keine Schwierigkeiten sehen dagegen die beiden Kanalbauer in der Wiederverwendung der Geländer mit den Jugendstilornamenten. Mührung: " Das Eisen ist so dick, daß man es problemlos mit dem Sandstrahlgebläse säubern kann " Auch die über den Widerlagern aufragenden massiven Brückenportale aus Sandstein sollen wiederverwendet werden. Die beiden Brücken, die unter Denkmalschutz gestellt werden sollen, können durch originalähnliche Eisenbrücken ersetzt werden. Die Bögen müssen allerdings eine größere Spannweite haben, und dem neuen Ausbauquerschnitt angepaßt werden.

Die anderen Obergänge sollen laut Mühring nicht durch Beton-, sondern durch Halbparabelträger-Bücken ersetzt werden, die den Eisenbrücken im Erscheinungsbereich ähneln, was allerdings mehr Geld kostet. Einen Sündenfall wie bei der Brücke 72 in Pente. die wegen der 1, 10 m hohen geschlossenen Brüstung auf Kritik stößt, weil sie Kindern und Autofahrern den Blick auf den Kanal versperrt, soll es nicht mehr geben.

Freunde der alten Eisenbrücken müssen nicht befürchten, die Bauwerke von 1908 könnten in einer Nacht-und Nebel Aktion verschwinden. Vor 1989/ 90 tut sich nichts bei der Verbreiterung der restlichen Ausbauabschnitte. Bei der zuvor üblichen Planfeststellung werden alle Betroffenen sowie Verbände. Vereine und Kommunen gehört. Der Bauabschnitt in Pye war vorgezogen worden, weil die Böschung in diesem Bereich Schwächen zeigte und vor einigen Jahren schon einmal bei extremen Regenfallen und Hochwasser gebrochen war. Klaus Heinzel

Bilduntertitel
DIE BRÜCKENPORTALE aus Sandstein (Vordergrund) sollen bei den neuen Brücken über den Zweigkanal wiederverwendet werden.

VOR DEM GRÜNGÜRTEL aus Säggen, Schilf und Gräsern ist die knapp aus dem Wasser ...* Spundwand auch von der Kanalseite her kaum zu erkennen. Vom Ufer aus (unser Bild) ist ...* überhaupt nicht zu sehen. Fotos: Michae ...*

DIE ALTEN BRÜCKENGELÄNDER mit ihren Jugendstilornamenten sollen nicht verschrottet, sondern mit dem Sandstrahlgebläse gesäubert und bei den neuen Brücken wieder eingebaut werden.
Autor:
Klaus Heinzel


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