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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Die gestrige Sitzung der städtischen Kollegien.
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Die gestrige Sitzung der städtischen Kollegien.

Nachdem diese Etats ohne wesentliche Debatte ihre Genehmigung gefunden hatten, referierte Stadtsyndikus Rißmüller über den projektierten Sammelkanal, der dazu bestimmt ist, die sämtlichen Abwässer und Fäkalien der Stadt aufzunehmen, um sie hinter der Westerkamp und Eggemannschen Papiermühle in die Hase zu leiten, nachdem sie vorher unweit der Einmündung eine Kläranlage passiert haben, lieber das gesamte Projekt ist vom Stadtbaumeister Lehmann ein Plan ausgearbeitet worden, nachdem sich eine Kommission bereits vor einigen Jahren verschiedene ähnliche Anlagen in anderen Städten angesehen hat. Wie Syndikus Rißmüller in seiner Erläuterung hervorhob, handelte es sich gestern noch nicht um eine Beschlußfassung über die Kosten, die beiläufig auf rund 600 000 M. veranschlagt sind, sondern um eine Feststellung des Projektes an sich, damit auf Grund desselben durch Vermittlung des Regierungspräsidenten die ministerielle Genehmigung zur Inangriffnahme des in sanitärer Hinsicht hochbedeutsamen Werkes eingeholt werden kann. Bis zum Jahr 1889 mündete der Sammelkanal in unmittelbarer Nähe der alten Hasethorbrücke in den Fluß, infolge erhobener Beschwerden wurde die Einmündung dann unterhalb der neuen Kaiserwallbrücke angelegt, und da auch hiergegen sich bald Beschwerden geltend machten, beschlossen die Kollegien im Jahre 1896, die Ausmündung an einer Stelle unterhalb der Wiemanschen Bleiche anzulegen. Auch damit war natürlich keine radikale Besserung geschaffen, und abermals traten mißbilligende Stimmen hervor. Die daraufhin eingesetzte Kommission gab nach Besichtigung ähnlicher Anlagen in anderen Städten ihr Gutachten wesentlich im Sinne der folgenden Punkte ab: Das Zweckmäßigste und Beste ist es, die Abwässer der Stadt Osnabrück auf Rieselfelder zu bringen; da solches indes mangels eines zweckmäßigen Terrains unterhalb der Stadt nicht möglich erscheint, ist es angebracht, den Sammelkanal unterhalb der Wachsbleiche, etwa bei der Ratswiese ausmünden zu lassen, womit indessen die Beschwerden der Firma Westerkamp u. Eggemann wegen Verunreinigung des Hasewassers noch nicht behoben gewesen wären. Nachdem sodann auch die Regierung auf Beseitigung des Mißstandes gedrungen hatte, wurde Regierungsbaumeister Taaks mit der Ausarbeitung eines Gutachtens betraut, daß im Wesentlichen Folgendes besagte: Die städtischen Abwässer müssen unterhalb der Westerkamp u. Eggemannschen Mühle in die Hase geführt werden, da die bisherigen Maßnahmen nur als Notbehelfe erscheinen. Am zweckmäßigsten erscheint die Anlage des Kanals auf dem linken Haseufer; die Kanalwässer sind vor der Einführung in die Hase einer mechanischen Klärung zu unterziehen. Es haben daraufhin Unterhandlungen mit Vertretern der Königlichen Regierung stattgefunden, und das Resultat derselben war ein prinzipiell sehr wichtiger ministerieller Erlaß, der auch die Grundlage aller weiteren Verhandlungen bilden muß. In dem Erlaß wird bezüglich des springenden Punktes u. A. gesagt, " daß wir (der Minister) mit Rücksicht auf die Verhältnisse, wie sie sich bei der örtlichen Prüfung ergeben haben, gegen die Ableitung der sämtlichen Kanalwässer in die Hase unterhalb des Stauwerkes der Firma Westerkamp u. Eggemann nicht zu erinnern finden, wenn die Wässer vor dem Einlaß mechanisch gereinigt werden. Von der Anlegung von Notauslässen innerhalb der Stadt ist thunlichst abzusehen. Die Fertigstellung des Projektes ist nach Möglichkeit zu beschleunigen."

Auf Grund dieses wichtigen Erlasses, durch welchen von vornherein die Abführung der Kanalwässer in die Hase unter den angegebenen Voraussetzungen zugestanden wird, ist sodann seitens des Stadtbaumeisters der Gesamtplan ausgearbeitet worden und auch die Baukommission hat denselben bereits zum Gegenstand ihrer Verhandlungen gemacht. Ferner hat Regierungs- und Medizinalrat Dr. Grisar nach einer Prüfung des Projektes noch zur Erwägung verstellt, ob sich nicht das Gebiet des Stahlwerkes und die Gemeinde Schinkel in das Kanalsystem mit einbeziehen lasse. Die Baukommission hat dann noch einmal zu der Angelegenheit Stellung genommen und den Vorschlag gemacht, daß auf Grund des vorliegenden Projektes nunmehr der Antrag an das Ministerium zu stellen sei, die Genehmigung zur Anlage des Kanals zu erteilen.
Stadtbaumeister Lehmann gab hierauf noch verschiedene Erläuterungen, denen wir Folgendes entnehmen: Auf der linken Haseseite ist zur Zeit nur eine einzige Kanalausmündung vorhanden, die wie oben schon bemerkt, hinter der Wieman` schen Bleiche bei der Nobbenburg die Verbindung mit der Hase herstellt; auf der rechten Haseseite sind dagegen zwei Ausmündungen vorhanden, von denen die eine den Abwässern des Sandbaches beim Pernickelturm Eintritt in die Hase gewährt, während die andere die Abwässer der Ziegel- und Bramscherstraße unweit der Armen-Arbeitsanstalt an der Turnerstraße der Hase zuführt. Im Gegensatz zu dem bisherigen Zustand umfaßt nun der neue Entwurf 1. die Vereinigung und Verlegung sämtlicher Ausmündungen in das Unterwasser der Papiermühle mittels des Sammelkanals, 2. die Klärung der Abwässer vor dem Einlaß in die Hase, 3. die Anlegung mehrerer Not-Auslässe innerhalb der Stadt. Die Führung des Kanals, der eine Länge von 2200 Meter und eine lichte Weite von 1, 30 : 1, 70 Meter erhalten soll, wird die folgende sein: Fortsetzung des Stüvekanals von der Nobbenburg parallel der Eisenbahn, die im Zuge des Weges Natruperstraße - Papiermühle unterführt werden müßte, dann Benutzung eines vorhandenen Weges bis hinter die Papiermühle zur Hase. Um den Kanal auch bei Gewittern und sonstigen starken Regenfällen leistungsfähig zu machen, sollen innerhalb der Stadt sechs Notauslässe unter Benutzung der bereits vorhandenen Ausmündungen hergerichtet werden u. zw. an der Georgstraße, bei der Hasebrücke am Hasethor, bei der Kaiserbrücke, am Einlauf des Sandbachs beim Herrenteichswall, an der Turnerstraße und bei Beginn des großen Hauptsammelkanals. Ferner ist unterhalb des Hasethors ein besonderes Bauwerk, ein sogen. Düker, anzulegen, welcher unter dem Flußbett durchgehen, in der Hauptsache aus drei gußeisernen Röhren von je 45 cm Durchmesser bestehen wird und dazu bestimmt ist, die Abwässer des rechts der Hase gelegenen Stadtgebiets in den linksseitigen Hauptsammelkanal zu überführren. Unter der Annahme, daß die Abwässer mit einer 12maligen Verdünnung durch Regenwasser abfließen, reicht der Kanal für 115 000 Einwohner aus. Redner gibt weiterhin noch einige Mitteilungen über die an der Ausmündung des Hauptsammlers unterhalb der Papiermühle anzulegende Klärungsanlage, die sich im wesentlichen aus drei großen Klärbecken und vier Schlammbehältern zusammensetzen wird, von welch` letzteren jedoch zunächst nur zwei angelegt werden sollen; auch eine Lokomobile muß daselbst aufgestellt werden zu dem Zwecke, die Senkstoffe der Klärbecken von Zeit zu Zeit nach den Schlammbehältern zu pumpen. Die Klärbecken erhalten eine Größe von je 10 : 60 Meter, die Wasserbewegung beträgt 8, 86 mm pro Sekunde, die durchschnittliche tägliche Klärmenge dürfte rund 10 000 Kubikmeter Wasser umfassen, welches Quantum sich jedoch bei Regenwetter auf 50 000 Kubikmeter steigern kann. Mit dem Projekt in Verbindung steht eine Regulierung des Haselaufes unterhalb des Hasethores, um daselbst eine bessere Vorflut zu schaffen. Redner berührt ferner die Verhandlungen, welche in der Frage stattgefunden haben, ob es zweckmäßig erscheine, noch andere Wasserläufe, so den Wiesenbach, den Schnatgangsgraben und den Martinibach mit in das Kanalsystem einzubeziehen. Man ist zu einer Verneinung dieser Frage gekommen, wobei einmal die Kosten, zum anderen aber die bedeutende Wassermenge dieser Ablaufe (zusammen rund 5000 Kubikmeter pro Tag) den Ausschlag gegeben haben. Auch der Sandbach (tägliche Wassermenge allein 5000 Kubikmeter) soll nicht mit einbezogen werden, vielmehr liegt es im Plane, den jetzigen Kanal für die Abführung des Sandbachwassers nach der Hase beizubehalten, für die Zuführung der Hausabwässer von der Liebigstraße her aber einen neuen Kanal anzulegen, der vorläufig bis zum Schlachthof fertiggestellt werden soll. Die Herstellung von vorläufig nur je zwei Schlammbehältern und Klärbecken unterhalb der Papiermühle wird damit begründet, daß man zunächst die Sache erproben und sich event. bei den weiteren Anlagen die Fortschritte der Technik auf diesem Gebiete zu Nutze machen will; auch steht noch nicht fest, in welcher Weise die Verwertung des getrockneten Schlammes erfolgen soll.

Stadtsyndikus Dr. Rißmüller fügt dem noch hinzu, daß sich die Baukommission gegen die Einbeziehung des Stahlwerkes in das Kanalnetz, dagegen für die Hinzunahme des Schinkelgebietes ausgesprochen habe; da durch die letzterwähnte Erweiterung jedoch eine Mehrausgabe von rund 148 000 M. entstehen wird, so soll der Gedanken nur unter der Bedingung in die That umgesetzt werden, wenn die Gemeinde Schinkel sich in entsprechender Weise finanziell beteiligt resp. zur Amortisation der bezeichneten Summe ihre Bereitwilligkeit erklärt. Bezüglich des letzteren Punktes hängt es von dem Ergebnis der Verhandlungen mit dem Landrat und der Gemeinde Schinkel ab, wie die Sache weiter verläuft. Der angenommene Kostenanschlag von etwa 600 000 M. für die Stadt allein würde bei einer Verzinsung und Tilgung mit 5 Prozent eine jährliche Belastung der Kämmereikasse von 30 000 M. zur Folge haben; dieser Betrag könnte indeß nach Ansicht des Referenten event. durch eine Neuformulierung der Sielrente noch herabgedrückt werden, indem für die Einrichtung von Spül-Aborten eine gewisse Gebühr erhoben würde in der Weise, daß der Betrag, welcher jetzt von den Hauseigentümern für die Abfuhr mittels der Wagen gegeben wird, in Form einer Abgabe an die Kämmereikasse geleistet werde. Der vorliegende Antrag für das Gesamt-Projekt wird sodann in folgender Fassung beim Magistrat einstimmig, beim Bürgervorsteherkolleg gegen 1 Stimme angenommen:

Auf den Vorschlag der Baukommission wird beschlossen, den Entwurf über die Abführung der städtischen Abwässer vom 15. Dezember 1898 und den Nachtrag hierzu vom 30. August 1900 der Regierung vorzulegen und die Genehmigung des Entwurfs in folgendem Umfange zu beantragen:
1. Anlage eines Hauptsammlers bis unterhalb der Papiermühle auf dem linken Haseufer.
2. Anlage eines Sammlers für die rechte Haseseite von der Pernickelmühle ab einschließlich Dükerung der Hase hinter der Armen-Arbeitsanstalt.
3. Nach Herstellung dieser Sammler getrennte Abführung des Sandbaches in die Hase und Herstellung eines Brauchwasser-Kanals in der Liebigstraße bis zum Schlachthof, der später event. bis zur Gemarkungsgrenze von Schinkel fortgesetzt wird.
4. Anlage einer mechanischen Klärvorrichtung bei der Mündung des Hauptsammlers hinter der Papiermühle. Ausgeführt sollen zur Zeit werden zwei Klärbecken und zwei Schlammbehälter. Eine abweichende Herstellung der Kläranlage bleibt vorbehalten, um etwa in der Zeit bis zur Ausführung eintretende diesbezügliche Fortschritte der Technik berücksichtigen zu können.
5. Die Regulierung des Hasefluß-Laufes von der Pernickelmühle bis zur Eisenbahnbrücke.
Vor der Abstimmung gab B.-B. Dr. Hilkenkamp noch dem Wunsche Ausdruck, daß mit dem Ausbau des Kanals möglichst rasch, wenn es gehe, schon im kommenden Frühjahr begonnen werden möge, damit die Anlieger unterhalb der jetzigen Kanalausmündung nicht länger mehr die Wohlthaten eines reinen Flußlaufes zu entbehren hätten. Wortführer Schemmann sprach sich in gleichem Sinne aus und empfahl die Annahme der Vorlage, und in gleicher Weise äußerte sich Bürgervorsteher Finkenstaedt, der die Pläne, Anschläge und Gutachten auch dem ärztlichen und Techniker-Verein zur Kenntnisnahme zugewiesen sehen wollte, in welcher Hinsicht ihm Oberbürgermeister Westerkamp die Zusage gab. Die Angelegenheit hatte damit zunächst ihre Erledigung gefunden.


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