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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Überschrift:
Zur Herrnteichswall-Frage.
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Zur Herrenteichswall-Frage.
Mit Freude ist es zu begrüßen, daß, nachdem die öffentliche Diskussion in der Herrenteichswall-Frage angeregt ist, aus der Mitte der Bürgerschaft heraus die Ansichten über dieses für die Stadt so hochwichtige Projekt bekannt gegeben und ausgetauscht werden.
Die öffentliche Besprechung kann der Klärung der Meinungen und gedeihlichen Förderung des Projektes nur dienlich sein. Deshalb sei es auch mir gestattet, meines Theiles hieran mitzuwirken.
Was den Osnabrückern den Herrenteichswall lieb und werth macht, ist nicht seine Eigenschaft als historisches oder monumentales Bauwerk, auch nicht die sehr fragliche Schönheit des Bauwerkes selbst, sondern der schöne Spaziergang, welchen er bietet mit dem freien Blick über die Hase hinweg in die gegenüber liegenden Gärten- und Häusergruppen.
Und sicher würde jeder Osnabrücker das Schwinden dieses Spazierweges schmerzlich empfinden und Niemand der Abtragung des Walles das Wort reden, wenn sich nicht etwas schöneres an seine Stelle setzen ließe. Das ist aber m. E. der Fall in hohem Maße. Es bietet sich hier eine Gelegenheit, wie sie so bald nicht wieder kommen wird, das Bild der Stadt anmuthig zu gestalten und die Stadt um eine Zierde zu bereichern, um welche uns manche andere Stadt beneiden wird. Und das mit verhältnißmäßig geringen Mitteln!
Dieses Ziel zu erstreben, ist der Zweck der nachfolgenden Zeilen.
Das Stübbensche Projekt will die Ostseite des Walles mit einer sanft absteigenden Böschung versehen und den Wall in seiner jetzigen Gestalt belassen. Neben dem Wall parallel soll die Fahrstraße laufen, an deren östlicher Seite Bauplätze ausgelegt werden sollen. Um die nothwendigen Aufschüttungen für Straße und Böschungen herzustellen, müssen Tausende von Fudern Erde angefahren werden, und der Straßencanal muß verlegt werden, weil der jetzt vorhandene in die Böschungen fällt. Wollen die demnächstigen Anwohner einen Blick in die Ferne werfen, so müssen sie in die oberen Etagen klettern, da der Wall den unteren Räumen jede Aussicht nimmt. Eine Verbindungsstraße von der Karlstraße nach der Domsfreiheit zu schaffen ist unmöglich, weil der Wall durchbrochen werden müßte. Wahrlich! wer sich dieses Projekt betrachtet, dem kommt wohl unwillkürlich der Gedanken: Das hätten wir hier auch gekonnt!
Da präsentiert sich das Hackländersche Projekt mit seinen schönen Promenaden und welligen Linien, welches auch den Anforderungen des Verkehrs gerecht wird, ganz anders! Mit Herrn Senator Haarmann bin ich darin vollkommen einig, daß demselben der Vorzug vor dem Stübbeschen zu geben ist, und wenn einmal die jetzt der Stadt gehörigen ehemals Lodtmannsschen Grundstücke zu Bauplätzen verwerthet werden sollen, so kann nach meinem Ermessen nur dieses Projekt in Frage kommen, welches den Villenbesitzern freien Blick gestattet, und Luft und Licht Eingang gewährt.
Dabei werden die Kosten erheblich geringer sein, weil das nothwendige Aufschüttungsmaterial aus dem Abbruch des Walles gewonnen wird.
Nun ist in hiesigen Blättern eine weitere Ansicht hervorgetreten, welche den Wall erhalten und das Gelände östlich desselben zu Anlagen umwandeln will. Der letztere Theil des Projectes ist mir im höchsten Grade sympathisch und entspricht ganz der Ansicht, welcher ich Geltung verschaffen möchte. Mit dem ersten Theile desselben kann ich mich indeß gar nicht befreunden. Der Charakter des Walles als historisches Bauwerk geht durch die Anschüttungen allemal verloren, ästhetische Gründe sprechen nicht für seine Erhaltung, das gärtnerische und landschaftliche Bild kann nach seiner Entfernung wesentlich verschönert werden. Soll der Wall nur erhalten werden, weil er von einem Punkte aus das Spiegelbild sämmtlicher Osnabrücker Thürme im Hasebett gewährt, so finde ich den Grund nicht hinreichend. Wenn etwas Schönes geschaffen werden soll, so muß das ganze Gelände bis zur Hase hin einheitlich behandelt und darf nicht von einer erhöhten geraden Linie durchschnitten werden. Es ist deswegen nicht nothwendig, daß der Wall vollständig rasirt wird.
Im Gegentheil, ich halte es sogar für weit schöner, wenn beispielsweise an den Endpunkten des Walles erhöhte Plateaus erhalten bleiben, welche vielleicht mit grottenartigen Ausbuchtungen in der Mitte und schönen Sitzplätzen nach der Hase hin in Wellenlinien auslaufen, Herr Baurath Hackländer ist der Ansicht, daß eine Häuserreihe mit Vorgärten dem Auge den unschönen Anblick des Bahndammes entzieht. Ich glaube, der Zweck wird durch hübsche Anpflanzungen ebenfalls erreicht und möchte auf dem Platze keine anderen Gebäude sehen, als vielleicht ein oder zwei öffentliche Gebäude, welche inmitten schöner Anlagen den Platz zieren und durch diesen geziert werden. Ich denke hierbei in erster Linie an den im Laufe der Jahre nothwendig werdenden Neubau eines Theaters, wozu der Platz in jeder Hinsicht geeignet erscheint. Eine weitere Verschönerung läßt sich vielleicht erzielen, es ist das eine Frage, über welche der Techniker noch gehört werden muß, durch Schaffung eines Weihers inmitten der Anlagen, zu welchem man das Wasser der Hase an der Herrenteichsbrücke entnehmen und oberhalb der Pernickelmühle wieder zuführen könnte. Die Anlage einer schönen, breiten, mit Bäumen bepflanzten Verbindungstraße vom Möserplatze zur Karlstraße, sowie von der Karlstraße zur Domsfreiheit, welch letztere ich für sehr wünschenswerth halte, steht der Ausgestaltung des Platzes durchaus nicht im Wege; sie muß nur gleich von Anfang an in Betracht gezogen und die Anlagen danach zugeschnitten werden. Nur ein Grund glaube ich, kann ernstlich als Hinderungsgrund geltend gemacht werden, das ist die Kostenfrage. Ich bin aber der Ansicht, daß dieselbe bei einem für die Schönheit der Satdt so hochwichtigen Projecte nicht allein ausschlaggebend sein kann, und bin überzeugt, daß unsere Nachkommen es uns noch nach langen Jahren danken werden, wenn wir die Gelegenheit, welche sich uns jetzt bietet, eine wirkungsvolle und dauernde Verschönerung der Stadt herbeizuführen, nicht ungenützt vorübergehen lassen.
Ein Blick in unsere Nachbarstadt Münster zeigt uns, was dort für solche Zwecke geopfert wird, und welche Erfolge dort erzielt sind. Und daß das Geld nicht weggeworfen ist, das ausgegeben wird, um uns die Heimath wohnlich und schön zu machen, darin sind wohl alle einig.
Der wohlhabende Bürger erfreut sich an dem, was er im Haus und Garten für sich schafft; er geht auf Reisen und genießt, was die Welt Schönes bietet.
Hier gilt es, etwas zu schaffen, woran Jeder, Arm und Reich, seine Freude hat, und auch dem, der durch die Verhältnisse an die Scholle gefesselt ist, Ersatz zu bieten für das, was das Schicksal ihm entzieht.
" Das Alte stürzt, es ändert sich die Zeit und neues Leben blüht aus den Ruinen." Möge aus dem Zusammenbruch des Herrenteichswalles neues Leben sprießen und erblühn, und ebenso vielen Generationen Freude gewähren, wie das Alte gewährt hat.
M. Wilkiens.


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